
1984 schrieb der damalige Direktor der Politischen Akademie der ÖVP, Andreas Khol, heute Obmann des ÖVP-Seniorenbundes, ehemaliger Nationalratspräsident und eher ein Befürworter von Reformen in der römisch-katholischen Kirche, einen bemerkenswerten Beitrag im Österreichischen Jahrbuch für Politik. Khol meinte, es gebe ein "Langzeitprogramm" des Papstes bezüglich einer Kurskorrektur der österreichischen Seelsorge, einen "neuen Auftrag" an die Hierarchie, "der in seiner Tragweite offensichtlich noch nicht ganz erkannt wurde". Der aus Tirol stammende Politiker erkannte schon damals: "Die Bischofsernennungen in Österreich, die Wirkung der Bischöfe auf den Klerus, all dies sind wichtige Instrumente, die aber Zeit benötigen."
Was in den folgenden Jahren geschah, ist bekannt. Die Ära des als "zu liberal" geltenden Wiener Erzbischofs Kardinal Franz König, der aber bis zu seinem Tod im Jahr 2004 in der Bevölkerung von allen Kirchenmännern das mit Abstand meiste Ansehen genoss, ging zu Ende. Der Vatikan setzte Erzbischöfe und Bischöfe ein, die nur eine Minderheit ansprachen und der Kirche letztlich mehr oder weniger großen Schaden zufügten. Was im neutestamentlichen 1. Timotheus-Brief über den - durch Jahrhunderte ja von Klerus und Volk und nicht von Rom gewählten - Bischof steht - einmal ganz abgesehen davon, dass er nur einmal verheiratet und ein guter Familienvater und Vorsteher seines Hauses sein soll -, hat schon seinen Sinn: Er sollte auch bei den Fernstehenden einen guten Ruf und eine gewisse Achtung haben. Genau das aber wurde bei Ernennungen wie jenen von Hans Hermann Groer zum Erzbischof von Wien beziehungsweise von Kurt Krenn zum Oberhirten von St. Pölten völlig außer Acht gelassen.
Auch in Salzburg, wo das Domkapitel aus alter Zeit das Recht hat, den Erzbischof aus einem Dreiervorschlag des Heiligen Stuhls zu wählen, setzte Rom (übrigens wie in Köln, das auch diese Regelung hat), indem es die Namen von drei "Hardlinern" auf die Liste setzte, einen Kandidaten durch, mit dem die Mehrheit der Ortskirche wenig Freude hatte. Dass diese Kirchenpolitik, wiewohl sie ein Teil der Gläubigen begrüßt haben mag, die Bedeutung der Kirche und der Bischöfe im Land gestärkt hat, werden heute wohl nur wenige behaupten.
Warum ist das gerade jetzt in Erinnerung zu rufen? Die Diözese Feldkirch hat seit Monaten keinen neuen Bischof - und vermisst ihn vielleicht auch gar nicht, weil die meisten mit dem in der Diözese gewählten Administrator Benno Elbs recht zufrieden scheinen. Die Erzdiözese Salzburg ist neu zu besetzen, weil Erzbischof Alois Kothgasser Ende Mai das 75. Lebensjahr vollendet. In der Diözese Graz laufen im Jänner die zwei Jahre ab, um die Rom die Amtszeit des bereits 76-jährigen Bischofs Egon Kapellari verlängert hat. Und unlängst wurde in einer großen österreichischen Tageszeitung - nicht in der "Wiener Zeitung" - in einem Leserbrief unverblümt angeregt, der Vatikan möge doch einen zweiten Anlauf nehmen, um die österreichische Kirche durch entsprechende Bischofsernennungen auf Vordermann zu bringen.