• vom 12.07.2015, 14:00 Uhr

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Update: 12.07.2015, 14:43 Uhr

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Neues aus österreichischen Kleinverlagen




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"Flucht vor der Nacht", der neue Roman von Dine Petrik (Bibliothek der Provinz 2015) spielt in der Wiener Kunstwelt. Im Zentrum des Geschehens steht ein ernstes, wenn nicht tragisches Psychodrama: Der arrivierte Maler Benjamin Bogathy hat in seiner Kunst viel erreicht (sein Kunstverständnis wird im Buch in vielen Gesprächen erörtert), doch schützt ihn das nicht vor Gefährdungen. Sein Ehe- und Familienleben ist eine einzige Katastrophe, in der schließlich die geliebte Tochter Olivia auf mysteriöse Weise ums Leben kommt. Auch Bogathy selbst, dem Alkohol verfallen, ist vom Tod bedroht. In einer Prosa, die innere Monologe und sachliche Beschreibungen ineinander verwebt, entwirft Petrik ein dichtes Zeitporträt, das im Jahr 2000 endet - also mit dem Beginn eines neuen Millenniums, das zumindest für einen Künstler wie Bogathy nichts Erfreuliches mehr zu bringen scheint.

Zur Erheiterung sei am Ende dieses kleinen Überblicks über neuere Produkte aus österreichischen Kleinverlagen noch auf ein weniger ernstes Buch hingewiesen: "Der reiche Frisör hat ihr die letzten Hoa ausgrissen" von Thomas Losch, 2014 erschienen im Sisyphus-Verlag. Losch ist ein sprachlicher Pointillist , der in Wien und anderswo "Momentaufnahmen" einfängt. Dabei sucht er vor allem alltägliche Orte auf. Das ist manchmal ein bisschen deprimierend, aber nicht immer. Dem literarischen "Alltagsforscher", wie er sich selbst nennt, widerfahren auch so erfreuliche kleine Idyllen wie diese: "Im Bahnhof in St. Pölten war es angenehm zu sitzen und auf den Zug zu warten. Denn zwei Mädchen auf dem anderen Bahnsteig sangen in den Sonnenuntergang."

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Erlesen, Literatur

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Dokument erstellt am 2015-07-10 16:29:06
Letzte nderung am 2015-07-12 14:43:24



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