• vom 31.07.2012, 18:05 Uhr

Gastkommentare

Update: 31.07.2012, 18:19 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (6)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Gastkommentar

Die Welt braucht einen Hegemon


Von Adrian Lobe

  • Der Bürgerkrieg in Syrien ist ein Brennglas für die Ohnmacht der Staatenwelt - überall auf dem Globus lodern Brandherde, eine fähige Feuerwehr fehlt.

Panzer rollen durch die historischen Städte Damaskus und Aleppo, Kampfhubschrauber nehmen Dörfer unter Beschuss, Menschen werden auf offener Straße von Milizionären erhängt. Syriens Machthaber Bashar al-Assad führt Krieg gegen sein eigenes Volk - und die Welt sieht zu. Der Konflikt in Syrien offenbart die Machtlosigkeit der internationalen Staatengemeinschaft. Die Welt ist zum Zuschauen verdammt, weil sich die Veto-Mächte im UNO-Sicherheitsrat blockieren. Ein schärferes Vorgehen gegen Präsident Assad scheiterte am Widerstand Chinas und Russlands. Die Syrien-Krise wirft grundlegende geopolitische Fragen auf: Kann der UNO-Sicherheitsrat überhaupt Sicherheit geben? Oder schafft er vielmehr Unsicherheit, weil die ständigen Mitglieder taktieren und finassieren?

Adrian Lobe ist freier Journalist.

Adrian Lobe ist freier Journalist. Adrian Lobe ist freier Journalist.

Fakt ist: Russland könnte Assad den Todesstoß versetzen. Doch Moskau zögert, weil es seine strategisch wichtige Militärbasis in Tartus nicht aufgeben will. Und China steht Eingriffen in die Souveränität prinzipiell skeptisch gegenüber. Der Sicherheitsrat wird zum Spielball regionaler Machtinteressen. Eine konzertierte Aktion, die den Despoten in die Knie zwingt, ist in dieser Konstellation nicht möglich. Die Vereinten Nationen haben sich einmal mehr als zahnloser Tiger erwiesen.

Werbung

Aufgrund der Abwesenheit einer effektiven internationalen Regelungsgewalt bedarf es eines Hegemons, der Recht und Ordnung herstellt - zur Not auch unilateral. Nach der hegemonialen Stabilitätstheorie, die von namhaften Politikwissenschaftern wie Stephen Krasner und Robert Keohane vertreten wird, können Sicherheit und Wohlfahrt nur durch einen dominanten Akteur erreicht werden. Die Theorie stützt sich auf einen liberalen Ansatz: Sicherheit wird als ein kollektives Gut verstanden, von dem jeder Staat profitiert - unabhängig davon, ob er etwas dazu beiträgt oder nicht. Kleinere und mittlere Nationen werden gewahr, dass sie sich ohne eigenes Dazutun am Frieden laben können. Es ist das klassische Trittbrettfahrer-Problem in den internationalen Beziehungen. Weil sich das Dilemma spieltheoretisch nicht auflösen lässt, muss ein potenter Akteur mit seinen Machtressourcen (Militär, Wirtschaft) in die Bresche springen. Stabilität setzt einen Stabilisator voraus.

Die Frage ist nur: Wer will diese Rolle übernehmen?

Die USA, die diese Aufgabe für sich in Anspruch nehmen konnten, haben sich durch die Kriege im Irak und in Afghanistan militärisch wie finanziell übernommen. Die Gesamtkosten der Einsätze betragen seriösen Schätzungen zufolge zwischen vier und sechs Billionen Dollar. Die einstige Supermacht ist müde - und kann Konflikte nicht allein lösen. Den BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, Indien und China) wird bei der Bewältigung internationaler Krisen eine größere Bedeutung zukommen. Allerdings: Die Zersplitterung der Machtzentren birgt Risiken. Je multipolarer die Weltordnung wird, desto instabiler wird sie. Rivalitäten und Ressourcenwettkämpfe erschweren ein kohärentes Konfliktmanagement. So droht Syrien zwischen den widerstreitenden Interessen zerrieben zu werden.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-07-31 18:11:08
Letzte Änderung am 2012-07-31 18:19:06


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Im nun begonnenen Prozess zwischen Bawag und Stadt Linz um den "Franken-Swap", bei dem es um 470 Millionen Euro geht, lässt der Richter aufhorchen...weiter

Walter Hämmerle. Die Nachricht von der Bespitzelung kritischer US-Journalisten durch die Obama-Administration wurde in den meisten europäischen Medien mit einem...weiter

Reinhard Göweil Großkonzerne wie Apple, Amazon oder Microsoft zahlen wenig bis gar keine Steuern. Die mannigfaltigen, völlig legalen Steuerausnahmen gepaart mit...weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die Rechnung von Grünen-Wirtschaftssprecher Kogler, dass am Ende des Tages zehn Milliarden Euro aus der "Bankenrettung" beim Steuerzahler hängen...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter

Reinhard Göweil Im nun begonnenen Prozess zwischen Bawag und Stadt Linz um den "Franken-Swap", bei dem es um 470 Millionen Euro geht, lässt der Richter aufhorchen...weiter



Werbung




Am Vorabend des Life Balls fand sich bereits Prominenz ein: das Burgtheater lud zum Red Ribbon Celebration Concert, bei dem sich zahlreiche Künstler wie die Operndiva Anna Netrebko (im Bild mit Piotr Beczala),

Gottfried Helnwein, Peinlich, 1971, Die Wolldecke eines Navajo-Häuptlings wurde bei Sothebys in New York für rund 221.000 US-Doller versteigert. Es war die erste Auktion aus dem Nachlass der Sammlung Andy Williams, des bekannten US-amerikanischen Popsängers und Fernsehentertainers.

Chondrocladia lyra, ein fleischfressender Schwamm, lebt über drei Kilometer tief im Pazifik vor der Küste von Kalifornien. Die Art wurde von der Universität von Arizona in Tempe (USA) für die Liste der skurrilsten Entdeckungen 2012 ausgewählt. "Erstbegehung" des Wiener Wahrzeichens:  Slackliner Christian Waldner arbeitete sich in 60 Metern über dem Boden Schritt für Schritt vom großen Steffl-Turm (Südturm) bis zum südlichen Heidenturm vor und tänzelte nach kurzer Verschnaufpause wieder retour. Der Drahtseilakt dauerte rund zehn Minuten.

Werbung