• vom 05.06.2017, 12:01 Uhr

Medientour in den USA

Update: 06.06.2017, 09:52 Uhr

USA

Make Media Free Again




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Von Eva Zelechowski

  • Reportagereise durch die USA: Wie sieht es in Trumps Amerika mit freien Medien aus?

Zehn Tage auf "Reporting Tour" in Washington, New York und San Francisco. Eva Zelechowski bloggt für die Wiener Zeitung.

Zehn Tage auf "Reporting Tour" in Washington, New York und San Francisco. Eva Zelechowski bloggt für die Wiener Zeitung.© WZ Online / Irma Tulek Zehn Tage auf "Reporting Tour" in Washington, New York und San Francisco. Eva Zelechowski bloggt für die Wiener Zeitung.© WZ Online / Irma Tulek

Die Einladung kam unerwartet. Anfang Mai landete eine E-Mail der US-Botschaft in Wien in meinem Postfach, ob ich Lust habe, an einem Journalistenprogramm des US-Außenministeriums teilzunehmen. Das "Foreign Press Center", das als Pressezentrum der US-Regierung Auslandskorrespondenten betreut, organisiert regelmäßig sogenannte "Reporting Tours" zu einem aktuellen Thema. In diesem Jahr dreht sich alles um Pressefreiheit. Bewerben kann man sich für das Programm nicht, Medienmenschen können nur von US-Botschaften weltweit nominiert werden, aus dem Stapel der Nominierungen reist dann eine Handvoll Personen in die USA.

Teilnehmer von Ägypten bis Simbabwe

Mitte Mai hatte das Washingtoner Pressezentrum seine Entscheidung gefällt und Journalisten aus 18 Ländern, darunter Ägypten, Indonesien, dem Irak, Kasachstan, Mexiko und Simbabwe nach Washington, New York und San Francisco eingeladen. Und diesmal auch Österreich. Wow! Mein Freudenschrei, den ich beim Anruf der Wiener US-Botschaft erhielt, konnte man wahrscheinlich im ganzen Haus vernehmen. Die Möglichkeit, sich mit hochrangigen Vertretern dieser Initiativen auszutauschen, von ihnen zu lernen und in einer Truppe von Leuten zu reisen, die jede Menge Geschichten zu erzählen haben, ist eine "one in a life time opportunity", wie man so schön sagt.

Information

Putins Rechte Freunde, erschienen im Februar 2017 im Falter Verlag.

Überblick über die Einflussnahme des Kremls auf europäische Politik und Medien sowie eine detaillierte Analyse des Zusammenspiels rechtsextremer Parteien mit Wladimir Putin und die teuer angeworfenen Online- und TV-Propagandakanäle, um das Image Russlands zu verbessern und gleichzeitig gegen die EU zu kampagnisieren.

Zum Auswahlverfahren erfährt man vorab nichts. Meine Vermutung ist, dass man als Person und Journalist wohl einen interessanten Aspekt abdecken muss, damit am Ende eine bunte internationale Runde entsteht. Gemein haben wir alle unsere Recherchen zum Negativ-Trend unserer Zeit: fake news. In meinem Fall hat höchstwahrscheinlich das Buch "Putins rechte Freunde" überzeugt, das heuer im Februar vom EU-Abgeordneten Michel Reimon und mir veröffentlicht wurde.

Facebook und Fox News gegen Fake News

Für den 5. bis 14. Juni wurde ein dichtes Programm zusammengestellt: Wir treffen NGOs, Start-ups, Medienhäuser, Initiativen für Demokratisierung und Transparenz der Gesellschaft und Forschungs- und Bildungseinrichtungen, die sich unermüdlich um Demontage von Lügen im Journalismus und kritische Berichterstattung bemühen. Darunter sind Vertreter von Facebook, Reporters without Borders, Fox News, das "fact checker team" der Washington Post, die Heritage Foundation, die Wikimedia Foundation und einige mehr. Ich werde versuchen, täglich ein paar der interessantesten Schwenks hier im Blog zusammenzufassen.

Besonders interessant ist auch der gewählte inhaltliche rote Faden der Reporting Tour. In diesem Jahr geht es bei dem #FPCTours2017 um "Medienkompetenz und Pressefreiheit". In Anbetracht des neuen US-Präsidenten Donald Trump lässt die Wahl auf ein ziemlich verwegenes Presseteam schließen. Gefällt mir.

Wahrheit versus Lügen

Mr. Trump bezeichnet Medien, die kritisch über ihn berichten, als "Feinde des amerikanischen Volkes" und unliebsame Meldungen als FAKE, SAD oder Schlimmeres. Kaum ein Tag vergeht, an dem die Welt nicht ungläubig, entsetzt oder amüsiert über den Twitter-Account das 70-jährigen enfant terrible unter den Präsidenten scrollt. Mit Meinungs- und Medienfreiheit werden in den USA zwei als in der Verfassung verankerte Grundrechte momentan mit Füßen getreten. Täglich sind Leser mit Gruseltiteln wie "Willkommen im postfaktischen Zeitalter" konfrontiert, indem der Eindruck vermittelt wird, die Wahrheit habe keinen Platz mehr, weil sich Lügen besser verkaufen lassen oder glaubhafter sind.

Kritische Berichterstattung ist ein unverzichtbarer Eckpfeiler unabhängiger Medien und einer mündigen Gesellschaft. Bürger und Wähler müssen einen freien und unmanipulierten Zugang zu Informationen erhalten. Im Idealfall. Alles andere, nennen wir das Kind beim Namen, darf man als Lügen bezeichnen.

Analysen der US-Positionen

Welchen Zweck verfolgt das State Departement dabei? Die Fachreise soll ausländischen Medienvertretern die Position der USA zu Pressefreiheit vermitteln und ihnen bei künftigen US-Analysen helfen. Sie erhalten einen tiefen Einblick in soziale und kulturelle Inhalte, die aus diversen demographischen Perspektiven relevant sind.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-03 18:26:59
Letzte ─nderung am 2017-06-06 09:52:21



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