• vom 18.08.2016, 14:31 Uhr

Musik-Blogothek


Pop-Mottenkiste

Johnny Nash - der Mann, für den Bob Marley Gitarre spielte




  • Artikel
  • Lesenswert (5)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Francesco Campagner

  • Der US-Sänger mischte Reggae mit Soul und entdeckte die jamaikanische Band "The Wailers".

Johnny Nash (links) singt mit Bob Marley in einer britischen Schule. - © Youtube

Johnny Nash (links) singt mit Bob Marley in einer britischen Schule. © Youtube

Reggae, bei diesem Wort denkt jeder an Jamaika, Rasta und Bob Marley. Und Fans fügen dann noch Peter Tosh & Jimmy Cliff hinzu. Die wenigsten denken dabei an Johnny Nash. Ja, sie haben richtig gelesen: Johnny Nash. Der aus Texas stammende Musiker, der am 19. August seinen 76. Geburtstag feiert, ist in den letzten Monaten in verschiedenen britischen Medien genannt worden. Zum 35. Todestag von Bob Marley wurde an den Auftritt des Jamaikaners im Jahr 1972 in einer Schule erinnert. Nash hatte sich von einem Lehrer überreden lassen, ein akustisches Konzert für Schüler zu geben, und hatte seinen Freund und Gitarristen Bob Marley mitgenommen. Es handelte sich dabei um einen verzweifelten Versuch, die damalige Single von Nash, "Stir It Up", populär zu machen.

Nash hatte sich Mitte der 60er Jahre der Reggae-Musik verschrieben, nachdem er kurzfristig nach Jamaika gezogen war und dort die Band The Wailers gehört hatte. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Danny Sims, der vor dem FBI nach Jamaika geflohen war, nahm er die Band für die gemeinsame Plattenfirma JODA Records unter Vertrag. The Wailers fungierten dann auch als Begleitmusiker für einige Nash-Platten. Zu Beginn der 70er Jahre nahm er den damals unbekannten Bob Marley mit nach Europa.

Schon davor hatte Nash mit Songs aus den Jamaika-Sessions Erfolg. "Hold Me Tight" und "You Got Soul" wurden genauso Top Ten-Hits wie die Adaption des Sam Cooke-Hits "Cupid". Während die amerikanischen Radio-Stationen mit seiner Musik Probleme hatten, da sie nicht ins Klangschema der Format-Radios passte, lief es für den US-Amerikaner in Europa deutlich besser. In Schweden durfte er gemeinsam mit Marley den Soundtrack zu einem Film schreiben und darin auch mitspielen. Für Marley war der kalte schwedische Winter eine schreckliche Erfahrung.

1972 schaffte Nash dann mit Marleys "Stir It Up" zwar nicht den Sprung in die Top Ten, der Song wurde aber so populär, dass Marley & The Wailers einen Plattenvertrag bei Islands Records bekamen und den Sprung zur Weltkarriere schafften. Nash hatte im gleichen Jahr seinen größten Hit: "I Can See Clearly Now" landete in vielen Ländern auf den vordersten Plätzen der Hitparade und in den USA sogar ganz an der Spitze.


Nash blieb seinem Stil weiterhin treu und konnte noch einige weitere Erfolge landen, sogar in Österreich. Mit "Rock Me Baby" hatte er 1985 einen großen Hit. Doch danach wurde es um den Künstler still. In einem seltenen Interview in den 90er Jahren betonte Nash, seine größte Leistung sei es gewesen, die Musik-Karriere zu überleben. An die Öffentlichkeit tritt Nash nicht mehr, obwohl sein Hit "I Can See Clearly Now" zum Pop-Klassiker geworden ist und überall dort gespielt wird, wo Hoffnung und Mut gebraucht wird – etwa bei TV-Spots von Banken, Wahlkampfauftritten der Demokraten oder als Therapiemusik für an Depressionen leidenden Menschen.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2016-08-17 14:33:08
Letzte nderung am 2016-08-18 13:17:05



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Neue szenische Wege
  2. Hosentürlreiber mit Jukebox-Hintergrund
  3. Makaber
  4. Schwerelos
  5. Schatten in der Nacht
Meistkommentiert
  1. Je schwerer, desto leichter fällt es Barbara Hannigan
  2. Interkontinental

Werbung



CDs

Pop-CD

Makaber

Jüngeren politischen Entwicklungen ist zumindest zugutezuhalten, dass sie vermehrt künstlerischen Protest hervorrufen... weiter




Pop-CD

Schwerelos

Dan Bejar alias Destroyer, der Kanadier mit wirrem Lockenkopf, hoher Denkerstirn und Professoren-Aura, legt mit seinem elften Album, "Ken... weiter




Pop-Platte

Hosentürlreiber mit Jukebox-Hintergrund

Dass sich heimische Popmusik aktuellen Datums hoher Beliebtheit erfreut, wird jährlich nicht nur zu Zeiten des Wiener Popfests richtig festgestellt... weiter




Musik

Steirische Sturschädel unter der Discokugel

Base - © The Base Als der Grazer Sänger und Gitarrist Norbert Wally 1989 mit Freunden The Base gründete, war Nirvana noch eine aufstrebende Nischenband... weiter




Jazz-CD

Interkontinental

Der geniale Oud-Spieler Anouar Brahem begegnet uns auf seinem neuen Tonträger mit hochkarätiger Besetzung: Dave Holland am Bass... weiter






Durch den Abend begleitete der Moderator Stephen Colbert. "Was auch immer Sie für den Präsidenten empfinden, Sie können nicht leugnen, dass jede Sendung auf eine Weise von Donald Trump beeinflusst wurde", sagte er zur Eröffnung der Emmy-Verleihung und machte damit deutlich, dass der Rest des Abends ziemlich politisch zugehen werde. "Warum habt ihr Trump keinen Emmy gegeben?", fragte er das Publikum. "Wenn er einen gewonnen hätte, wäre er vielleicht nie in das Rennen um die Präsidentschaft gegangen." Trump war in der Vergangenheit mehrfach für seine TV-Show "Celebrity Apprentice" nominiert worden, hatte aber nie gewonnen und sich darüber häufig öffentlich beschwert.

Während einer Protestveranstaltung gegen Polizeigewalt vor dem Police Department von Baton Rouge, Louisiana, USA, am 9. Juli 2016, stellt sich die Aktivistin Ieshia Evans den vorrückenden Polizisten entgegen und streckt ihre Hände aus, bereit, sich verhaften zu lassen. Georgeund Amal Clooney gehörte die Aufmerksamkeit am Wochenende. Die gemeinsamenZwillinge blieben jedoch daheim bei der Nanny.

Matt Damon mit seiner Frau Luciana Barroso. "Downsizing", in dem Damon die Hauptrolle spielt, hat die 74. Festspiele von Venedig eröffnet. Der US-amerikanische Rapper Kendrick Lamar wurde sechsfach ausgezeichnet. Der wichtigste Preis: Sein Hit  "Humble" wurde zum Video des Jahres gewählt.


Werbung


Werbung