Das Positive sehen
Die eigene Sucht und das eigene Körperbild sind wahre Meister der inneren Attacke. Da habe ich einen Moment den ich in Ruhe genießen könnte und schon laufen jene Muster ab, die mich seit Jahren quälen. Die eigene Unzulänglichkeit, der Frust über die Jahre des Anfressens, Zunehmens und die Erkenntnis, dass ich doch ein ewiger Looser bin.
Wow, so muss ich gestehen, habe ich das Abnehmen dann doch nicht erwartet. Und, lieber Leserinnen und Leser, wissen Sie was - es wird wirklich Zeit einen Schlussstrich zu ziehen. Ich habe dieses Opfergerede, dieses Kopf in den Sand - besser wohl Zucker in den Schlund stecken - satt. Ich mag nicht mehr. Diese Selbstzweifel die in der Suchtspirale einen Schritt in Richtung Aufgeben und Scheitern bedeuten, ich mag sie nicht mehr. Ja, ich habe es früher nicht geschafft. Aber es wird Zeit zu erkennen, warum und wieso. Ich bin der Herr über meinen Geist und Körper - mal schauen ob dieses Mantra mal richtig funktioniert, und ich will jetzt den Weg weitergehen.
Wäre es nicht ein wunderschöner Feiertag mit spielenden Kindern im Innenhof gewesen, wäre mir nach einem lauten Schrei zumute gewesen. Aber Kinder mag ich nicht erschrecken und der ehemalige Dicke mit Psychostörung auch in Zukunft nicht sein, somit den Frust runtergeschluckt. Kleidung in die Altkleidersammlung. Das Positive sehen. Sich einfach einmal gut fühlen. Genießen, was man erreicht hat.
Zwischen den Konfektionsgrößen gefangen
Die Momente an denen man aussteigen will - eigentlich will man nur mal kurz eine kleine Pause machen und etwas essen, was man nicht darf, aber das wäre vermutlich der Anfang vom Ende, nehmen deutlich zu. Beim Rauchen hat es funktioniert, aber beim Essen klapp das nicht, zumindest derzeit nicht. Je näher ich meinem Ziel komme, desto schneller möchte ich es erreichen. So ungefähr stelle ich mir den Marathonläufer vor, der 40 Kilometer rennt und dann endlich ins Ziel will. Er gibt Gas und 200 Meter vor der Ziellinie bricht er zusammen.
Also schön langsam weitermachen. Ich bin im Plan und fühle mich wohl. Vor dem Sommer wäre schön gewesen, aber der nächste Sommer kommt bestimmt. Und ich kann ja auch einen Herbst und Winter mal als dünner Mensch erleben, spricht ja nichts dagegen. Ich genieße mich und das Erreichte und stelle nun fest, dass ich zwischen den Konfektionsgrößen gefangen bin. XXXL und XXL passen nicht mehr, wiewohl XXL manchmal wie XL daherkommt, dann wieder als XXXL und zwischendurch - dank Slimfit - auch als XL. XL wiederum kann, den Italienern sei Dank, auch ein mitteleuropäisches Medium sein. Alles in Allem stecke ich derzeit zwischen vielen Größen fest. Das eine passt, das andere nicht einmal annähernd. Alleine deshalb werde ich weiter abnehmen.
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