• vom 05.07.2012, 17:40 Uhr

Gastkommentare

Update: 05.07.2012, 17:54 Uhr
  • Artikel
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Gastkommentar

Teheran pokert mit Hormus und seinen Raketen


Von Clemens M. Hutter

  • Strategisches Ziel sind Nuklearwaffen, taktische Mittel sind Drohgebärden, den Preis setzt das blockierte Geschäft mit Erdöl.

Clemens M. Hutter war Ressortchef Ausland bei den "Salzburger Nachrichten".

Clemens M. Hutter war Ressortchef Ausland bei den "Salzburger Nachrichten".© Copyright 2008 Clemens M. Hutter war Ressortchef Ausland bei den "Salzburger Nachrichten".© Copyright 2008

Das Erdölembargo schmerzt den Iran, weil an die 80 Prozent seiner Exporterlöse von diesem Schmiermittel der Weltwirtschaft stammen. Allerdings blockiert China nicht, weil es ein Zehntel seines Erdöls aus dem Iran bezieht. Das verringert dessen Exportverluste auf 60 Prozent. Doch der Iran kontert gelassen: Die Devisenreserven stünden bei 115 Milliarden Euro, also spekulierten die Blockierer vergeblich auf die politische Sprengkraft einer wachsenden Arbeitslosigkeit.

Werbung

Alles graue Theorie? Warum schalten dann die 38 staatseigenen Öltanker ihre GPS-Kennung ab, um unerkannt an irgendwelchen Häfen ihre Fracht vielleicht sogar zu Dumpingpreisen loszuschlagen? Glaubt der Iran tatsächlich, seine Tanker könnten den scharfen Augen der Satellitenüberwachung entgehen oder er könne mit Raketentests die Aufmerksamkeit der Welt ablenken?

Die Bedeutung dieser Tests mit Raketen von Reichweiten bis zu 2000 Kilometer strich der Iran mit der Feststellung heraus, dass er die stärkste Raketenmacht des Orients sei. Dieser Wink galt Israel, das soeben ein neuer Anwurf aus der antisemitischen Kloake getroffen hat: "Die Zionisten" steuerten den globalen Drogenhandel, damit grassierende Drogensucht die nichtjüdischen Gesellschaften zerfresse.

Seit April kontert Israel mit erfolgreichen Tests von Abfangraketen. Wirksame Abschreckung dürften in Deutschland gekaufte U-Boote sein, von denen drei mit Atomraketen bestückt werden könnten. Gingen diese im Persischen Golf auf Tauchstation, so würde es für den Iran ungemütlich. Auch denkt Israel laut über einen Luftangriff auf Irans Nuklearindustrie nach, den Strategen allerdings als logistisch höchst riskant einstufen.

Der Iran hat die militärischen Mittel zur Sperre der Straße von Hormus. Das träfe die Welt hart, denn ein Fünftel des Weltbedarfs an Erdöl passiert diese Meerenge auf dem Weg aus dem Golf zu den Märkten. Deshalb sichert die 5. US-Flotte den freien Schiffsverkehr durch dieses Nadelöhr. Teheran kennt natürlich das Risiko einer Sperre und taktiert psychologisch: Hinterbänkler im iranischen Parlament dürfen eine Sperre "androhen", die Regierung aber wartet die Reaktionen der aufgeschreckten Welt ab, um dann entsprechend dosiert zu agieren.

Teherans bewährtes Operationsfeld für politische Taktik ist das Atomprogramm zur Urananreicherung, die zum Bau von Atombomben nötig ist. Soeben endete wieder eine Verhandlungsrunde ergebnislos. Einmal lässt Teheran Inspektionen seiner Atomanlagen zu, einmal nicht. Und stets klammert es bestimmte Bereiche aus. Am Fortgang dieses Katz-und-Maus-Spiels lässt sich jedoch abschätzen, wie hart das Erdölembargo und bisher politisch kaum nachhaltige Handelsbeschränkungen wirken. Dabei spielt auch das Verhalten Moskaus und Pekings eine beträchtliche Rolle. Wladimir Putin qualifizierte Irans Atomprogramm als "ernsthafte Gefahr", China bewertete es als "extremen Akt gegen den Willen der Weltgemeinschaft". Die Frage lautet daher, welchen Preis Teheran bezahlen will, um von der Raketen- zur Atommacht aufzusteigen.




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-05 17:48:05
Letzte Änderung am 2012-07-05 17:54:07


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Im nun begonnenen Prozess zwischen Bawag und Stadt Linz um den "Franken-Swap", bei dem es um 470 Millionen Euro geht, lässt der Richter aufhorchen...weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Walter Hämmerle. Die Nachricht von der Bespitzelung kritischer US-Journalisten durch die Obama-Administration wurde in den meisten europäischen Medien mit einem...weiter

Reinhard Göweil Großkonzerne wie Apple, Amazon oder Microsoft zahlen wenig bis gar keine Steuern. Die mannigfaltigen, völlig legalen Steuerausnahmen gepaart mit...weiter

Reinhard Göweil Der junge Mann, der an der Med-Uni Graz nicht jene Lehrveranstaltungen besuchen konnte, die ihm einen rascheren Studienabschluss ermöglicht hätten...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter

Reinhard Göweil Der junge Mann, der an der Med-Uni Graz nicht jene Lehrveranstaltungen besuchen konnte, die ihm einen rascheren Studienabschluss ermöglicht hätten...weiter



Werbung




Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971,

Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers. Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt.

"Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten. Nach Sony (PlayStaion 4) und Nintendo (WiiU) hat nun auch Microsoft seine Vision der zukünftigen Spielkonsolenwelt vorgestellt. Kinect Group Program Manager Scott Evans demonstrierte bei der Präsentation der "Xbox One" gleich einmal den neuen Kinect-Sensor, der nun nicht mehr als Zubehör erhältlich sein wird, sondern fix im Lieferumfang enthalten sein wird.

Werbung