• vom 04.04.2013, 17:36 Uhr

Gastkommentare


Ulrich H.J. Krtner

Mit der Pränataldiagnostik alleine gelassen




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Von Ulrich H.J. Körtner

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  • Noch immer fehlen ausreichende Beratungsangebote für werdende Eltern von Kindern mit Behinderungen.

Ulrich H.J. Körtner ist evangelischer Theologe und Medizinethiker an der Universität Wien.

Ulrich H.J. Körtner ist evangelischer Theologe und Medizinethiker an der Universität Wien. Ulrich H.J. Körtner ist evangelischer Theologe und Medizinethiker an der Universität Wien.

Die vorgeburtliche Medizin leistet einen wesentlichen Beitrag, um die Gesundheit von Kindern vor, während und nach der Geburt, aber auch die Gesundheit von Schwangeren zu fördern. Dank Pränataldiagnostik lassen sich bereits vor der Geburt therapeutische Maßnahmen setzen oder eine Therapie nach der Geburt vorbereiten, wenn eine Krankheit oder Behinderung des Kindes festgestellt wird. Ein positiver Befund kann freilich werdende Eltern in schwerwiegende Konflikte stürzen, weil sich die Frage einer möglichen Abtreibung stellt.

Nach christlicher Überzeugung hat jeder Mensch ein uneingeschränktes Lebensrecht, und jedes menschliche Leben ist von Gott gewollt und bejaht, egal ob behindert oder nicht. Die bestehenden Konfliktlagen lassen sich aber nicht dadurch aus der Welt schaffen, dass man, wie von manchen gefordert, die embryopathische Indikation ersatzlos aus dem Gesetz streicht und im Fall eines positiven Befundes bei Pränataldiagnostik die mögliche psychische Gefährdung der Mutter als Rechtfertigungsgrund anführt. Bloße Symbolpolitik rettet kein einziges werdendes Leben. Doch sollte eine Abtreibung wirklich nur das letzte Mittel der Wahl und nicht eine Selbstverständlichkeit sein.


Nehmen wir das Beispiel Downsyndrom. Zwar gibt es für Österreich keine zuverlässigen Statistiken, aber die vorliegenden Zahlen deuten darauf hin, dass rund 90 Prozent der Kinder, bei denen ein Downsyndrom festgestellt wird, abgetrieben werden. Das Bild in der Öffentlichkeit wird einseitig von negativen Darstellungen und Vorurteilen geprägt, die das Leben mit einem behinderten Kind nur als Last sehen und die positiven Seiten Lebens ausblenden.

Pränataldiagnostische und psychosoziale Beratung dürfen Betroffene selbstverständlich nicht bevormunden oder in eine bestimmte Richtung drängen. Sie müssen ergebnisoffen sein. Es geht nicht darum, werdende Eltern zu einer bestimmten Entscheidung zu drängen, wohl aber darum, ihnen alle Unterstützung und Begleitung zu geben, um zu einer bestmöglichen Entscheidung zu kommen, mag diese auch konfliktbeladen sein und bleiben.

Wird bereits vor der Geburt eine ernsthafte Erkrankung oder Behinderung festgestellt, kann dies den werdenden Eltern helfen, sich auf entsprechende medizinische Hilfe, besondere Förderung, Pflege oder sonstige Unterstützung einzustellen.

Das setzt allerdings eine umfassende und kompetente multiprofessionelle Beratung voraus, in der nicht nur die medizinische Diagnose in verständlicher Form mitgeteilt und ihre Konsequenzen erklärt werden, sondern in der die werdenden Eltern umfassend über alle denkbaren Unterstützungsangebote informiert und in ihrer besonderen Krisensituation begleitet werden.

In Österreich herrscht immer noch ein Mangel an entsprechenden Beratungsangeboten, obwohl der Ausbau psychosozialer Beratungsdienste schon im Regierungsprogramm 2008 angekündigt wurde. Erfreulich, dass nun die Diakonie in Linz eine neue Elternberatungsstelle für werdende Eltern von Kindern mit Behinderungen eingerichtet hat.

Doch die Politik darf nicht aus ihrer Verantwortung entlassen werden.




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Dokument erstellt am 2013-04-04 17:41:04



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