• vom 19.04.2012, 17:45 Uhr

Gastkommentare

Update: 13.02.2013, 16:44 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (7)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Gastkommentar

"Holocaust - alles Lügen, Lügen, Lügen"


Von Clemens M. Hutter

  • Die neuerliche Annäherung von Vatikan und Piusbruderschaft sollte die antisemitischen Hetzparolen von Bischof Williamson nicht vergessen lassen.

Clemens M. Hutter war Ressortchef Ausland der "Salzburger Nachrichten".

Clemens M. Hutter war Ressortchef Ausland der "Salzburger Nachrichten".© Copyright 2008 Clemens M. Hutter war Ressortchef Ausland der "Salzburger Nachrichten".© Copyright 2008

Bischof Richard Williamson wurde im dritten Rechtsgang wegen "Volksverhetzung" zu 6500 Euro Strafe verurteilt. Als Bischof der erzkonservativen Piusbruderschaft hatte er 2009 in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen behauptet: "200.000 bis 300.000 Juden sind in Konzentrationslagern gestorben, aber kein einziger davon in Gaskammern." Seinem Einspruch folgte die Berufungsinstanz wegen eines Formfehlers, der aber die Strafbarkeit der Hetze nicht aufhob.

Werbung

Der Vatikan hatte Williamson prompt zum Widerruf aufgefordert. Doch der Bischof beließ es bei der "Entschuldigung", er habe sich als "Nicht-Historiker vor 20 Jahren auf Grundlage der damals verfügbaren Beweise" eine Meinung gebildet. Diese Meinung tat er 1989 in Kanada öffentlich kund: "Holocaust - alles Lügen, Lügen, Lügen. Die Juden erfanden den Holocaust, damit wir demütig auf Knien ihren neuen Staat Israel genehmigen."

Williamson munitionierte die Antisemiten weiter: 2000 Jahre lang hätten Juden versucht, den Vatikan zu unterwandern. Die "Protokolle der Weisen von Zion" - eine plumpe Fälschung zum Beweis einer jüdischen Weltverschwörung - seien eine "authentische Informationsquelle". Die Juden seien "Haupttäter des Gottesmordes". Und in der Piusbruderschaft agitierte er weiter mit der "Riesenlüge von sechs Millionen Vergasten".

Gegen den Willen des Vatikan wurde Williamson 1988 zum Bischof der Piusbrüder geweiht und deshalb exkommuniziert. Später leitete er ein Piuspriesterseminar in Argentinien, verlor wegen der Holocaustleugnung diesen Posten und kam der Ausweisung wegen "Beleidigung der Argentinier, des jüdischen Volkes und der Menschheit" durch freiwillige Rückkehr in die bayrische Zentrale der Bruderschaft zuvor.

Als Beweis gegen den Holocaust stützt sich Williamson auf das "Leuchter-Gutachten", das 1988 im Prozess gegen den unverbesserlichen Nazi Ernst Zündel in Kanada Aufsehen erregt hatte. Zündel hatte Fred Leuchter, einen angeblichen Hinrichtungsexperten und Konstrukteur von Gaskammern in US-Gefängnissen, beauftragt, die Ruinen der Gaskammern in Auschwitz und Treblinka zu untersuchen. Als Zeuge für Zündel behauptete Leuchter dann vor Gericht, keine Spuren von Vergasung entdeckt zu haben, weshalb der Holocaust ein Schwindel sei.

Die US-Justiz dementierte, dass er Gaskammern konstruiert habe. Das Gericht hielt ihm vor, nicht einmal einfachstes Basiswissen in Chemie, Physik und Toxikologie zu haben, weshalb das "Gutachten" wertlos sei. Letztlich gab Leuchter zu, sein Titel "Exekutionsingenieur" sei frei erfunden. Zündel wurde später an Deutschland ausgeliefert und wegen Volksverhetzung und Holocaustleugnung zu fünf Jahren Haft verurteilt. Leuchter entzog sich der Justiz in den USA und Kanada und kam in Deutschland mit einer Geldstrafe davon. Leuchter wäre keine Fußnote wert, hätte sein "Gutachten" nicht der "revisionistischen" Pamphletliteratur als "wissenschaftlicher Beweis" gegen die "Sechs-Millionen-Lüge" Auftrieb gegeben. Aus diesen Giftquellen aber bezog "Nicht-Historiker" Williamson seine Kenntnis.




