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Update: 10.03.2017, 19:24 Uhr

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Musik ist weiblich




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Von Francesco Campagner

  • Seit den 70er Jahren sorgen rein weibliche Rock-Bands für Furore.

Sleater-Kinney sind weiter aktiv. Vor wenigen Tagen ist ihre Platte "Live in Paris" (SubPop) erschienen. - © SubPop, Jason Williamson

Sleater-Kinney sind weiter aktiv. Vor wenigen Tagen ist ihre Platte "Live in Paris" (SubPop) erschienen. © SubPop, Jason Williamson

Die Rock- und Pop-Musik wird immer stärker von Frauen bestimmt. Vorbei sind die Zeiten, in denen sie nur brav als Sängerinnen unter männlicher Führung die Hitparaden stürmten. Obwohl Gesangsgruppen wie The Supremes oder The Emotions auch heute noch hörenswert sind. Spätestens seit den 70er Jahren greifen die Damen nicht nur zu Gitarre, Mundharmonika und Geige, sondern geben den Rhythmus mit Schlagzeug und Bass vor - und dies auch in rein weiblichen Rock-Gruppen.

Eine der ersten Damen-Bands, die international bekannt wurde, war Fanny. Die US-Amerikanerinnen hatten zu Beginn der 70er Jahre auch in Europa eine Fan-Gemeinde, da sie als Vorgruppe von Bands wie Slade oder Jetho Tull auftraten. Im deutschsprachigen Raum wurden sie auch durch einen Gig im legendären Beat Club bekannt. Als Fan entpuppte sich in den 90er Jahren kein Geringerer als David Bowie.

Während The Runaways in den USA so bekannt wurden, dass vor wenigen Jahren ihre Karriere sogar mit Kristen Stewart und Dakota Fanning in den Hauptrollen verfilmt wurde, hatte Europa recht wenig für die Band über. Erst einige Jahre nach dem Ende der Band schaffte es Joan Jett, auch hierzulande die Hitparade zu stürmen. Dabei hatten The Runaways all das, was den Erfolg ausmachen (kann). Einen schlechten Ruf, der von Sex, Alkohol- und Drogenkonsum herrührte, wie es sich für Rock-Bands nun einmal so gehört.


Zu Beginn der 80er Jahre wurde es wieder fröhlicher. The Go-Go's verbreiteten kalifornischen Gute-Laune-Pop, hatten aber im deutschsprachigen Raum ebensowenig Erfolg. Parallele zu The Runaways: Sängerin Belinda Carlisle schaffte dies dann als Solokünstlerin.


Erst der Band The Bangles gelang es, weltweit die Hitparaden zu stürmen. Sie hatten nicht nur etliche tolle Eigenkompositionen, sondern in einem Fall auch die Unterstützung von Prince, der für sie den Hit "Manic Monday" schrieb. Sängerin Susanna Hoffs lieferte dann mit "Eternal Flame" den letzten großen Hit der Band ab, scheiterte aber mit der Solo-Karriere.

Eine der am längsten funktionierenden Damen-Gruppen sind Shonen Knife. Die Japanerinnen machen es den Rolling Stones nach und sind noch immer aktiv. Die Band wurde 1981 gegründet und hatte ihren großen Durchbruch zu Beginn der 90er Jahre, als sie als Vorgruppe von Nirvana auftrat. Ihr für westliche Ohren unkonventioneller Pop/Rock ist fesselnd und faszinierend zugleich.

Deutlich härter sind L7. Die kalifornische Band war bis Mitte der 90er Jahre eine der führenden alternativen Bands, die aus der Grunge-Bewegung hervorging. Den Damen ging es aber nicht nur um Musik, sondern auch um weibliche Selbstbestimmung, wie sie durch die Gründung der Rock for Coice-Konzertbewegung zur Unterstützung der Abtreibungs-BürgerrechtlerInnen-Organisationen bewiesen. Nach einer mehrjährigen Schaffenspause sind die Damen seit 2014 wieder aktiv.

Kurzfristig zu Ende ging auch die Karriere von Luscious Jackson. Doch seit 2011 arbeiten Jill Cunniff, Gabby Glaser und Kate Schellenbach wieder zusammen. Die New Yorker Band ist eine der klassischen Indie-Formationen der 90er Jahre. Sie setzt auf alternativen, melodischen und doch kratzbürstigen Pop-Rock, der auch gerne als Soundtrack für TV-Serien genommen wurde.

Bis Mitte der 2000er Jahre waren Sleater-Kinney eine der führenden US-Rock-Bands. Die Damen konnten sogar Musik-Historiker Greil Marcus überzeugen, der sie 2001 zu Amerikas bester Rock-Band kürte. Kein Wunder, dass in den USA das Comeback der Band 2015 für Furore sorgte, und deren Platte "No Cities to Love" in die Jahresbestenlisten vieler Musikzeitschriften landete.

Das Projekt Some Girls von Juliana Hatfield (Blake Babies, Lemonheads), Heidi Gluck und Freda Love Smith dauerte nur zwei Platten lang. Doch die drei Musikerinnen machten hörenswerten Rock-Pop und coverten auch wunderschön einen Song von Blues-Legende Robert Johnson.

Dass auch die Country-Welt nicht (nur) ein Macho-Land ist, haben etliche Einzelkämpferinnen bewiesen. Als Band sind die Dixie Chicks das beste Beispiel, dass Country-Musik auch liberal sein kann. Die Dispute um die Politik von George W. Bush machte die Dixie Chicks weltweit bekannt und zu einer der erfolgreichsten Frauen-Bands aller Zeiten.

Doch nicht immer reicht es zur ganzen, nur rein weiblichen Band. Häufig bleibt es beim Duo. Davon gibt es seit Jahrzehnten mehr als genug. Ob Azure Ray (Maria Taylor, Orenda Fink) aus den USA oder Tegan and Sara aus Kanada bis hin zu First Aid Kit aus Schweden, auch in den letzten 15 Jahren sorgten sie mit individueller Musik für Hörvergnügen. Im Fall der zwei Schwedinnen sogar auch noch für Tränen bei alten Vorbildern wie Emmilou Harris, der sie einen Song gewidmet hatten.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-03-10 12:14:21
Letzte Änderung am 2017-03-10 19:24:30



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