• vom 06.09.2013, 18:14 Uhr

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Update: 06.09.2013, 18:23 Uhr

Zwischenstand

Basic Instinct




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Von Thomas Hofer

  • Zwischenstand
  • Frank Stronach hat sich aus dem Politkosmos geschossen.



Vergangene Woche stand an dieser Stelle als letzter Satz: Wer schützt Frank Stronach vor sich selbst? Heute wissen wir die Antwort: niemand. In Interviews mit dem ORF und den Vorarlberger Nachrichten katapultierte sich der Selfmade-Man raus aus dem kleinen österreichischen Politkosmos. Sein Vorschlag, die Todesstrafe für "Berufskiller" wieder einzuführen, hat nicht nur die Urtriebe des Milliardärs offenbart, sondern auch gezeigt, wie strategie- und ziellos er durch den Wahlkampf mäandert.

Auch wenn nach aufsehenerregenden Kriminalfällen möglicherweise gar nicht so wenige Menschen in der ersten Emotion für die ultimative Bestrafung des Täters sind: Es gehört zum Grundkonsens dieses Landes, auch in dieser Frage keine amerikanischen Verhältnisse zu wollen. Stronach hat (auch in Ermangelung eines konkreten Anlassfalles) hier nicht nur Gespür vermissen lassen. Sein Vorstoß offenbart vielmehr als eine Fehleinschätzung in einer konkreten Frage: Anstatt sich nämlich als ruhige und erfahrene Kraft aus der Welt der Wirtschaft zu positionieren, gibt Stronach den unberechenbaren Chaoten. Wird er dann im TV-Duell gegen SPÖ-Vorsitzenden Werner Faymann auf seinen Vorstoß angesprochen, schlägt er auch noch wild um sich.


Schlag’ nach bei Arnie
Zusätzliche Wähler garantiert das nicht. Dass die Wutmanager-Suaden auch ihr Publikum haben, ist unbestritten. Aber angesichts der allgemeinen Politikerverdrossenheit wäre für den Austrokanadier viel mehr drinnen gewesen. Stronach hätte sich am besten den Ex-Strategen von George W. Bush, Matthew Dowd, genommen.

Der hatte noch einen anderen prominenten Klienten erfolgreich beraten: Arnold Schwarzenegger. Bei dessen Kampagne für den Gouverneursessel von Kalifornien hatte Dowd gleich zu Beginn ein paar harte Wahrheiten parat: Der Berater zweifelte sowohl an der Artikulationsfähigkeit seines Klienten wie auch an dessen inhaltlicher Standfestigkeit. Die strategischen Ableitungen waren klar: Interviews mit kritischen Journalisten und TV-Duelle mit Konkurrenten werden auf ein Minimum reduziert. Stattdessen gab es (gut aufbereitete) Reden zu zentralen Politikfeldern und Auftritte in soften Medienformaten, etwa bei Jay Leno. Als Begleitmusik selbstverständlich: heftiger Werbedruck.

Politische Operette
Für Stronach wäre das die ideale Kampagnenvorlage gewesen. Werbedruck kann er locker entwickeln. Ein paar groß inszenierte Reden hätte er hinbekommen. Und manch erratischen Auftritt in harten Politikformaten hätte er sich sowieso besser erspart. Was aber macht Stronach: Er, der sich als Anti-Politiker inszeniert, baut sich mit Berufspolitikern aus anderen Fraktionen einen Parlamentsklub und schummelt sich so in die ORF-Duelle. Dass diese Mischung das Potenzial zur Politik-Operette des Wahljahres 2013 hat, war klar.

Marktverschiebung
Spannend sind die Folgen von Stronachs Vorstoß. Und das nicht nur, was seine Person angeht: Bei ihm ist wohl nichts auszuschließen. Den Schaden am ohnehin schon geschwundenen Wählerstock seines Teams kann man noch schwer abschätzen. Klar ist nur, dass er das von ihm angepeilte - und lange Zeit mögliche - Wählerwachstum abschreiben muss.

Einige Afficionados wird er auch nach den jüngsten Turbulenzen behalten. Aber ein Teil der möglichen Stronach-Wählerschaft ist wieder auf dem Markt.

Wer profitiert?
Heinz-Christian Strache ist natürlich im Spiel, wenn es darum geht, Stronach-Zweifler abzuholen. Der FPÖ-Obmann gab sich in seinen ersten Auftritten zurückhaltend und überzieht es bislang mit den Kernthemen nicht. Bleibt Stronach bei seinem "Kurs", kann Strache wohl über die 20-Prozent-Grenze grasen.

Auch die Koalitionsparteien dürfen auf geringere Abflüsse Richtung Stronach hoffen. Für Josef Bucher, der in den fürs BZÖ überlebenswichtigen TV-Duellen keine schlechte Figur macht, gilt das noch mehr.

Und klarerweise wittern die Neos mit dem neuen, insgeheimen Spitzenkandidaten Hans Peter Haselsteiner Morgenluft. Stronach schien erst auch für Wirtschaftsliberale interessant. Haselsteiner ist eine perfekte Alternative. Um aber bei der mangelnden Duellpräsenz über die vier Prozent zu kommen, braucht seine Partei noch zusätzliche Paukenschläge.




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Dokument erstellt am 2013-09-06 18:21:04
Letzte ─nderung am 2013-09-06 18:23:20



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