• vom 05.04.2013, 17:00 Uhr

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Religion im Blick

Die mühsame Trennung von Staat und Religion




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Von Heiner Boberski

  • Religion im Blick
  • Ein Kulturkampf um echte oder vermeintliche "Kirchenprivilegien" bringt mehr Schaden als Nutzen.

Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und Buchautor. Soeben ist sein mit Josef Bruckmoser verfasstes Buch "Weltmacht oder Auslaufmodell - Religionen im 21. Jahrhundert" (Tyrolia Verlag) erschienen.

Dr. Heiner Boberski ist Redakteur der "Wiener Zeitung" und Buchautor. Soeben ist sein mit Josef Bruckmoser verfasstes Buch "Weltmacht oder Auslaufmodell - Religionen im 21. Jahrhundert" (Tyrolia Verlag) erschienen.

Dass es in einer Gesellschaft viele religiöse, viele areligiöse und sehr viele in religiösen Fragen suchende Menschen gibt, ist allgemein bekannt. Je nach ihrem Standort werden diese Menschen mit dem nun aktuellen "Volksbegehren gegen Kirchenprivilegien" und mit Vorstößen, das Konkordat zwischen Österreich und dem Heiligen Stuhl aufzukündigen, sympathisieren oder nicht. Wenn das Ganze aber nicht zu einem mehr Schaden als Nutzen bringenden Kulturkampf ausarten soll, wäre ein sachlicher und nüchterner Zugang zu dieser Thematik hilfreich. Dabei ist zunächst klarzustellen, dass es nicht nur um die christlichen Kirchen, sondern um alle anerkannten Religionsgemeinschaften geht.

Das Verhältnis von Staat und Religion ist in vielen Ländern mit christlicher Mehrheit historisch belastet, weil es dort oft ein Bündnis von Thron und Altar mit Unterdrückung aller Andersdenkenden gegeben hat. In muslimischen Ländern ist der Gedanke einer Theokratie - eines streng nach den Vorschriften des islamischen Glaubens agierenden Staates - noch heute sehr wach, besonders etwa im Iran. Anderseits wurden in etlichen ideologisch dominierten totalitären Systemen - etwa unter Hitler, Stalin oder Pol Pot - religiöse Menschen grausamst verfolgt. Wo religiöse Werte an Bedeutung verlieren, geben andere, oft inhumane Leitideen die Richtung vor.

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Was moderne pluralistische Staaten daraus lernen können, ist, dass Staat und Religion, soweit dies möglich ist, getrennt, dass aber zugleich Gedanken- und damit auch Religionsfreiheit, soweit dies möglich ist, geschützt gehören. Die Einschränkung "soweit dies möglich ist" soll weder Privilegien von Religionen eine Hintertür öffnen noch Staaten erlauben, sich in alle inneren Belange der Religionen einzumischen, sie soll nur zeigen, dass in der Praxis in manchen Fällen diese strikte Trennung umstritten bleiben wird. Der Staat soll sich nicht von Religionen "hineinregieren" lassen, es kann ihm aber auch nicht ganz egal sein, ob etwa Religionsunterricht im Geist von Toleranz oder Gewaltpredigten erfolgt (weshalb er vielleicht im öffentlichen Schulwesen besser aufgehoben ist als in privaten Zirkeln) und unter welchen Rahmenbedingungen zum Beispiel traditionelle Riten wie Beschneidungen oder Schächtungen zu vollziehen sind.

Wenn Religionen öffentlich wirksam werden, sei es durch Schulen, Spitäler oder andere soziale Einrichtungen, besteht ebenso wie bei anderen derartigen Einrichtungen ein Anspruch auf öffentliche Förderung (natürlich in Verbindung mit öffentlicher Qualitätskontrolle) - in der Regel erspart sich der Staat ja etwas, wenn andere ihm obliegende Aufgaben übernehmen. Die Frage ist nicht, warum manche religiöse Institutionen unterstützt werden, sondern eher, warum man zum Beispiel anderen privaten Schulträgern derartige Subventionen versagt. Wenn die Zugehörigkeit zur Gewerkschaft oder zu Berufsvereinigungen oder Spenden für bestimmte Organisationen steuerlich absetzbar sind, warum soll es nicht auch die Mitgliedschaft in einer Religionsgemeinschaft sein?

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Dokument erstellt am 2013-04-05 16:02:04



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