• vom 22.08.2012, 17:00 Uhr

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Update: 23.08.2012, 12:34 Uhr
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Gastkommentar

Der jüngste Aufreger


Von Erhard Fürst

  • Wie "systemrelevant" eine Bank im Krisenfall ist, hängt vom Umfang und von der Risikohaltigkeit ihrer Geschäfte ab.

Erhard Fürst war Leiter der Abteilung Industrie- und Wirtschaftspolitik in der Industriellenvereinigung.

Erhard Fürst war Leiter der Abteilung Industrie- und Wirtschaftspolitik in der Industriellenvereinigung. Erhard Fürst war Leiter der Abteilung Industrie- und Wirtschaftspolitik in der Industriellenvereinigung.

"Bankenzerschlagung" - das Wort selbst klingt bedrohlich, gleichzeitig scheint es Gutes für die Lösung der Bankenkrise zu verheißen. Systemrelevante Banken sollen "zerschlagen" werden. Warum nicht abtrennen, aufspalten, Geschäftsfelder verkaufen, funktional trennen? Eine solche Wortwahl klänge wohl zu technokratisch, zu wenig sensationell und sexy.

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Martyna Czarnowska und Stefan Melichar haben in der Wiener Zeitung vom 1. August bereits aufgezeigt, dass "Zerschlagen" im Sinne der Trennung von traditionellem Einlagen-/Kreditgeschäft und Investmentbanking den Problemen der Bankenkrise nicht gerecht wird, unter anderem deshalb, weil "Investmentbanking" ein heterogener Begriff ist, der zum Beispiel auch unmittelbar positive Funktionen für die Realwirtschaft umfasst, wie die Vorbereitung eines Börsegangs und die Platzierung junger Aktien oder die Absicherung von Unternehmen gegen Wechselkurs- oder Rohstoffpreisrisiken.

Die Finanzkrise 2008 nahm ihren Ausgang von einem ganz traditionellen Bankgeschäft, nämlich der (in der Vorgangsweise verantwortungslosen) Finanzierung von Immobilienkäufen und der dadurch ermöglichten Immobilienblase. Ohne diese Immobilienblase wäre auch das Investmentbanking-Geschäft der Kreditbündelung und Verbriefung weitgehend folgenlos geblieben.

Wie "systemrelevant" eine Bank im Krisenfall ist, hängt vom Umfang und von der Risikohaltigkeit ihrer Geschäfte ab. "Elefanten" können aufgrund ihrer schieren Größe auch im traditionellen Bankgeschäft systemrelevant sein. Sollten weltweit tätige Banken in kleinere, nur regional aktive Banken "zerschlagen" werden? Genau diese globale Präsenz und Kompetenz von Banken ist aber eine wichtige Voraussetzung für die unverzichtbare Internationalisierung von Unternehmen der Realwirtschaft.

Nicht nur die "Traditionalität" des Kreditgeschäfts ist risikorelevant, sondern auch die Bankenrefinanzierung. Kurzfristige Kapitalmarktrefinanzierungen können im Krisenfall von einem Tag auf den anderen versiegen oder unbezahlbar teuer werden. Einlagenfinanzierung birgt weniger Risiko, außer im Extremfall eines Runs auf die Banken.

Diese wenigen Hinweise sollen Erwartungen dämpfen, die sich von einer "Zerschlagung" von Banken Wunder erhoffen. Viel wichtiger scheinen neben den bereits auf Schiene befindlichen Eigenkapitalstärkungen zwei Maßnahmen: zum einen ein geregeltes Insolvenzverfahren für grenzüberschreitend tätige Banken - das würde "moral hasard", redimensionieren, also die Erwartung der Eigentümer und Kreditgeber von Banken, dass im Falle einer Bankpleite der Steuerzahler einspringt, und die Verantwortlichkeit von Staaten für international tätige Banken definieren; zum andern die (ordnungspolitisch problematische) aufsichtsrechtliche Kontrolle und Beschränkung von Kreditvergaben durch Banken - das könnte etwa Kredite an Hedgefonds betreffen, Kredite, die Immobilien- und Rohstoffblasen fördern, ebenso wie Interbankkredite und Kredite auf Basis riskanter Refinanzierungsstruktur.




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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-08-22 17:05:06
Letzte Änderung am 2012-08-23 12:34:37


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