• vom 21.01.2010, 17:49 Uhr

Gastkommentare

Update: 21.01.2010, 17:53 Uhr

Gastkommentar von Friedrich Korkisch

Es gibt auch eine Österreich-Mafia




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  • In Österreich ist es üblich, die Oststaaten generell als korrupt und rückständig zu bezeichnen. Noch 2007 rühmten sich Kammern, Politiker und Banken, welche enormen (wenngleich oft dubiosen) Geschäfte und Gewinne sie in Osteuropa machten. Nun ist man dabei, die gigantischen Verluste zu beklagen. Beinahe alle österreichischen Banken haben in ihren Büchern Milliarden uneinbringlicher Kredite, viele Firmen haben das Feld in Osteuropa wieder geräumt.



Ein Aspekt der Ostbeziehungen ist die importierte Kriminalität, die man ehrlicherweise in die Handelsbilanzen als Minusposten aufnehmen sollte. Man spricht von Russen-, Serben-, Bulgaren-, Rumänen-, Kosovo-, Albaner- oder Moldawier-Mafia. Österreich kapitulierte vor diesen Strukturen, weil man nicht wagt, phasenweise die Grenzen zu schließen. Also duldet unsere Politik einen unfreiwilligen Privatvermögen-Fertigwarenexport und Kumpanei zu Lasten unserer Gesellschaft. Reden wir über die anderen Aktivitäten dieser Organisationen, wie Geldwäsche, Investitionen in Firmen, Hotels, Nobel-Wohnhäuser, Prostitution, Wettbüros, auch in österreichische Staatsbürgerschaften. Lukrativ sind auch Patentdiebstahl, Wirtschaftsspionage und Schmuggel im großen Stil.

Reden wir von unseren eigenen Mafia-Strukturen, auch wenn diese harmlose Namen haben, wie Freunderlwirtschaft, Baubehörde 1. Instanz, Firmensitze auf fernen Inseln samt Geldgeschäften auf den Bahamas und in Panama, einige treten sogar als Proponenten politischer Organisationen auf, andere agieren "innovativ-korrupt" in lukrativen Wirtschaftssparten. Spekulationen naiver Bürgermeister und der ÖBB? Das dient der Kapitalmaximierung und ist gesetzlich nicht verboten. Moral? Wer braucht so was noch?

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Es gibt intensive Kontakte zu Mafia-Strukturen, obgleich man darüber nicht viel spricht. Diese Kontakte lohnen sich für beiden Seiten: Ein dubioses Bauprojekt oder ein gigantischer unpassender Hotelbau? Kein Problem, wenn was für Privat-, Gemeinde- oder Parteikassa abfällt, Staatsbürgerschaft vielleicht inbegriffen. Beste Beziehungen zu Tadschikistan oder Kasachstan? Ich bitt Sie, wo liegt denn das überhaupt? Ein Ex-Minister: "Ich hatte keine solchen Kontakte und werde mit meinem Anwalt gegen alle vorgehen, die das behaupten!" Hatte er doch! Eine russische Politshow mit ein paar österreichischen Politikern? Cash Flow und Gegeneinladungen samt "vollem Service" inbegriffen. Dubiose Informationen aus Polizei-Computern? Kein Problem; man kann alles abstreiten, das funktionierte in Österreich immer. Ein russischer Spion wird erwischt? Er erhält diplomatische Immunität, kann unbehelligt ausreisen, denn das sind "unsere lieben Freunde", und wer will da schon Geschäfte stören?

Fliegt das auf, kann man sich nicht erinnern, gibt sich empört. Die Parteifreunde werdens schon richten, auch bei der Justiz. Bisher hat das funktioniert, nun vielleicht nicht mehr. Einschüchterungen und Abstreiten hilft nicht mehr, in den Medien werden nun auch Namen genannt.

Friedrich Korkisch ist Leiter des Instituts für Außen- und Sicherheitspolitik in Wien.




Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2010-01-21 17:49:04
Letzte nderung am 2010-01-21 17:53:00



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