• vom 20.03.2017, 17:53 Uhr

Vor Gericht

Update: 21.03.2017, 13:48 Uhr

Vor Gericht

"Ich habe ihn geliebt"




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Von Daniel Bischof

  • Prozessauftakt um 45-Jährigen, der seinen Stiefbruder gezielt erschossen haben soll. Es sei ein Unfall gewesen, sagt er.


© apa/Herbert Pfarrhofer © apa/Herbert Pfarrhofer

Korneuburg. Eine Schmeichelei nach der anderen prasselt auf den Mann ein, der wegen Mordes an seinem Stiefbruder angeklagt ist. Da ist etwa sein Vater, der über ihn sagt: "Er ist ein Sohn, wie man sich ihn eigentlich nur wünschen kann." Oder der Arbeitskollege und Freund, der den Angeklagten als "intelligenten, guten, verantwortungsvollen Menschen" beschreibt. Er sei "kontrolliert und besonnen", meint eine Ex-Partnerin. Und sogar die Mutter des Getöteten sagt über den Angeklagten, ihren Stiefsohn: "Er war immer ruhig und sehr höflich." Nie habe sie ihn zornig erlebt.

Besonnenheit, Verantwortungsbewusstsein und Kontrolle - es sind Eigenschaften, die der Angeklagte laut Staatsanwaltschaft Korneuburg am 18. September 2015 vermissen ließ. Damals hat der 45-jährige Wiener mit seinem zwei Jahre jüngeren Stiefbruder gemeinsam gegrillt und reichlich Alkohol konsumiert. Plötzlich soll er ihn mit einem gezielten Schuss in den Kopf getötet haben. Der Angeklagte hatte sich deswegen vor einem Geschworenengericht des Landesgerichts Korneuburg (Vorsitz: Andrea Wiesflecker) zu verantworten.

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"Möglicherweise ist Eifersucht das Motiv", meint Staatsanwältin Gudrun Bischof. Der Stiefbruder könnte ein Verhältnis mit der Ex-Frau des Angeklagten gehabt haben. Die beiden sollen per SMS Anzüglichkeiten ausgetauscht haben. Dem Angeklagten soll es möglich gewesen sein, diese Nachrichten auf seinem iPhone mitzulesen, da er und seine Ex-Frau denselben Apple-Account benutzten. Dadurch sollen SMS und Anrufe auf beide Geräte synchronisiert worden sein.

"Beste Freunde"
"Ich habe ihn geliebt, er war mein Bruder, mein bester Freund. Das Letzte, was ich hätte tun wollen, war, ihn zu verletzen", so der Angeklagte. Sein Stiefbruder sei bei einem Unfall gestorben, der Schuss habe sich unabsichtlich gelöst. Einen Tötungsvorsatz habe er nicht gehabt. Er sei allerdings der fahrlässigen Tötung schuldig.

Die Brüder arbeiteten zusammen bei einer in Wien tätigen Privatbank. Laut Zeugenaussagen sollen sie ein gutes Verhältnis gehabt haben. Arbeitskumpanen und Angehörige beschreiben sie unter anderem als "gute Kollegen", "beste Freunde", die aneinander respektiert haben.

Am Tag des Vorfalls sei man nach der Arbeit auf ein Bier gegangen, anschließend habe man gegrillt, sagt der Angeklagte. Es sei reichlich getrunken worden - laut Gutachten hatte der Angeklagte zum Tatzeitpunkt 2,2 Promille im Blut. Über die Arbeit und das "Dauerthema Frauen" sei gesprochen worden. Dann sei die "idiotische Idee" aufgekommen, sich die Waffen des Angeklagten anzuschauen. Er besitzt zwei Faustfeuerwaffen legal.

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Dokument erstellt am 2017-03-20 17:57:06
Letzte ─nderung am 2017-03-21 13:48:04



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