• vom 18.01.2011, 16:30 Uhr

Gastkommentare

Update: 18.01.2011, 16:39 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Gastkommentar

Kreisky würde sich im Grab umdrehen


Von Aviv Shir-On

  • Der hasserfüllte Gastkommentar von Fritz Edlinger vom 18. Jänner 2011 spricht Bände. Ein sogenannter Kenner des Nahen Ostens beschuldigt Israel, die einzige wahre Demokratie in der Region, "faschistoider und rassistischer Entwicklungen", weil europäische Rechtsradikale das Land besucht haben, um sich selbst zu profilieren.



Heinz-Christian Strache und seine Delegation wurden von keiner israelischen offiziellen Stelle eingeladen, sitzen aber hier in Österreich im Parlament, erzielen Erfolge bei den Wahlen und kandidieren für das höchste Amt dieses Landes - aber wenn sie als Touristen nach Israel kommen, dann soll dies ein "Beweis" für die oben erwähnten Entwicklungen in Israel sein? Unsinn!

Werbung

Edlinger soll besser in den eigenen Spiegel schauen. Bruno Kreisky würde sich im Grab umdrehen angesichts der hetzerischen Art von Propaganda, die hier von seinem ehemaligen Schützling geführt wird. Edlinger widerspricht sich selbst, wenn er meint, dass kritische Wissenschafter an israelischen Universitäten nicht tätig sein können, stützt sich aber gleichzeitig mit seiner Kritik auf einen Historiker der Universität Tel Aviv, dessen umstrittene Thesen in Israel verfasst und publiziert wurden, wie es sich in einer pluralistischen Gesellschaft gehört.

Kreisky meinte seinerzeit, man sollte mit Jassir Arafat reden. Nachdem die PLO ihre radikale Haltung geändert hat, haben wir das auch getan, waren am Ende aber von Arafat enttäuscht, weil auf ihn kein Verlass war. Auch Kreisky hat den Kontakt zu Arafat völlig abgebrochen, nachdem er festgestellt hatte, mit wem er es zu tun hatte. Wo ein Dialog möglich war, haben wir ihn auch geführt und konnten damit Friedensverträge mit zwei der wichtigsten arabischen Staaten, Ägypten und Jordanien, erreichen.

Hamas und Hisbollah stehen aber für das, was den Konflikt vor Jahrzehnten verursacht hat, nämlich die totale Ablehnung einer jüdischen Unabhängigkeit im Heiligen Land. Sie werden von den radikalsten Regimes im Nahen Osten unterstützt, um die Feindschaft zu schüren und den Kampf gegen Israel fortzusetzen. Welche verheerenden Folgen dies für die Völker der Region hat, können wir an den jüngsten Entwicklungen im Irak, Libanon und Gewaltsamkeiten in anderen Ländern sehen.

In Tunesien sind die Menschen jetzt aufgewacht, und hoffentlich werden dort bald wieder Ruhe und Ordnung einkehren. Eines ist klar: Wenn Hamas, Hisbollah und dergleichen heute ihre Waffen niederlegen, gibt es morgen Frieden. Wenn Israel heute seine Waffen niederlegt, gibt es morgen kein Israel. Ich bin der Meinung, dass Edlinger mit seinem Kommentar nicht nur völlig falsch liegt, sondern dass er damit auch der SPÖ und Bruno Kreiskys Erbe einen Bärendienst erwiesen hat.

Aviv Shir-On ist israelischer Botschafter in Österreich.



Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2011-01-18 16:30:55
Letzte Änderung am 2011-01-18 16:39:00

Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Großkonzerne wie Apple, Amazon oder Microsoft zahlen wenig bis gar keine Steuern. Die mannigfaltigen, völlig legalen Steuerausnahmen gepaart mit...weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Walter Hämmerle. Die Nachricht von der Bespitzelung kritischer US-Journalisten durch die Obama-Administration wurde in den meisten europäischen Medien mit einem...weiter

Reinhard Göweil Der junge Mann, der an der Med-Uni Graz nicht jene Lehrveranstaltungen besuchen konnte, die ihm einen rascheren Studienabschluss ermöglicht hätten...weiter

Walter Hämmerle. Wir Menschen sind Mängelwesen. Leider nicht nur in moralischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf unsere körperliche Hinfälligkeit...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Walter Hämmerle. Wenn vier Wahlgänge innerhalb weniger Wochen zu schlagen sind, ist es naheliegend, dass anschließend die große Suche nach Gewinnern und Verlierern...weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter



Werbung




Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

Nach 28 Jahren stießen Biologen auf eine unbekannte Affenart in Afrika: die Lesula-Affen. Sie leben versteckt in der Lomami-Region in der Dem. Rep. Kongo und wurden nun von der Universität von Arizona für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Mailands "neubabylonischer" Hauptbahhnhof Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Werbung