• vom 20.04.2017, 19:02 Uhr

Vor Gericht

Update: 20.04.2017, 19:15 Uhr

Vor Gericht

Mehrjährige Haftstrafen im Mafiaprozess




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Von Daniel Bischof

  • Bande soll in Wien Schutzgeld erpresst haben. Die Angeklagten müssen bis zu zehn Jahre ins Gefängnis. Nicht rechtskräftig.

Nicht einmal in Untersuchungshaft sollen die Angeklagten staatliche Regeln befolgt haben, so der Staatsanwalt. - © apa/Georg Hochmuth

Nicht einmal in Untersuchungshaft sollen die Angeklagten staatliche Regeln befolgt haben, so der Staatsanwalt. © apa/Georg Hochmuth

Wien. Streng blickten die Justizwachebeamten auf die Angeklagten herab. Starr standen sie in kugelsicherer Weste vor ihnen. Eine Hand legten sie auf den Pistolengriff. Der erstinstanzliche Prozess gegen sechs Männer und eine Frau endete, wie er begonnen hatte: Unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen. Von einem Dutzend Wachebeamten wurden die Angeklagten - der Großteil von ihnen befindet sich seit April 2016 in Untersuchungshaft - in den Gerichtssaal geführt und bewacht. Die Justizwache, selten war sie bei Strafprozessen in diesem Ausmaß präsent.

So präsent die Staatsgewalt auch sein mag, so wenig sollen die Angeklagten laut Staatsanwaltschaft Wien von ihr halten. Die Angeklagten sollen der kriminellen Vereinigung "Struja" (auf Deutsch: Strom) angehören. Die mutmaßliche Bande soll in Wien im großen Stil Schutzgeld von Lokalbetreibern in Ottakring erpresst haben. Dabei soll sie rücksichtlos und brutal vorgegangen sein. Die Angeklagten haben "eine völlig gleichgültige Haltung gegenüber dem Rechtsstaat" gezeigt, meinte Staatsanwalt Felipe Trebuch in seinem Schlussplädoyer. "Nicht einmal in der Untersuchungshaft haben sich die Angeklagten an staatliche Regeln halten können", meinte er. So habe man bei ihnen Mobiltelefone gefunden, die sie nicht hätten besitzen dürfen. Ein Angeklagter habe zudem eine schwere Körperverletzung begangen, sagte er.

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Zeuge in kugelsicherer Weste
Bereits im Oktober 2016 begann der Prozess gegen die mutmaßliche Bande vor einem Schöffensenat des Straflandesgerichts Wien (Vorsitz: Michael Tolstiuk). Die angeblichen Mitglieder mussten sich unter anderem wegen schwerer Erpressung und Körperverletzung verantworten.

Während der mehrmonatigen Verhandlung ging es mitunter turbulent zu: So sagte ein Zeuge in kugelsicherer Weste vor Gericht aus, weil auf ihn angeblich ein Kopfgeld in Höhe von 250.000 Euro ausgesetzt war. Auch sollen die Angeklagten Zeugen und Opfer eingeschüchtert haben, damit diese sie nicht belasten.

Um das Schutzgeld zu kassieren, soll die Gruppe zuerst Schlägereien in Lokalen angezettelt haben. Bei den Gewalttätigkeiten wurden Menschen teilweise schwer verletzt. Danach habe die Bande die Inhaber genötigt, von ihr vermittelte Türsteher anzustellen und Schutzgeld zu bezahlen, damit die Übergriffe aufhören. Auch eine Kellnerin, welche die finanzielle Gebarung des Lokals ausspioniert haben soll, habe der Inhaber anstellen müssen. Von einem Lokal soll die Bande so mehr als 100.000 Euro an Schutzgeld erpresst haben.

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Dokument erstellt am 2017-04-20 19:06:05
Letzte nderung am 2017-04-20 19:15:04



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