"Werden die Dicken zur ökologischen Bedrohung für die Welt?", so ein Artikel in der aktuellen Ausgabe der deutschen Wochenzeitung "Die Zeit". Ich gebe zu, ich lese gerne und viel. Derzeit auch sehr viele Artikel und Bücher über Körperlichkeit, Dicksein und Selbstwertgefühl. Daher lag es in der Natur der Dinge auch diesen Artikel mit großem Interesse zu lesen. Ich hätte es nicht tun sollen. Hätte ich stattdessen doch etwas gegessen.
"Wenn wir nichts gegen die Fetten ausrichten, sind unsere Aussichten mager", wird ein Forscher zitiert. Es überkam mich eine Art bulimische Fressattacke. Ich wollte den Artikel vollkotzen und dann gleich Unmengen essen.
Eine Replik an Herrn Bahnsen
Ich mache dem Zeit-Autor, Herrn Ulrich Bahnsen, nun eine Freude. Ich schreibe auf seinen Artikel eine Replik. Ich denke, dass wollte Herr Bahnsen auch, sonst würde sein Artikel nicht dermaßen untergriffig und wenig reflektiert gegen adipöse Menschen sein. Wahrscheinlich will er ein paar Leserbriefe haben, Zugriffe generieren und in der nächsten Redaktionssitzung der Zeit dann sagen, dass es dringend an der Zeit wäre, eine Beilage zum Thema Dicksein zu schreiben. Liebe Zeit, hoffentlich passiert das dann auch, und die Artikel werden besser, tiefgehender und vor allem intelligenter. Aber wenn ein Thema über Dicksein dann bitte auch (ehemalige) Fettleibige mitschreiben lassen, nicht durchgestylte, braungebrannte PraktikantInnen.
Sie, meine lieben Leserinnen und Leser, die den Artikel vielleicht kennen oder auch nicht, leider war keine Online-Version zu finden, aber ich bemühe mich um eine kleine Einführung. Der Artikel "Biomasse Mensch" zitiert eine britische Studie aus dem Jahr 2005. Die Forscher erhoben, dass "die Dicken weltweit 18,5, Millionen Tonnen überflüssigen Speck (zum Normalgewicht) auf die Waage" bringen. "Das ist ein ökologisches Desaster", die "Übergewichtigen torpedieren zentrale politische Ziele: globale Versorgung mit Lebensmitteln, nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Ja, selbst der Klimaschutz droht an den Moppeln dieser Welt zu scheitern". Danke. Danke, lieber Herr Bahnsen für diese klaren eindeutigen Worte. Es war dringend an der Zeit, dass ein echter aufrechter, kluger, denkender Journalist wie Sie zweifelsohne einer sind, diese Worte zu Papier bringt. Ironie - Ende. Sollte es ein ironischer Kommentar gewesen sein, so hätte er vielleicht auch als solcher gekennzeichnet sein müssen.