• vom 09.01.2015, 11:47 Uhr

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Anmerkungen zur Entstehung des Neujahrskonzerts




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    Zum Artikel von Teresa Reiter im "Wiener Journal", 2. Jänner

    Teresa Reiter liegt falsch. In ihrem Beitrag "Geigen nach Wien tragen" über die Geschichte der Wiener Philharmoniker bezeichnet sie die Tatsache, "dass das Neujahrskonzert eine Erfindung der Nazis gewesen ist", als "Gerücht", das sich "hartnäckig" halte. Ist das vielleicht deshalb so, weil es wahr ist, Frau Reiter?

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    Ralph Braun, Musikhistoriker und bis 2011 Vorsitzender der deutschen "Johann Strauß-Gesellschaft", hat sich im Zusammenhang mit dem Neujahrskonzert unter anderem dieser Frage verschrieben: "Warum verschweigen die Wiener Philharmoniker die Entstehungsgeschichte?" Und er belegt, dass das erste "Neujahrskonzert" zu Silvester 1939 eine kurzfristig angesetzte Wiederholung des "Dritten Orchesterkonzerts" der Salzburger Festspiele vom 13. August 1939 war und dass das Programm für dieses Johann-Strauß-Konzert vom Propagandaministerium "und nicht von den Philharmonikern bestimmt" wurde. Der von Reiter zitierte Oliver Rathkolb hat das vom Propagandaministerium angesetzte Salzburger Strauß-Konzert von 1939 leider hartnäckig verschwiegen, obwohl er von Ralph Braun nachweislich darüber informiert wurde.


    © apa/Hans Punz © apa/Hans Punz

    Brisant ist vor allem die Schlussfolgerung von Ralph Braun: "Prof. Rathkolb entschärft die Brisanz der Entstehungsgeschichte des Neujahrskonzerts zugunsten des außerordentlichen Werbeeffektes dieser größten klassischen Konzertveranstaltung der Welt für Österreich und die Wiener Philharmoniker sowie den Kommerz."

    Und der von Reiter ebenfalls als Gewährsmann zitierte Auftraggeber von Rathkolb, der ehemalige Vorstand des Orchesters Clemens Hellsberg, geht sogar noch einen Schritt weiter und verfälscht das Konzert zur Widerstandshandlung: "Mit einem Konzert, das zur Gänze der Musik der Strauß-Dynastie gewidmet war, bekannten sie sich unmissverständlich zu Österreich, für das in der damaligen Welt kein Platz war."

    Das genaue Gegenteil ist wahr und längst bewiesen, das Konzert war von Anbeginn an im "Dienst der Kriegsführung" des nationalsozialistischen Deutschland.

    Kein "Gerücht", Frau Reiter!

    Leserkommentar von Harald Walser

    Zur Person

    Harald

    Walser

    ist Nationalratsabgeordneter und Bildungssprecher der Grünen.




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    Dokument erstellt am 2015-01-09 11:50:13



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