
Ein mutiger Schritt, ein reaktionärer Schritt? Auf jeden Fall ist es ein weiterer viele Katholiken verstörender und möglicherweise weiteren "Ungehorsam" auslösender Schritt, den Rom mit der Änderung eines einzigen Wortes im Text der Messliturgie setzt. Seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil sprach der Priester beim Heben des Kelches während der Wandlung vom "Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden", auf Wunsch von Papst Benedikt XVI. soll in Zukunft nur noch vom "Blut, das für euch und für viele vergossen wird" die Rede sein. In anderen Sprachen wurde diese Änderung bereits vollzogen, nun soll sie mit der bevorstehenden neuen Ausgabe des "Gotteslobs" auch im deutschen Sprachraum allgemein üblich werden.
Dass das nicht gerade zur Beruhigung der gerade in deutschen Landen gern wider den römischen Stachel löckenden Gemüter beitragen wird, muss dem Pontifex bewusst sein. Darum hat er sich auch in einem Schreiben vom 14. April 2012 an den Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, gewandt und den Inhalt auch Kardinal Christoph Schönborn, dem Vorsitzenden der Österreichischen Bischofskonferenz, und in weiterer Folge allen deutschsprachigen Bischöfen mitgeteilt. Benedikt XVI. geht es laut eigener Aussage darum, einer "Spaltung im innersten Raum unseres Betens zuvorzukommen". Bei der Entscheidung für die Änderung sei festgelegt worden, "dass dieser Übersetzung in den einzelnen Sprachräumen eine gründliche Katechese vorangehen müsse", für den Papst ist eine solche Katechese, die im deutschen Sprachraum bisher nicht erfolgt sei, "die Grundbedingung für das Inkrafttreten der Neuübersetzung".
Wörtlich schreibt Benedikt: "Die Absicht meines Briefes ist es, Euch alle, liebe Mitbrüder, dringendst darum zu bitten, eine solche Katechese jetzt zu erarbeiten, um sie dann mit den Priestern zu besprechen und zugleich den Gläubigen zugänglich zu machen." Grundzüge für eine solche Katechese gibt der Papst in seinem Schreiben vor. Sein Hauptargument für die Änderung ist "Respekt vor dem Wort Jesu, um ihm auch bis ins Wort hinein treu zu bleiben". "Für viele", und nicht "für alle", sei die wörtliche Übersetzung von "pro multis", wie es im lateinischen Messtext bis zum Zweiten Vatikanum geheißen habe.
Die Stimmen gewichtiger Theologen, dass im Hebräischen und Griechischen, auf das ja die biblischen Urtexte zurückgehen, mit "viele" oder "die vielen" meist "alle" gemeint waren, überzeugen Benedikt, was die Worte Jesu im Abendmahlssaal anlangt, nicht. Das sei "schon Auslegung und mehr als Übersetzung", er fordert: "An die Stelle der interpretativen Auslegung ,für alle muss die einfache Übertragung ,für viele treten."