• vom 12.09.2012, 16:10 Uhr

Gastkommentare

Update: 14.09.2012, 17:11 Uhr
  • Artikel
  • Kommentare (3)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief
  • Empfehlen/Teilen



Gastkommentar

So was von wurscht . . .


Von Ruth Picker

  • . . . wenn Österreich die Entwicklungshilfe totspart? Die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit wird zum Spielball der Politik.

Ruth Picker ist Geschäftsführerin der AG Globale Verantwortung (www.globaleverantwortung.at).

Ruth Picker ist Geschäftsführerin der AG Globale Verantwortung (www.globaleverantwortung.at). Ruth Picker ist Geschäftsführerin der AG Globale Verantwortung (www.globaleverantwortung.at).

Die Arbeit des Budgetausschusses in den nächsten Wochen präsentiert sich herbstlich - deutlich kälteres Verhandlungsklima, harte Kürzungen - zumindest und vor allem beim Bereich Entwicklungszusammenarbeit und humanitäre Hilfe.

Werbung

Leider nichts Neues: Warm anziehen muss sich Österreichs Entwicklungshilfe schon länger. Vom angepeilten, international vereinbarten Ziel, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen, ist Österreich weiter den je entfernt. Waren es 2011 noch 0,32 Prozent, lag der Beitrag heuer bei nur 0,27 Prozent. Damit steht Österreich - einst an der Spitze der Geberländer - unter ferner liefen an drittletzter Stelle der EU-15, vor Italien und Griechenland.

Aber selbst dieser schon recht abgemagerte Beitrag kommt nicht immer jenen zugute, die Hilfe am dringendsten brauchen. Entschuldungsmaßnahmen, Kosten für Ausbildungsplätze für Studierende aus Partnerländern und Kosten für Asylwerber sind darin enthalten. Für konkrete Entwicklungshilfeprojekte vor Ort (bilaterale Entwicklungszusammenarbeit - EZA) bleibt nur ein Bruchteil übrig. Und für den kommenden Budgetbeschluss Mitte November sind noch weitere Einschnitte geplant, die die ohnehin bereits Hunger leidende bilaterale EZA ins Mark treffen. Dabei schultert sie schon jetzt die Hauptlast - zwei Drittel - der Einsparungen. Budgetkonsolidierung lautet das Gebot der Stunde, Opfer müssen gebracht werden. Paradox mutet allerdings die Tatsache an, dass im Außenministerium im gleichen Zeitraum beträchtliche Rücklagen - rund 40 Millionen Euro - gebildet wurden. Zusätzlich wurden ressortintern Mittel umgeschichtet - unter anderem für PR-Ausgaben des Außenministers. Um solch willkürliche Entscheidungen zu vermeiden, braucht es eine gesetzliche Verankerung des Entwicklungshilfebudgets.

Zu den Ermessensausgaben zählen auch die Mittel des Auslandskatastrophenfonds, also jenes Pools, aus dem Mittel für Katastrophenhilfe und Katastrophenvorsorge geschöpft werden. Auch dieser Bereich muss gesetzlich verankert und zentral koordiniert werden. Denn abgesehen von der höchst unerfreulichen Unterdotierung des Fonds muss die Regierung derzeit auch für jede Mittelfreigabe erst einen Ministerratbeschluss herbeiführen. Das kostet wertvolle Zeit, die wieder für konkrete Hilfsarbeit vor Ort fehlt.

Unterkühlt, ausgehungert und obdachlos - all dies trifft auf die aktuelle österreichische Entwicklungshilfe zu. Eine Trendwende beim kommenden Budgetbeschluss ist unumgänglich, will man die Entwicklungspolitik nicht in den Ruin treiben. Kürzungen müssen gestoppt und die Mittel erhöht werden.

In diesem Sinne unterstützen wir die Forderung von Staatssekretär Reinhold Lopatka nach gebündelter Anstrengung von Kanzler, Außenminister und Finanzministerium: Wir müssen alles unternehmen, um die Entwicklung wieder umzukehren. Überleben ist keine Gnade, sondern ein Recht. Und Österreich hat hier Verantwortung zu übernehmen und seinen humanitären Verpflichtungen nachzukommen. Eben weil es nicht wurscht ist!




3 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-09-12 17:17:12
Letzte Änderung am 2012-09-14 17:11:05


Beliebte Inhalte



Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter

Walter Hämmerle. Wir Menschen sind Mängelwesen. Leider nicht nur in moralischer Hinsicht, sondern auch mit Blick auf unsere körperliche Hinfälligkeit...weiter

Reinhard Göweil Während die SPÖ noch versucht, in die Gänge zu kommen, macht die ÖVP bereits voll in Optimismus für die kommende Nationalratswahl...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Reinhard Göweil Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel will einen einheitlicheren europäischen Arbeitsmarkt. Das hat zunächst recht egoistische Gründe...weiter

Reinhard Göweil In Tirol liebäugelt die ÖVP-Führung mit einer Koalition mit den Grünen. In Salzburg geht sich das zwar rechnerisch nicht aus...weiter

Reinhard Göweil Die fünf Agrarkonzerne Monsanto, Pioneer, Syngenta, Limagrain und Bayer kontrollieren weltweit zirka 63 Prozent des Saatguts...weiter

Walter Hämmerle. Wenn vier Wahlgänge innerhalb weniger Wochen zu schlagen sind, ist es naheliegend, dass anschließend die große Suche nach Gewinnern und Verlierern...weiter

Reinhard Göweil Die "Westliche Honigbiene" (im Titel ihre wissenschaftlich korrekte Bezeichnung) ist ein Symbol für Fleiß und die Bildung eines arbeitsamen...weiter

Reinhard Göweil Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bezeichnete die mit 28 Prozent unverändert geringe Beteiligung an den Hochschülerschaftswahlen als...weiter




Werbung




Frankreich: Amandine Bourgeois - "L'enfer et moi"

Der Teil einer Installation des pakistanischen Künstlers von Imran Qureshi im Metropolitan Museum in New York. Die letzten Stufen werden noch eingekleidet, und dann kanns los gehen:

18. 5. 2013: Ein lesbisches Paar in Myanmar: Der "Internationale Tag gegen Homophobie" geriet weltweit zu einem bunten und eindringlichen Protest gegen Diskriminierung. Noch herrscht auf der Croisette vor dem Palais des Festivals in Cannes die Ruhe vor dem Sturm.

Werbung