• vom 04.07.2012, 18:24 Uhr

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Update: 05.07.2012, 10:29 Uhr
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Gastkommentar

Karriere in der Politik - Zufall oder individueller Pfad?


Von Ulrich Lanzer

  • Die Entwicklung von politischen Karrieren unterscheidet sich stark von der Wirtschaft.

Ulrich Lanzer ist Personal- und Organisationsentwickler mit langjähriger Erfahrung im politischen Bereich. Gemeinsam mit Christian Rois hat er die Unternehmensberatung Edelweiss-Consulting gegründet.

Ulrich Lanzer ist Personal- und Organisationsentwickler mit langjähriger Erfahrung im politischen Bereich. Gemeinsam mit Christian Rois hat er die Unternehmensberatung Edelweiss-Consulting gegründet.© Copyright Christina Haeusler Ulrich Lanzer ist Personal- und Organisationsentwickler mit langjähriger Erfahrung im politischen Bereich. Gemeinsam mit Christian Rois hat er die Unternehmensberatung Edelweiss-Consulting gegründet.© Copyright Christina Haeusler

Die Sitzung in der Parteizentrale dauert nun schon sieben Stunden. Es ist kurz nach Mitternacht, und noch immer ist keine Entscheidung gefallen. Es wird sicher noch Stunden dauern, bis alle Diskussionspunkte ausreichend behandelt worden sind. Und am Ende wird ein Kompromissvorschlag herauskommen. Solche und ähnliche Situationen kennen Menschen, die ambitioniert und in der Politik tätig sind. Gerade diese Sitzungskultur entscheidet mitunter über eine politische Karriere.

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Frauen, die Familie und Kinder versorgen, und ungeduldige Querdenker haben bei einer solchen Sitzungskultur kaum Chancen. Geduld bringt Rosen. Dieses alte Sprichwort bewahrheitet sich in der Politik ganz besonders. Politische Karrieren beweisen, dass Laufbahnen in der Politik ein Ergebnis von langjähriger und kontinuierlicher Aufbauarbeit sind. Vergleicht man die Entwicklung von Karrieren in der Wirtschaft und in der Politik, gibt es zwar Parallelen, aber weit mehr Unterschiede.

Während in der Wirtschaft auf eine kontinuierliche Personalentwicklung Wert gelegt wird, gibt es in der Politik nur sehr kurzfristige Maßnahmen. Die kurzsichtigen Planungshorizonte von Wahl zu Wahl verhindern größere Kraftanstrengungen in diesem Bereich. Das liegt auch am Konkurrenzkampf innerhalb der Parteien und führt sogar zu einer negativen Auslese. Je schneller jemand die politische Landschaft auf Bezirks-, Länder-, Bundes- oder europäischer Ebene kennenlernt und sich auf diesem Weg das politische Handwerkszeug aneignet, umso eher kann er die Karriereleiter hinaufklettern.

Seit Platon ist die Frage aktuell: Ist es Beruf oder vielmehr Berufung, der Gesellschaft zu dienen? Politik muss als Profession begriffen, erlernt und trainiert werden. Ambitionierte Menschen, die ein gesellschaftspolitisches Anliegen haben, sich bei Interessenvertretungen oder auch politischen Gruppierungen engagieren, leisten einen wichtigen Beitrag auch zur Weiterentwicklung der Gesellschaft.

Wesentliche Tools sind neben "Hard Facts" wie juristischen und betriebswirtschaftlichen Fragen auch "Soft Skills" und persönliche Kompetenzen. Gleichzeitig lässt sich feststellen: Keine politische Karriere ähnelt einer anderen. Wir haben es stets auch mit individuellen Pfaden zu tun.

Der Einstieg in die Politik steht grundsätzlich jedem Staatsbürger offen. Karriere in der Politik ist für Menschen aus weniger vermögenden Schichten leichter als beispielsweise in der Wissenschaft oder Wirtschaft.

Politiker stehen heute viel schneller im Rampenlicht, was sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Sie werden bei ihrer Arbeit stets beobachtet und bewertet. In einer Internet-getriebenen Welt schlägt nicht mehr der Große den Kleinen, sondern der Schnelle den Langsamen, und unsaubere Argumente auf dem nationalen oder internationalen Parkett können schneller verbreitet, gründlicher durchschaut und angegriffen werden.

Politische Karrieren enden dementsprechend heute auch schneller als früher.




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Politiker, Ulrich Lanzer

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-04 18:29:04
Letzte Änderung am 2012-07-05 10:29:28


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