• vom 14.02.2012, 15:00 Uhr

Religion im Blick

Update: 13.03.2013, 14:54 Uhr
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Religion im Blick

Neue Kardinäle, alter Kurs


Von Heiner Boberski

  • Nach abenteuerlichen Gerüchten dürfte das Wort "papabile" langsam wieder in Mode kommen.

Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und mehrfacher Buchautor.

Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und mehrfacher Buchautor. Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und mehrfacher Buchautor.

Zum Kardinal der römisch-katholischen Kirche wird man nach vatikanischer Diktion nicht ernannt, sondern "kreiert", also quasi geschaffen. Kardinäle sind gewissermaßen "Kreaturen" des Papstes, der sie auswählt und damit Einfluss auf die Wahl seines Nachfolgers nimmt, denn nur Kardinälen - und zwar jenen, die noch nicht das 80. Lebensjahr vollendet haben - steht das Recht der Papstwahl zu.

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Am 18. Februar werden 22 Männer (Frauen kommen dafür nicht in Frage, obwohl der Kardinalsrang ursprünglich nicht nur Priestern offen stand) von Papst Benedikt XVI. die Insignien ihrer Kardinalswürde erhalten. Dann wird das Kardinalskollegium 213 Mitglieder, davon 125 mögliche Papstwähler, umfassen. Wann sich wieder Kardinäle in ein Konklave begeben, ist freilich völlig ungewiss. Allem Anschein nach erfreut sich Benedikt XVI., der im April 85 Jahre alt wird, besserer Gesundheit als sein Vorgänger Johannes Paul II., der 2005 wenige Wochen vor seinem 85. Geburtstag starb.

Dass die Papstnachfolge in Italien ein Thema zu werden beginnt, enthüllten unlängst angeblich vom Erzbischof von Palermo, Kardinal Paolo Romeo, auf einer Chinareise in die Welt gesetzte abenteuerliche Gerüchte, der Papst werde in den nächsten Monaten einem Mordkomplott zu Opfer fallen. Derzeit regiere eine Troika, bestehend aus dem Papst, Romeo und dem Mailänder Kardinal Angelo Scola die Kirche, während das Verhältnis des Papstes zu Kardinal-Staatssekretär Tarcisio Bertone "sehr konfliktgeladen" sei. Benedikt XVI. stelle bereits die Weichen, damit Scola sein Nachfolger werde. Auch wenn Romeos Aussagen inzwischen heftig dementiert wurden, so wurde damit die Diskussion eröffnet, wer Chancen besitzt, der nächste Papst zu werden.

Das Wort "papabile", das besonders herausragenden Kirchenmännern, in der Regel Kardinälen, ihre Tauglichkeit für das Papstamt bescheinigt, war zuletzt gar nicht in Mode. Seit der letzten Papstwahl, aus der im April 2005 Joseph Ratzinger als Benedikt XVI. hervorging, ist es nur in ganzen drei Meldungen der APA (Austria Presse Agentur) vorgekommen. Zweimal war es im Jahr 2007: das eine Mal mit Bezug auf Aussagen von Kardinal Oscar Andres Rodriguez Maradiaga aus Honduras, dem man 2005 Papstchancen gegeben hatte, das andere Mal anlässlich des 80. Geburtstages von Kardinal Carlo Martini, dem einstigen Papstanwärter aus Mailand. Dann wurde nur noch 2011 der Wiener Erzbischof, Christoph Kardinal Schönborn, genau 20 Jahre nach seiner Bischofsweihe als einer bezeichnet, der "schon einmal als ,papabile" gehandelt worden sei.

Auch die "Kathpress" (Katholische Presseagentur) ging in den letzten Jahren mit dem Begriff äußerst sparsam um. Zuletzt kam er 2008 mit Bezug auf Giovanni Battista Montini vor, den späteren Papst Paul VI. (1963-1978), der bereits als "papabile" gegolten hatte, ehe er Kardinal geworden war. Kurz davor hatten noch die Kardinäle Godfried Danneels aus Belgien und Francis Arinze aus Nigeria, jeweils zu ihrem 75. Geburtstag, die Ehre, von der Kathpress als "papabile" bezeichnet zu werden.

In den letzten anderthalb Jahrzehnten des Pontifikates von Johannes Paul II. (1978-2005) war man mit diesem Ausdruck weit großzügiger. Das lag wohl auch daran, dass erstmals nach dem Attentat auf diesen Papst (1981), vor allem aber nach seiner Darmoperation im Juli 1992 ständig über seinen Gesundheitszustand spekuliert wurde. Ein Übriges tat sicher der Umstand, dass man damals einer Papstwahl erwartungsvoller entgegensah als heute, weil die Gewichte im Kardinalskollegium bis in die 1990er-Jahre nicht so eindeutig verteilt waren wie heute. Ein für Reformen aufgeschlossener Nachfolger für Johannes Paul II., etwa der genannte Kardinal Carlo Martini, schien im Bereich des Möglichen.

Heute kann sich aufgrund der einseitigen päpstlichen Personalpolitik der letzten drei Jahrzehnte kaum ein Beobachter vorstellen, dass sich mit einem neuen Papst Wesentliches ändert. Das Konsistorium am 18. Februar bestätigt diese Linie. Die römische Kurie, an der zehn der 22 neuen Purpurträger tätig sind, behält das Heft fest in der Hand. Im Kardinalskollegium dominieren weiter die Konservativen und die Europäer, allein Italien stellt mehr Kardinäle als ganz Lateinamerika, der Kontinent, auf dem die Mehrheit der Katholiken lebt.

Angesichts von 30 italienischen wahlberechtigten Kardinälen spricht viel dafür, dass der nächste Papst nach einem Polen und einem Deutschen wieder ein Italiener sein wird. Neben Angelo Scola werden sicher bald auch andere als "papabile" gehandelt werden.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-02-14 13:02:06
Letzte Änderung am 2013-03-13 14:54:54


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