• vom 01.01.2016, 15:17 Uhr

Gastkommentare

Update: 01.01.2016, 15:23 Uhr

Gastkommentar

Gastkommentar von Tahir Chaudhry Wir backen uns unsere Terroristen selbst




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Laut "Global Terrorism Index" wurden 2014 weltweit 32.658 Menschen durch Terrorismus getötet. Darunter waren 31 Opfer aus Europa und 22 aus Nordamerika. Also war nur jedes tausendste Opfer von Terrorismus weltweit ein Europäer. Es ist wohlbekannt, dass der Terror des "Islamischen Staates" sich auch und besonders gegen alle Muslime richtet, die nicht seiner Ideologie folgen.

99,9 Prozent der Muslime in Deutschland lehnen den IS-Terror kategorisch ab. Zahlreiche Islamverbände, Politiker und Institutionen aus der Welt des Islam haben sich deutlich von den Gräueltaten des IS distanziert und mit den Opfern des Massakers solidarisiert. Zudem haben Studien des Pew Research Center in Washington ergeben, dass die überwiegende Mehrheit der Gesellschaften der islamischen Welt die Taten des IS verurteilen.

In den Augen des IS sind ebenjene Muslime "Abtrünnige", aus der Sicht des Westens müssen sie zu Verbündeten werden. Wenn nun eine verschwindend kleine Minderheit der 1,6 Milliarden Muslime dem Ruf einer Terrorbande folgt, dann liegt all ihre Macht in der PR-Strategie, die es zu durchbrechen gilt. Der IS verkauft sich gekonnt als eine kleine unaufhaltsame Armee von Auserwählten, die mit kontinuierlichem Erfolg Richtung Europa marschieren. Wichtig wäre also auch, seine Angstmache ins Leere laufen zu lassen, weil sie ein Teil eines propagandistischen Spiels der Selbstinszenierung ist. Die Ideologie des IS darf nicht weiterhin die Befreiungsideologie einer frustrierten Jugend einer Welt der Orientierungslosigkeit und einer an der Religionsferne leidenden Postmoderne sein.

Westliche Botschaft für zurückkehrende Flüchtlinge
In einer Videobotschaft, die während eines Schusswechsels aufgenommen wurde, wendete sich der Pariser Attentäter Abaaoud an Muslime in aller Welt: "Seid ihr zufrieden mit eurem Leben? Diesem erniedrigenden Leben, ob in Europa, Afrika, arabischen Ländern oder Amerika? Sucht nach Stolz und Ehre - im Dschihad!" Die Verachtung des Islam und die Ausgrenzung der Muslime müssen nicht durch einen unkritischen, aber durch einen gerechten und freundschaftlichen Umgang ersetzt werden.

Der Teufelskreis des Terrors kann gestoppt werden, indem die westliche Welt den Muslimen Schutz vor Terror in einem würdevollen Leben voller Frieden und Freiheit gewährt. Die Integration der bei uns kurzweilig Zuflucht Suchenden ist sicher nicht nötig, doch eine Botschaft können die Gäste von Deutschland in die arabische Welt tragen: Respekt, Toleranz und Nächstenliebe.

Zum Autor

Tahir Chaudhry

studiert Islam-
wissenschaften und Philosophie. Er ist freier Journalist und Chefredakteur des Magazins "Das Milieu" (www.dasmili.eu).

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Dokument erstellt am 2016-01-01 15:20:06
Letzte ─nderung am 2016-01-01 15:23:04



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