
Das Gute an der Pubertät und dem Stress des adoleszenten Heranwachsens ist die Tatsache, dass es irgendwann vorbei ist. Oder zumindest vorbei zu sein scheint. Mann oder Frau ist erwachsen, gereift, ruht in sich und ist von den – rückblickend – banalen Problemen des jugendlichen hormonellen Alltags der Irrungen und Verwirrungen kuriert. Durchaus herausfordernd wird es nun aber, wenn ein Mensch, jenseits der fünfzehn Jahre, auf der Suche nach seinem eigenen Körper, also ich, im Freibad auf mehrere Gruppen Jugendlicher trifft, die ebenfalls auf der Suche nach ihrem Körper sind.
Es ist Sommer – also heiß und trocken. Mit mehr oder weniger großen Unwettern zwischendurch. Alles in Allem eine perfekte Zeit um sich einen Urlaub zu gönnen und dem ausgiebigen Bade zu fröhnen. Mich hat es an den Neusiedlersee verschlagen. Auch wenn man abnimmt, oder vielleicht sogar gerade dann, erweist sich ein Urlaub als sinnvolle Unterstützung. Gesagt, getan. Badetuch, Sonnencreme und Lesestoff eingepackt und ab an den See.
Unter Wasser sind alle Menschen gleich
In meiner Prä-Mission-UHU-Zeit war ich schon ein begeisterter Schwimmer. Unter Wasser sind alle Menschen gleich. Fett schwimmt oben und auch ein Wal ist meist schwer und breit. Ein Gefühl von Freiheit, Schwerelosigkeit und auch Unsichtbarkeit begleitete mich auch stets im Sommer. Daher halte ich das Wasser ohnehin für meinen natürlichen Lebensraum.
Zugegebenermaßen muss ich aber auch gleich vorwegschicken, ich habe mich nie sonderlich darum gekümmert, ob andere Menschen meinen Bauch zu groß, oder zu klein, meinen Hintern zu ausladend und meine Brüste als zu weiblich beurteilen könnten. Auf der anderen Seite habe ich andere Schwimmer auch nie bewertet. Ja, natürlich, es gab Mädchen, die fand ich als Jugendlicher im Badeanzug noch süßer als im Klassenzimmer. Andere mochte ich auch im Bikini nicht leiden. Aber nie schwamm ich vor mich hin und überlegte wer wohl zu dick, zu dünn, zu groß oder zu klein wäre. Nie. Nie, bis heute.
Heute ging ich an den See und sah mir die Körper an. Da niemand die Polizei gerufen hat, dürfte es nicht allzu aufdringlich gewesen sein, auch wenn ich mich hin und wieder dabei ertappte, manch einen Bierbauch ob seiner imposanten Größe wohl länger als notwendig betrachtet zu haben. So saß ich also in der Wiese, ließ mir die Sonne auf den Bauch scheinen und betrachtete die Menschen.