• vom 27.08.2014, 17:50 Uhr

Gastkommentare

Update: 28.08.2014, 16:33 Uhr

Wohnen

Zu arm zum Wohnen




  • Artikel
  • Lesenswert (11)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Peter Brandner

  • Gastkommentar
  • Die Wohnkosten steigen, das Angebot ist knapp. Es braucht Reformen, die auf marktwirtschaftlichen Elementen aufbauen.

Als Preisanker für den freien Mietmarkt könnte zum Beispiel der soziale Wohnbau fungieren. - © proHolzAustria / Peter Brandner

Als Preisanker für den freien Mietmarkt könnte zum Beispiel der soziale Wohnbau fungieren. © proHolzAustria / Peter Brandner

Wien. Gut gemeint statt gut gemacht - staatliche Eingriffe in den Wohnungsmarkt sind zwar theoretisch begründbar, aber nicht immer angebracht. Richtig, steigende Wohnkosten in den Ballungsräumen, ein zu knappes Wohnangebot und generell ineffektive Preisregularien bei Mieten erfordern dringend Reformen. Aber Reformen, die auf marktwirtschaftlichen Elementen aufbauen. Gesetzlich verordnete Mietpreisgrenzen mögen zwar kurzfristig aus Sicht der Mieter die Lage verbessern, mittel- und langfristig überwiegen jedoch sowohl für Vermieter als auch für Mieter die Nachteile.

Information

Peter Brandner ist Sprecher der liberalen Bewegung Die Weis[s]e Wirtschaft. Seit 2005 ist er Fachexperte für empirische Wirtschafts- und Finanzmarktforschung im Bundesministerium für Finanzen. Er vertritt hier ausschließlich seine persönliche Meinung. 


Solange das Wohnungsangebot nur schwach auf Preisänderungen reagiert, wäre eine Forcierung nachfrageseitiger Förderungen (Subjektförderung) kaum geeignet, das Angebot an Wohnungen zu stimulieren. Neubau, Sanierung, Nachverdichtung wären zielführender. Der soziale Wohnbau (via Objektförderung) könnte per se als dämpfendes Preissignal respektive Preisanker für den freien Mietmarkt wirken.

Förderung von Mietwohnungen
Die mobilitätshemmend ausgestaltete Förderung von Wohnungseigentum sollte aufgrund problematischer Verteilungswirkungen zugunsten der Förderung von Mietwohnungen reduziert werden. Unerwünschte Verteilungswirkungen können verwaltungssparsam vermieden werden, wenn etwa automatische Mietsteigerungen zur Erreichung der Marktmiete erfolgen, solange nicht die geförderten Personen nachweisen, dass ihre Förderwürdigkeit (unerwartet lange) anhält.

Die Grunderwerbsteuer verhindert die Entwicklung eines "liquiden" Marktes für Eigentumswohnungen, hemmt die Durchlässigkeit zum Mietwohnungsmarkt und stellt so ein Mobilitätshindernis dar. Grunderwerbsteuer und Eintragungsgebühr sollten daher durch eine auf Kostenäquivalenz basierend feste Gebühr ersetzt werden. Im Mietwohnbereich wäre die Mietvertragsgebühr zu beseitigen.

Angebotshemmend ist die wohnrechtliche Unterscheidung zwischen Erhaltung und Verbesserung, die zu beseitigen wäre. Reformbedarf gibt es auch bei der Willensbildung im Wohnrecht: Im Mietrecht, um Sanierungsvereinbarungen (im Gegensatz zum Erhöhungsverfahren) effektiver zu gestalten; im Wohnungseigentum insbesondere durch die Beseitigung der Unterscheidung zwischen ordentlicher und außerordentlicher Verwaltung.

Trotz hoher Regulierungsdichte unterscheidet sich das Mietpreisniveau neuvermieteter Wohnungen, die dem Richtwertsystem unterliegen, in Österreich derzeit kaum von jenem des "freien" Marktes (eine Ausnahme bilden Gemeinde- und Genossenschaftswohnungen). Allerdings stiegen in Wien seit 2005 bei Neuvermietung die "freien und angemessenen Mieten" deutlich stärker als die Richtwertmieten.

weiterlesen auf Seite 2 von 2




Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2014-08-27 17:53:09
Letzte ─nderung am 2014-08-28 16:33:29



Werbung



Beliebte Inhalte

Meistgelesen
  1. Neue Gegner, neue Werte?
  2. Steuergeschenke für Apple
  3. Pop! Die Bitcoin-Blase platzt
  4. Berlin schlägt Visegrád
  5. Recht auf Polemik
Meistkommentiert
  1. Berlin schlägt Visegrád
  2. Rechnung für Milchmädchen
  3. Misstrauen als Bürgerpflicht
  4. Europa in Bewegung
  5. Science Fiction lebt


Werbung


Werbung