
Religion ist nach wie vor kein Thema, das die Leute kalt lässt. Äußerungen religiöser Obrigkeiten können immer mit jeder Menge Kritik rechnen. Religiöse Symbole in der Öffentlichkeit sind ein anderes ständiges Reizthema. Gruppen, die sich für religiöse Werte in der Gesellschaft einsetzen, stehen permanent im Clinch mit anderen, die alles Religiöse als Humbug zurückdrängen und echte oder vermeintliche Privilegien von Kirchen oder Religionsgemeinschaften total abschaffen wollen.
Die Angehörigen der diversen Religionen gehen oft auch nicht zimperlich miteinander um. Auf der einen Seite gibt es viele Bemühungen um toleranten, friedfertigen Dialog und um Suche nach Gemeinsamkeiten, auf der anderen - wenn ich mich nicht irre, oft eher bei den nicht so deutlich ihren Glauben praktizierenden Menschen - viele Vorurteile und Ressentiments, Ängste und Abwehrhaltungen.
Das trifft natürlich in hohem Maß die Christen im Nahen Osten, aber auch die Muslime in Europa. Ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty Internationale (AI) hat kürzlich festgestellt, dass in vielen europäischen Staaten Muslime diskriminiert werden. Wegen ihres Kleidungsstils oder ihrer religiösen Symbole würden sie in den Bereichen Arbeitsmarkt, Bildung und Gebetsstätten benachteiligt. In der Praxis würden geltende Antidiskriminierungsgesetze nicht umgesetzt. "In vielen Ländern Europas ist die Ansicht weit verbreitet, dass der Islam akzeptabel ist, solange Muslime nicht allzu sichtbar sind", sagte AI-Funktionär Marco Perolini.
Dass Menschen wegen des Bekenntnisses zu einer Religion diskriminiert werden, kennt man seit Urzeiten, ebenso hat es aber auch immer religiöse Eiferer und Fundamentalisten gegeben, die ihre - oft nicht mit den Leitsätzen ihrer Religion vereinbaren - Ziele, Macht, Reichtum und Unterdrückung aller anderen Weltanschauungen, mit brutaler Gewalt verfolgten.
Dabei ist religiöser Glaube stets Anfechtungen ausgesetzt. Vertraut man einer neuen Studie kanadischer Forscher, so weckt vor allem die Auseinandersetzung mit Aufgabenstellungen, die analytisches Denken erfordern, Zweifel an religiösen Überzeugungen. Die gläubigen Menschen unter den Probanden neigten eher zu intuitiven Denkweisen, während die Atheisten und Agnostiker ein analytischer Verstand kennzeichnete. Die intensive Konzentration auf die Lösung eines Problems ließ im Durchschnitt alle Probanden skeptischer gegenüber religiösen Überzeugungen werden. Das führte soweit, dass schon der bloße Anblick von Rodins berühmter Skulptur "Der Denker" die Stärke des Glaubens schwächte.
Intensive Religiosität geht mit Autoritätsgläubigkeit einher, wird in der Studie festgestellt, mit freiwilliger Unterwerfung, die umso ausgeprägter ist, je mehr Armut, Ungerechtigkeit und Unfreiheit in einer Gesellschaft vorherrschen. Wer die Religion ausrotten will, müsste mit seinem analytischen Denken also zum Schluss kommen, dass der Weg dorthin nur über die Beseitigung von Armut, Ungerechtigkeit und Unfreiheit führt. Diese Dinge wollen aber interessanterweise auch viele religiöse Menschen, zumindest die sozial engagierten, beseitigen, aber aus ihrem Glauben heraus, der praktizierte Nächstenliebe fordert.
Religion ist aber nicht nur gefährlich, weil man als Gläubiger diskriminiert werden oder ins Zweifeln kommen kann. Wer im Internet auf religiösen Seiten surft, hat (aber hoffentlich nicht bei diesem Blog) ein dreimal höheres Risiko, sich einen Computervirus einzufangen, als auf Porno-Seiten. Das hat die US-Computersicherheitsfirma Symantec herausgefunden. Und was vermutet man als Ursache? Die Betreiber der Porno-Seiten schützen ihre Seiten besser, denn sie haben ein finanzielles Interesse daran, ihren Kunden virenfreie Seiten anzubieten, um diese nicht zu verprellen. Sind sie vielleicht, verglichen mit den Betreibern der auf Religion bezogenen Seiten, die analytischeren Denker?