• vom 03.07.2012, 12:07 Uhr

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Update: 03.07.2012, 13:01 Uhr
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Bei Alkohol und Tabak wurde diskutiert, bei Zucker und Fett nicht

Weg mit der Werbung für ungesunde Lebensmittel


Von Pete Sahat

  • Essen scheint ein wesentliches Beiwerk bei multimedialer Unterhaltung zu sein, wenig verwunderlich, dass die Werbung für Nahrungsmittel daher ungebrochen boomt, dies scheint in der heutigen Zeit eher kontraproduktiv.

Ich liege im Bett, bin glücklich und zufrieden, erfreut, dass ich mein Ernährungsprogramm erfolgreich absolviert habe und guter Dinge am Morgen weniger zu wiegen und schon knallt der rote Clown aus Amerika mir seinen Burger vor den Latz. Barbara erklärt mir, wie super ihr Stuhlgang nach dem Verzehr eines Joghurts funktioniert und wenn ich auf einer Party wäre und einen Aufriss machen wollte, dann hilft mir dabei ein Whiskey-Cola oder das richtige Bier. - Montage: Pete Sahat

Ich liege im Bett, bin glücklich und zufrieden, erfreut, dass ich mein Ernährungsprogramm erfolgreich absolviert habe und guter Dinge am Morgen weniger zu wiegen und schon knallt der rote Clown aus Amerika mir seinen Burger vor den Latz. Barbara erklärt mir, wie super ihr Stuhlgang nach dem Verzehr eines Joghurts funktioniert und wenn ich auf einer Party wäre und einen Aufriss machen wollte, dann hilft mir dabei ein Whiskey-Cola oder das richtige Bier. Montage: Pete Sahat

Es war einmal, vor gar nicht allzu langer Zeit, da habe ich mit Freunden über Tabak- und Alkoholwerbung beziehungsweise deren Verbot diskutiert. Es erschien mir ziemlich unsinnig, Werbung für Zigaretten zu verbieten. Es würde sich doch ohnehin niemand davon abhalten lassen. Warum also diese Diskussionen und diese Aufregung. Zur Info: Ich habe einmal geraucht, es aber wieder aufgegeben und rauche derzeit rund drei Mal im Jahr – meist zu Silvester um mich daran zu erinnern, dass ich diesen guten Vorsatz schon erfolgreich hinter mir gelassen habe.


Im Land der Heurigen, Buschenschenken und Alkoholiker wurde wesentlich weniger lautstark über das Zuviel an Werbung für diese Drogen diskutiert. Das Thema und die Diskussion wurden stets an Unfallopfern, in jüngerer Vergangenheit an Maturareisen, aufgehängt. So konnte man unliebsamen öffentlichen Konfrontationen aus dem Weg gehen. Denn immerhin sind ja wohl alle gegen alkoholisierte Autofahrer, aber nur sehr wenige für 0,0 Promille am Steuer.


Willensschwache Opfer
Wie bereits erwähnt, diese ganze Aufregung um die Werbung – ich habe sie nie verstanden. Waren denn die Raucher und Alkoholiker nicht nur willensschwache Geiseln einer gesellschaftlich ohnehin anerkannten Sucht? Stören mich die blaulippigen Drogensüchtigen in der Ubahn nicht mehr, als die betrunkenen Fußballfans am Donaukanal? Im Laufe der Zeit hat sich das Bild aber doch gewandelt. Natürlich gelten Rauchen und Alkohol immer noch in gewissen Altersgruppen als "cool", aber mittlerweile wird über "stinkende Raucher" ebenso geredet, wie über die alkoholisierten und wahrlich nicht mehr attraktiven Diskothekenbesucher.

Die Diskussionen über das Werbeverbot sind verstummt und die Tabakkonzerne gibt es immer noch. Es scheint also ein durchaus gangbarer Weg zu sein.

Essen bis zum Umfallen
Wie Sie wissen, esse ich derzeit ja sehr bewusst und auch zu festen Tageszeiten – zumindest versuche ich dies so gut es geht. Je heißer, es draußen ist, desto schwerer fällt es mir tatsächlich schon bis 19 Uhr gegessen zu haben. Wenn ich später vor dem Fernseher sitze oder liege und die angenehm kühle Luft das Zimmer durchströmt, dann kann es durchaus sein, dass die Lust auf Essen, ein Eis oder Schokolade erwacht. An sich ein Problem, das durchaus in den Griff zu bekommen wäre, wenn, ja wenn die Werbung nicht wäre. Kaum nähert sich die Hauptabendzeit wird mit und für Essen geworben, was das Zeug hält. Chips und Cola, Zucker und Fett, Joghurt für die Verdauung, Stevia-Drinks und weiterer moderner Mist der Nahrungsmittelindustrie mehr. Gleich vorweg: es ist mir auch egal und macht keinen Unterschied, wenn das sprechende Schwein für Bioprodukte wirbt, egal ob gesund oder ungesund – ich bekomme Hunger.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-03 12:46:25
Letzte Änderung am 2012-07-03 13:01:06


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