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-04-19 17:50:05
Letzte Änderung am 2013-02-13 16:44:06


Beliebte Inhalte



Walter Hämmerle. Wie soll eine liberale Demokratie - angenommen, bei Österreich handelt es sich um eine solche - mit Demonstranten umgehen...weiter

Reinhard Göweil Frankreich schreit auf und droht das EU-Mandat zum Freihandelsabkommen mit den USA zu blockieren. Es geht um den Medien- und Filmbereich...weiter

Reinhard Göweil Der G8-Gipfel, das war einmal das wichtigste diplomatische Treffen der mächtigsten Regierungschefs der Welt. Eigentlich sind es ja sieben...weiter

Walter Hämmerle. Sollte neben den Fidschi-Inseln tatsächlich auch das blockfreie Schweden, das ebenfalls gegen die Aufhebung des EU-Waffenembargos für Syrien kämpfte...weiter

Reinhard Göweil In Salzburg steht die neue Koalition. ÖVP, Grüne und Team Stronach legten diese in den Grundzügen bereits vor längerem fest und haben thematisch auf...weiter

Walter Hämmerle. Österreich zieht seine 380 am Golan stationierten UNO-Soldaten ab. Dem internationalen Ansehen des Bundesheeres wird damit ein Bärendienst erwiesen...weiter

Walter Hämmerle. Sollte neben den Fidschi-Inseln tatsächlich auch das blockfreie Schweden, das ebenfalls gegen die Aufhebung des EU-Waffenembargos für Syrien kämpfte...weiter

Reinhard Göweil Die entspannteren Internet-Benutzer schrieben E-Mails an den US-Geheimdienst NSA, er möge ihnen doch die leider vergessenen Bankomat-Passwörter...weiter

Reinhard Göweil Das brutale Vorgehen der Staatsmacht am Taksim-Platz in Istanbul und die martialischen Töne von Ministerpräsident Erdogan zeigen...weiter

Reinhard Göweil Frankreich schreit auf und droht das EU-Mandat zum Freihandelsabkommen mit den USA zu blockieren. Es geht um den Medien- und Filmbereich...weiter




Werbung




Ein Fahrrad an einer Kreuzung mitten im 9. Bezirk war der etwas ungewöhnliche Rastplatz für ein Bienenvolk.

Guten Tag, Lubango! Der Giraffen-Junge kam am Samstag, 15. Juni, zur Welt. 18.6.2013: Heute herrscht in Österreich wieder Badewetter: Über 35 Grad Celsius werden erwartet.

Kunstraub der anderen Art: Von einer Hauswand  in London ausgemeißelt wurde im Februar das Banksy-Graffitikwerk "Slave Labour". Kurz darauf tauchte es bei einem Auktions-Haus in Miami in Florida wieder auf. Am 2. Juni wiederum wurde es trotz Proteste um 1,1 Millionen Dollar in London versteigert. Das Kulturbild der Woche geht nun für zwei Wochen auf Urlaub und ist am 24.Juni wieder zurück. Ein frömmelnder Heuchler schleicht sich in das Vertrauen eines alten Patriarchen und versucht, sich alles anzueignen, was diesem teuer ist: Frau, Haus und Tochter. Abgespielt hatte sich das Ganze in der Wohnküche eines Landhauses, auf den Brettern des Akademietheaters. Im Bild: Gert Voss (r.) als "Orgon", Edith Clever (m.) als "Dorine" und Adina Vetter als "Marianne".

Werbung