• Artikel vom 26.01.2012, 17:27 Uhr

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Update: 26.01.2012, 20:59 Uhr
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Gastkommentar

Die armenische Frage und die Türkei


Von Artem Ohandjanian
  • Die Hintergründe des Genozids im Jahr 1915, über den bis heute gestritten wird.

Artem Ohandjanian ist
österreichisch-armenischer Historiker und Filmemacher.

Artem Ohandjanian ist

österreichisch-armenischer Historiker und Filmemacher.
Artem Ohandjanian ist

österreichisch-armenischer Historiker und Filmemacher.

Das am Montag im französischen Senat beschlossene Völkermord-Gesetz, das für das Leugnen des Armenier-Genozids sowohl Geld- als auch Haftstrafen vorsieht, wurde von der Türkei mit Empörung und Geschrei aufgenommen. Seit beinahe 100 Jahren kämpfen die Armenier für die Anerkennung des Genozids, sei es durch Terror oder, nach Unabhängigkeit der Republik Armenien, durch politischen Druck. Spätesten nach der Ermordung von Hrand Dink haben jedoch die türkischen Intellektuellen nicht nur den Genozid an den Armeniern anerkannt, sondern sich auch in großen Kundgebungen symbolisch als Armenier deklariert. Eine Aktion, die vor ein paar Jahren undenkbar gewesen wäre!

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Wo bleibt aber die Regierung? Warum drückt sie sich von einer Vergangenheitsbewältigung, die sie immer wieder einholen wird? Leugnen nützt nichts, auch die Dokumente in österreichischen Archiven beweisen den Genozid.

Der Streit um den Armenier-Genozid durch die Türkei 1915wird immer eine Last für beide Seiten sein. Denn der Völkermord wurde immer für Konzessionen ausgenutzt.

Am Genozid 1915 waren drei europäische Mächte mitverantwortlich: Österreich-Ungarn, Deutschland und England. Das Scheitern der Engländer bei der Dardanellen-Invasion ermöglichte den Genozid an den Armeniern. Deutschland und Österreich-Ungarn hätten ihn verhindern können. Beide hatten die Türkei als Verbündete vollkommen in ihrer Gewalt. Sie ließen jedoch den Völkermord an den Armeniern geschehen. Diese drei europäischen Länder haben den Völkermord an den Armeniern bis jetzt nicht anerkannt.

US-Botschafter Henry Morgenthau hat durch authentische Berichte das Massaker an den Armeniern geschildert - die USA haben es auch nicht anerkannt. Um es auf den Punkt zu bringen: Sowohl Armenien als auch die Türkei werden von den westlichen Mächten manipuliert. Es hat den Anschein, als ob sie eine freundschaftliche Beziehung zwischen den beiden Ländern verhindern wollen.

Die Türkei und Armenien müssen das Problem gemeinsam lösen. Dabei könnte ein Beispiel aus Europa als Vorbild dienen: nämlich die Klärung das Südtirol-Abkommen zwischen Österreich und Italien.

Eine Anerkennung des Genozids seitens der Türkei würde

das Genozid-Gejammer im Westen und die Manipulation von Armenien und der Türkei beenden;
helfen, den Kurden-Konflikt mit Hilfe Armeniens zu lösen;
eine friedliche Lösung für den Berg-Karabach-Konflikt bringen;
direkte Handelsverbindungen zwischen der Türkei und Armenien ermöglichen.

Derzeit arbeiten mehr als 70.000 Armenier in der Türkei - ein Beweis dafür, dass Türken und Armenier miteinander auskommen können. Auch die zahlreichen armenischen Urlauber, die jedes Jahr ihren Urlaub in der Türkei verbringen, beweisen dies. Man muss nur die Nationalisten und Chauvinisten auf beiden Seiten neutralisieren. Um das erreichen zu können, braucht man natürlich aufrichtige Verhandlungspartner, viel Zeit und Geduld, wie es bei den Italienern und Österreichern der Fall war - und Kompromisse.




Schlagwörter

Armenien, Genozid, Türkei

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-01-26 17:32:07
Letzte Änderung am 2012-01-26 20:59:04


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