• vom 13.03.2012, 16:00 Uhr

Religion im Blick

Update: 13.03.2012, 16:29 Uhr

PGR-Wahl

Wie demokratisch ist die Kirche?




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Von Heiner Boberski

  • Religion im Blick
  • Über Personen lässt sich leichter abstimmen als über die Wahrheit.

Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und mehrfacher Buchautor.

Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und mehrfacher Buchautor. Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und mehrfacher Buchautor.

Am 18. März werden in Österreichs römisch-katholischer Kirche neue Pfarrgemeinderäte (PGR) gewählt. Konkret heißt das: Zwei Drittel, also rund 30.000, der insgesamt ungefähr 45.000 Sitze in den etwa 3000 pfarrlichen Gremien werden durch Wahl vergeben. Das restliche Drittel machen amtliche (Priester, Diakone), entsandte (zum Beispiel aus in der Pfarre tätigen Orden oder aus wichtigen Gruppierungen) und zusätzlich berufene Mitglieder aus. Wird hier so etwas wie Demokratie in der sonst so hierarchisch strukturierten katholischen Kirche sichtbar?

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Demokratie, also "Volksherrschaft", entspricht nicht dem bisherigen Charakter der Kirche, die im Gegensatz zu weltlichen Gemeinwesen von oben nach unten statt von unten nach oben aufgebaut ist, getreu dem Jesus-Wort "Nicht ihr habt mich, sondern ich habe euch erwählt." (Johannes 15, 16) In einer monotheistischen Religion steht klarerweise der eine Gott unumstritten an der Spitze, seine Geschöpfe können keinerlei Führungsanspruch stellen und sich eigene Regeln geben. Das können nur Personen, die an keinen Gott als oberste Instanz glauben und sich daher als autonom (sich selbst Gesetze gebend) empfinden.

Dass in einer Religion wie dem Christentum wie in einer echten Demokratie das Recht vom Volk ausgeht, ist demnach mit ihrem Wesen unvereinbar. Wohl aber ist diskussionswürdig, ob die römisch-katholische Kirche als quantitativ bedeutendste Trägerin der christlichen Botschaft ihre hierarchische Struktur nicht wesentlich flacher als bisher gestalten könnte und sollte. Schließlich steht in der Bibel sehr deutlich: "Nur einer ist euer Meister, ihr alle aber seid Brüder." (Matthäus 23,8) Und: "Der Größte von euch soll euer Diener sein." (Matthäus 23,11)

Dass man über die Wahrheit nicht abstimmen kann, ist eine Binsenweisheit. Zwei mal zwei bleibt vier, auch wenn vielleicht einmal das Votum einer Gruppe von Anti-Mathematikern anders ausfallen sollte. Doch bevor eine Wahrheit unstrittig ist, kann sie durchaus "eine Tochter der Zeit" sein und je nach Erkenntnisstand unterschiedlich gesehen und akzeptiert werden. Über die von der katholischen Kirche im Laufe der Jahrhunderte als Dogmen definierten Wahrheiten, auch über die bis heute heftig diskutierte päpstliche Unfehlbarkeit, wurde jedenfalls sehr wohl auf Konzilen abgestimmt, wenn auch nur vom auserlesenen Kreis der Bischöfe. Die wurden übrigens lange Zeit nicht vom Papst oder Kaiser ernannt, sondern in ihren Diözesen von Klerus und Volk oder später von Domkapiteln gewählt. Wenn heute verlangt wird, dass etwa diözesane Pastoralräte an der Kandidatensuche für Bischofsernennungen beteiligt werden, gilt das bei der Kirchengeschichte unkundigen konservativen Katholiken schon als häresieverdächtig.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2014
Dokument erstellt am 2012-03-13 14:35:06
Letzte Änderung am 2012-03-13 16:29:39


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