• vom 12.10.2012, 15:29 Uhr

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Update: 12.10.2012, 20:22 Uhr
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Europa

Nobelpreis für die EU - Ein Wink mit dem Zaunpfahl


Von denise-a. langner-urso

  • Die EU droht ihre Werte zu verlieren, scheint auf dem besten Wege, all ihre Versprechen zu brechen.

Es ist eine hervorragende Entscheidung, die heute völlig überraschend die Menschen beim zweiten Frühstück erreichte, der Friedensnobelpreis zeichnet die Region aus.


Das ist aber auch eine Aufforderung, den Frieden nicht zu zerstören,
weil man die Menschen und ihre Bedürfnisse, ihre Nöte aus den Augen
verliert. Viele Zugeständnisse wurden gemacht, viel hingenommen, aber derzeit hat es den Anschein, als könnten politische Entscheidungen all das
zerstören, wofür die EU eigentlich immer stand, nämlich das friedliche
Zusammenleben.

Immer öfter sehen wir Demonstrationen, auf denen Zeichen gezeigt
werden, von denen man gedacht hatte, die Geschichte habe sie
ausgelöscht. Gemeint sind Nazisymbole. Gleichzeitig erheben Demonstranten Vorwürfe gegen die Ordnungshüter,
sprechen von überzogener Brutalität und neuerdings sogar Folter.
Der friedensnobelpreis ist also auch als eine Warnung an all jene
gedacht, die dafür verantwortlich sind, und das sind neben wenigen
wütenden Randalierern eben auch politische Kräfte.
Die Überzeugungsarbeit ist nicht gelungen, und das hängt auch damit
zusammen, dass eben immer mehr Menschen unverschuldet in Armut und in Arbeitslosigkeit enden.

Die EU droht ihre Werte zu verlieren, scheint auf dem besten Wege,
all ihre Versprechen zu brechen. Es ist nicht das Geld, das die Menschen
zusammenhält, es ist der Glaube an bessere Zeiten, Wohlstand für alle,
Freundschaft und der Wunsch nach Frieden.
Rückt man aber alleine Geld in den Vordergrund, wirtschaftliche
Vorteile einzelner Staaten, erweckt man den Eindruck erpresserisch
vorzugehen, dann verlieren die Akteure an Glaubwürdigkeit, scheint doch
die Union zu einer Heuschrecke verkommen, die den Bürgern mehr schadet
als nutzt.

Die Menschen verstehen nicht mehr, was gut sein soll, wenn ein
Verbund Institutionen schützt, nicht sie selbst. Auch ist heute weniger
denn je verständlich, warum man die Wähler bis an die Steckdose und aufs
Brötchen drangsaliert, anderweitig aber sämtliche gesetzten Regeln
bricht.

Es erscheint immer öfter so zu sein, dass in der EU manche eben
gleicher sind als andere, weil alleine bestimmte Gruppen die Kontrolle
übernommen haben.

Wenn nur noch Einzelinteressen, der Profit zählt, dann hat die EU
ihre Ziele verfehlt, dann bleiben Bürgerrechte, Meinungsfreiheit und
Frieden auf der Strecke. Und genau das scheint momentan der Weg zu sein, auf den sich die Entscheider begeben haben.

Der Friedensnobelpreis also einerseits ein Zeichen an die Bevölkerung
der EU, das sagen soll: "Wir haben die Entwicklung im Blick, beobachten
die Verantwortlichen, sehen die Geschehnisse und Entwicklung aber auf
gefährlichem Weg. Die Menschen sollen wissen, die Welt schaut zu, genau
hin."
Er ist zur richtigen Zeit gekommen, hat doch gerade erst eine
Ratingagentur Spanien herabgeratet. AUch in dieser Hinsicht ist die
Vergabe als Warnung zu verstehen, keinen Wirtschaftskrieg, mit all
seinen Auswirkungen auf Kosten der Menschenwürde zu führen. Denn
Wirtschaftskriege enden stets in jenen Kriegen, wie wir sie aus dem 20.
Jahrhundert kennen. Man bricht den Stab über ganze Nationen, was den
inneren Frieden dieser Union gefährdet. Die Vergangenheit ist noch tief
in den köpfen verankert, mit all ihren Vorurteilen. Und es naht der
Winter.



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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2013
Dokument erstellt am 2012-10-12 15:31:23
Letzte Änderung am 2012-10-12 20:22:04

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