• vom 08.08.2017, 17:35 Uhr

Vor Gericht

Update: 08.08.2017, 20:03 Uhr

Strafprozess

Liebesspiel oder Vergewaltigung




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Von Daniel Bischof

  • Donauinselfest: Trotz des Vorwurfs der versuchten Vergewaltigung wird der Angeklagte enthaftet.

Vor der "Krone Hit"-Bühne am Wiener Donauinselfest soll die Tat in den späten Abendstunden ihren Ausgang genommen haben. - © apa/Herbert Oczeret

Vor der "Krone Hit"-Bühne am Wiener Donauinselfest soll die Tat in den späten Abendstunden ihren Ausgang genommen haben. © apa/Herbert Oczeret

Wien. War es ein harmloser Tanz oder eine geschlechtliche Nötigung? War es eine betrunkene Liebelei oder eine versuchte Vergewaltigung? Um diese Fragen dreht sich am Dienstag ein Prozess vor einem Schöffensenat am Wiener Straflandesgericht. Der Angeklagte M. soll am Abend des 24. Juni 2017 am Wiener Donauinselfest eine 21-jährige Frau gegen ihren Willen begrapscht haben. Anschließend soll er versucht haben, sie in ein Gebüsch zu zerren, um sie zu vergewaltigen. Laut Staatsanwaltschaft Wien konnte Schlimmeres nur durch drei Polizisten, die in Zivil Dienst versahen, verhindert werden. Ihnen soll es nur mit erheblicher Anstrengung gelungen sein, den auf der Frau liegenden M. von ihr herunterzuziehen.

Geht es hingegen nach M., der sich nicht schuldig bekennt, war alles nur ein harmloses Lustspiel. Er sei auf dem Donauinselfest gewesen, um Spaß zu haben, erzählt der 19-jährige Afghane mit unaufgeregter Stimme dem Richter. Beim Tanzen vor einer Bühne sei ihm eine Frau aufgefallen.


Freizügig habe sie sich ihm gegenüber verhalten, erzählt der 19-jährige Mann. Man habe getanzt, er habe sie am Hals geküsst: "Sie hat nichts gesagt. Da sie sich nicht geweigert hat, habe ich mir gedacht, sie möchte vielleicht mehr." Nachdem man geschmust und weitergetanzt habe, sei die Frau von der Bühne weggegangen. Er sei ihr gefolgt. Abseits der Bühne, bei einem Abhang, habe er nach ihren Händen gegriffen. "Ich habe sie gefragt, wo sie hingeht", sagt M. Sie habe sich zu ihm umgedreht.

Frau habe spielen wollen
Er habe sich gedacht, dass die Frau betrunken sei und mit ihm ein bisschen spielen wolle. Was er denn unter "spielen" verstehe, fragt eine Schöffin nach. "Dass ich ihr ein bisschen hinterherlaufe", führt M. aus.

Mit der Frau habe er nur weitertanzen wollen: "Ich wollte keinen Geschlechtsverkehr, weil ich in einem Land aufgewachsen bin, in dem sogar das Küssen verboten ist", sagte der gebürtige Afghane, der in Pakistan aufwuchs. Als sich die Frau zu ihm umdrehte, seien beide dann eine Böschung heruntergefallen. "Ein, zwei Sekunden" nach dem Sturz seien auch schon die Polizisten da gewesen, schildert M.

Ein ganz anderes Bild des Vorfalls zeichnet ein Polizist. Das mutmaßliche Opfer - eine slowakische Erasmus-Studentin - sei von mehreren Männern bedrängt und sexuell belästigt worden, sagt ein Beamter der Einsatzgruppe zur Bekämpfung der Straßenkriminalität. Da unbeteiligte Frauen und private Sicherheitskräfte auf die Notlage der Frau hingewiesen haben, sei er mit zwei Kollegen zur "Krone Hit"-Bühne gegangen.

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Dokument erstellt am 2017-08-08 17:42:05
Letzte ─nderung am 2017-08-08 20:03:58



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