• Artikel vom 16.02.2012, 16:31 Uhr

Gastkommentare

  • Artikel
  • Kommentare (4)
  • Lesenswert (13)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Gastkommentar

Gleichheit auf Kosten der Freiheit


Von Wolfgang Glass
  • Freiheit und Gleichheit sind Antagonismen.
  • Freiheit bekommt man zum Preis von Ungleichheit.

Wolfgang Glass dissertiert an der Universität Wien über die Berichterstattung österreichischer Medien zur EU-Wahl.

Wolfgang Glass dissertiert an der Universität Wien über die Berichterstattung österreichischer Medien zur EU-Wahl. Wolfgang Glass dissertiert an der Universität Wien über die Berichterstattung österreichischer Medien zur EU-Wahl.

Derzeit dominieren Personen, die es nicht wahrhaben möchten, dass Menschen unterschiedlich sind. Die freiheitliche Ordnung ist aber wohlstandsfördernder und menschengerechter als die egalitäre. Durch den zunehmenden Wohlstand wird die Besitzstandswahrung wichtiger. Große Unregelmäßigkeiten, hervorgerufen durch den "Wandel", werden meist als Bedrohung gesehen und teilweise gar verteufelt. Freiheit und Marktwirtschaft versprechen zwar Wohlstand, der wächst, andernteils wird aber Strukturwandel verlangt, der den Wohlstand und das Wachstum überhaupt ermöglicht hat. Dadurch werden Gewinner und Verlierer produziert, was auch zu einem Ungleichgewicht bei Einkommen und Vermögen führt. Wenn es allen gleich schlecht geht, ist eine freiheitliche Ordnung ein Segen. Alle werden reicher, der eine mehr und schneller als der andere. Jeder partizipiert "irgendwie". Nur wenn man schon genug hat, gesättigt ist, zählt die Sicherheit immer mehr, und wenn dann auch noch die Dynamik nachlässt, werden Unterschiede als extrem empfunden.

Werbung

Liberale Parteien in Europa haben viel zu selten dominierenden Gleichheitsfanatikern Paroli geboten. Man hat Freiheit als Wohlstandsmaschine gesehen und weniger oder gar nicht als Vielfalts- und Wahlmöglichkeit, wodurch neue Entdeckungen gemacht werden könnten, um als Gemeinschaft durch Experimente fortschrittlicher und zukunftsoffener zu werden.

Freiheit bedeutet einerseits Schutz vor Willkür gegenüber anderen, andererseits aber auch Selbstverantwortung anstelle von staatlichem Paternalismus, Sinn für das Maß bei jedem Einzelnen statt von oben verordnetem Wohlverhalten, Haftung für das eigene Tun statt Staatsgarantien und Überwälzung externer Effekte auf Dritte sowie konsequenten Schutz des Privateigentums statt schleichender Aushöhlung durch Regulierung, Steuern und Inflation.

Freiheit und Gleichheit sind Antagonismen. Freiheit bekommt man zum Preis von Ungleichheit. Das Streben nach Gleichheit führt unweigerlich zu Totalitarismus und Stagnation. Die Wertschätzung der Freiheit kann aber wieder gewinnen, wenn wichtige Aspekte wie Haftung und Selbstverantwortung gelebt werden können und Gleichmacherei mancher politischer Kreise unter dem Deckmantel der Angleichung des Einkommens und Vermögens "aller" als falsch entlarvt wird. "Soziale Gerechtigkeit" - für viele als eine Gleichmacherei verstanden - ist nur dann angebracht, wenn durch einen Regelverstoß ein Unrechtsstatus entsteht und mittels verschiedener rechtlicher Verfahren Gerechtigkeit wiederhergestellt wird. Die "sozial gerechten" Menschen behaupten, "die Welt" sei ungerecht, und sie müssen nicht einmal beweisen, dass diese Verhältnisse die Folge unrechtmäßiger Vorgänge sind. Also entsteht eine ungerechte Welt aus sich selbst heraus, mystisch und schwach formuliert. Fleiß, Beharrlichkeit, ständige Weiterbildung, Interesse und ähnliche Eigenschaften gelten für manche Politiker offensichtlich nichts mehr, wenn sie das von Menschen Erreichte plötzlich per Gesetz enteignen möchten.




Schlagwörter

Gastkommentar

4 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2012
Dokument erstellt am 2012-02-16 16:38:03


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Frankreichs wirtschaftliche Probleme, die Kalamitäten Italiens und Spaniens, sowie die selbstgewählte Außenreiterrolle Großbritanniens machen...weiter

Reinhard Göweil Griechenlands Austritt aus der Eurozone könnte bis zu 1000 Milliarden Euro kosten, befürchten britische Experten. Das wiederum würde die Eurozone...weiter

Reinhard Göweil Sozialminister Rudolf Hundstorfer ist ein Mann klarer Worte. Die unterschiedliche Förderung der Landes- und Bundesparteien und die relativ große...weiter

Reinhard Göweil Wer die Griechen als undankbar erlebt, sollte sich anschauen, was mit der Finanzhilfe bisher geschehen ist. Der dreistellige Milliardenbetrag lief...weiter

Reinhard Göweil In der gegenwärtigen Auseinandersetzung um den wirtschaftspolitischen Kurs der EU prallen Dogmen aufeinander statt Fakten. Wie ist die Ausgangslage...weiter

Reinhard Göweil Frankreichs wirtschaftliche Probleme, die Kalamitäten Italiens und Spaniens, sowie die selbstgewählte Außenreiterrolle Großbritanniens machen...weiter

Reinhard Göweil Griechenlands Austritt aus der Eurozone könnte bis zu 1000 Milliarden Euro kosten, befürchten britische Experten. Das wiederum würde die Eurozone...weiter

Reinhard Göweil Sozialminister Rudolf Hundstorfer ist ein Mann klarer Worte. Die unterschiedliche Förderung der Landes- und Bundesparteien und die relativ große...weiter

Reinhard Göweil In der gegenwärtigen Auseinandersetzung um den wirtschaftspolitischen Kurs der EU prallen Dogmen aufeinander statt Fakten. Wie ist die Ausgangslage...weiter

Reinhard Göweil Wer die Griechen als undankbar erlebt, sollte sich anschauen, was mit der Finanzhilfe bisher geschehen ist. Der dreistellige Milliardenbetrag lief...weiter




Werbung




Ein Demonstrant zeigt der berittenen Polizei das Victory Zeichen.  Hunderte Amerikaner gingen am Wochenende auf die Straße, um gegen den NATO-Gipfel in Chicago zu protestieren.

Das amerikanische Model Lydia Hearst posiert für die Kamera. Schauspieler Antonio Banderas kommt in Vertretung seiner Frau, Melanie Griffith, zur Red Ribbon Celebration Concert am Vorabend des Life Balls im Burgtheater.

20.05.2012: Auch beim G8-Gipfel führte kein Weg am Champions League-Finale vorbei. Jubel und Trauer lagen sichtbar nah beinand, v.l.n.r.: Der britische Premier David Cameron, US Präsident Barack Obama, deutsche Kanzlerin Angela Merkel, Kommissionspräsident José Manuel Barroso,, der französische PräsidentFracois Hollande (sitzend). Wien. (cra) Castingshows haben schon lange die Welt der Klassik erreicht: Zum vierten Mal diente der Auftakt der Wiener Festwochen als Austragungsort des Wettbewerbs "Eurovision Young Musicians." 
Im Bild: Emmanuel Tjeknavorian, der österreichische Teilnehmer des "Eurovision Young Musicians 2012".

Werbung