• vom 17.06.2017, 11:30 Uhr

Medientour in den USA


Pressefreiheit

FPC Tour 2017: Neue Perspektiven und Inspiration




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Von Eva Zelechowski

  • Die Medientour durch die USA ist vorbei. Die Ziele: US-Politik besser verstehen und sich von engagierten internationalen Kollegen inspirieren lassen.

Die Journalisten nehmen aus dem US-Programm viele Erfahrungen mit in ihre Heimat: Hintergrundwissen über US-Verwaltung und -Politik sowie den Austausch mit Kollegen aus 17 anderen Ecken der Welt.

Die Journalisten nehmen aus dem US-Programm viele Erfahrungen mit in ihre Heimat: Hintergrundwissen über US-Verwaltung und -Politik sowie den Austausch mit Kollegen aus 17 anderen Ecken der Welt.© Foreign Press Center Die Journalisten nehmen aus dem US-Programm viele Erfahrungen mit in ihre Heimat: Hintergrundwissen über US-Verwaltung und -Politik sowie den Austausch mit Kollegen aus 17 anderen Ecken der Welt.© Foreign Press Center

San Francisco. Das zehntägige Journalistenprogramm "Media Literacy & Press Freedom" (Medienkompetenz und Pressefreiheit) in den USA ist vorbei. Nach dem Start in Washington D.C. ging es weiter nach New York und schließlich San Francisco. Hier endet die Tour des "Foreign Press Center", das an dieser Stelle für die professionelle Organisation, die Zusammenstellung eines sehr vielfältigen Programms und noch wunderbareren Journalisten-Teams großes Lob verdient.

Inzwischen sitze ich alleine in San Francisco. Alle 17 Kolleginnen und Kollegen sind abgeflogen. Zurück zu ihren Familien, dem Job und den Herausforderungen ihres Alltags. Sie mögen alle sicher im Irak, in Simbabwe, Südafrika und Ungarn landen. Ich lasse die Ereignisse und Geschichten revue passieren, während (wieder einmal) vor meinem Hotelzimmerfenster die Sirenen tröten. Eine der Audio-Erinnerungen, die ich aus den USA mitnehme. Überall und ständig Sirenen.

Am letzten Abend lieferten wir uns in einer Feedbackrunde beim Farewell-Dinner ein gegenseitiges Übertrumpfen der emotionalen Reden über die Reise. Was haben wir mitgenommen? Was war unser Highlight? Was hätte man auslassen können? Fazit: Jedes einzelne Treffen, das vom FPC-Team ausgewählt worden war, war lehrreich. Einige Termine und Gesprächspartner waren gerade deshalb spannend, weil sie eine andere, neue Perspektive boten. So unterschiedlich die Bereiche sind, mit denen die Journalisten in ihrer täglichen Arbeit zu tun haben, waren auch die jeweiligen Highlights. Hazel aus Simbabwe nahm vom Briefing mit den Reporter ohne Grenzen (RSF) am meisten mit, Lukhanyo aus Südafrika nannte die Gespräche mit Kommittee zum Schutz von Journalisten (CPJ) als seinen wichtigsten Termin, für Gabor aus Ungarn und mich zählten das Außenministerium zum spannendsten Teil der Reise. Man erhält einen Blick hinter die Abläufe ihrer Tätigkeit und den Umgang mit der Presse aus dem Ausland.

Leider waren gerade die interessantesten Meetings "off the record", also vertraulich. Dazu zählten auch Facebook oder die Heritage Foundation in Washington, deren Vertreter mir in einer Frage, ob es eine ähnliche Institution wie den österreichischen Presserat in den USA gebe, mit einem klaren und überzeugten Nein beantwortete: Das wäre Zensur. In den USA würde Medienfreiheit groß geschrieben. Ob liberal, links, rechts oder Breitbart. Aus der Fülle von Medienangeboten sollten sich Bürger ihre Meinung über Politik und Gesellschaft selbst bilden dürfen. Nach einer Woche denke ich immer noch darüber nach. Keine Kontrolle über Reichweite-starke und einflussreiche Medien, die mit Diskriminierung von Minderheiten, Hetze und der Verbreitung von "fake news" ihr Geld verdienen und damit die öffentliche Meinung in eine Richtung drängen? I don't know. Trotz nicht bindender Teilnahme und relativer Konsequenzlosigkeit nach Rügen möchte ich ein Instrument, das mit dem Ehrenkodex für Verantwortung in seriöser Berichterstattung steht, in Österreich nicht missen.

Einen Faktor gab es, den ausnahmslos alle im Raum teilten. Wir sind dankbar für die Fülle aus Erfahrungen, die wir aus den Gesprächen mit den Kollegen lernen konnten. In der kommenden Woche werde ich noch konkreter auf die Lebensrealitäten
einzelner Kollegen, die ich getroffen habe, niederschreiben.

In den meisten dieser Länder kämpfen Journalisten gegen Repressionen der Regierung und Machthaber, trotz Morddrohungen gegen das eigene Leben und manchmal auch das ihrer Kinder für die Beibehaltung (oder Etablierung) unabhängiger Medien. Solchen Gefahren ausgesetzt zu sein und den Kampf dennoch nicht aufzugeben - ob in Kasachstan oder Mexiko - erfordet Mut, den ich mir als Journalistin im beschaulichen Wien kaum vorstellen kann. Ich habe den tiefsten Respekt für ihre Arbeit, jetzt noch mehr als zuvor. Auf sehr unterschiedliche Arten hat jeder einzelne dieser großartigen Menschen die anderern dazu inspiriert, "ein noch besserer Journalist zu sein", wie es Janusz aus Polen formulierte. Der Blick durch die Augen anderer sollte stets ein Teil unseres Lebens sein. Im Journalismus, in der Politik und als Mensch.

Good bye and take care!





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-06-15 02:52:56
Letzte ─nderung am 2017-06-17 02:41:52



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