• vom 12.02.2016, 16:54 Uhr

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A schwaare Partie




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    Walter Gröbchen ist Verleger und Journalist in Wien. Gemeinsam mit Partnern betreibt er die Musik- und Kommunikationsagentur monkey (www.monkeymusic.at). Er war lange Jahre Redakteur, Beitragsgestalter und Moderator bei Ö3 und Ö1. Foto: privat

    Walter Gröbchen ist Verleger und Journalist in Wien. Gemeinsam mit Partnern betreibt er die Musik- und Kommunikationsagentur monkey (www.monkeymusic.at). Er war lange Jahre Redakteur, Beitragsgestalter und Moderator bei Ö3 und Ö1. Foto: privat Walter Gröbchen ist Verleger und Journalist in Wien. Gemeinsam mit Partnern betreibt er die Musik- und Kommunikationsagentur monkey (www.monkeymusic.at). Er war lange Jahre Redakteur, Beitragsgestalter und Moderator bei Ö3 und Ö1. Foto: privat

    Ich habe Ö3 - lange Jahre war ich in diesem Sender in vielfacher Rolle tätig - anno 1993 verlassen und bin aus einer gewissen Abenteuerlust in die Musikindustrie gewechselt. Es war der richtige Zeitpunkt: Die dramatische Umgestaltung eines erfolgreichen, vielgestaltigen Programms (das Vorbild für viele Stationen war, von Radio Hamburg bis Bayern 3) in ein "Hitradio" nach üblich-üblem Kommerzschema stand knapp bevor. Der ORF meinte damals, die kommende private Konkurrenz weniger durch den Einsatz eigenen Gehirnschmalzes als durch den Zukauf externer Ezzes abwehren zu können - wäre es schiefgegangen, hätte man sich in der Chefetage legér auf die teure Beratungsfirma aus Nürnberg ausreden können. Aber es lief (nach einigen Rumpeleien und Rempeleien in den Jahren 1995 bis 1998, die seitens des Gesetzgebers einen bequemen Vorsprung sicherten) glatt.

    Seit diesem Zeitpunkt ist Ö3 mit großem Abstand Marktführer. Über lange Strecken schaffte es die Armada der Privatsender nicht, am Nimbus und Erfolg des großen Vorbilds zu kratzen. Kein Wunder: Meist versuchte man einfach, es plump zu kopieren. Ohne die Mittel dafür zu haben. Erst in den vergangenen Jahren kam es zu einer Ausdifferenzierung der Formate, die sich vorrangig über das Musikangebot definiert. Und natürlich ist die Zeit nicht stehen geblieben: Internet-Radio, Musikstreaming, Social Media etc. haschen nach unser aller Aufmerksamkeit. Die kleinen, in Summe jedoch nachhaltigen Hörerverluste von Ö3 seit der Jahrtausendwende sind daher für Experten keine Überraschung. Im Gegenteil.


    Nur ja keine Österreicher
    Warum ich Ihnen das alles erzähle? Weil der Ö3-Chef - welcher Teufel hat ihn geritten? - nun meint, die Ursache für die Negativentwicklung benennen zu können: Musik aus Österreich. Tatsächlich wogt hier seit den 1990ern eine heftige Debatte (und ich kenne sie in- und auswendig): Wieviel Prozent heimischer Interpreten, Komponisten und Songs kann man dem Publikum zumuten? Die Doktrin der Formatradio-Berater lautet: so wenig wie möglich. Warum? Auf eine valide Antwort warte ich seit zwei Dezennien. Es ist die Kernfrage.

    Man musste die ORF-Manager sogar im Parlament daran erinnern, dass es für einen öffentlich-rechtlichen Sender (und ja, Ö3 ist ungebrochen ein solcher) gewisse Auflagen gibt: Kultur- und Bildungsauftrag, Public Value, eine proaktive Widerspiegelung der vitalen lokalen, regionalen, nationalen Musikszene. Resultat: eine freiwillige Quotenvereinbarung, die zäh, aber doch erfüllt wird.

    Aber ich verstehe gewiss auch die Nöte der Senderspitze und die Sorge um ihre Erfolgsprämien: Ein wie ein Privatradio agierendes Ö3 finanziert ja unleugbar die Alternativangebote Ö1 und FM4 mit. Warum man sich dennoch nicht der unleugbaren Verkrampfung entledigt, was das heimische Kreativpotential betrifft, und - Lippenbekenntnisse dazu gab und gibt es sonder Zahl - den konstruktiven Dialog sucht, mag niemand recht beantworten. Ö3-Chef Spatt schon gar nicht. Aber es wäre hoch an der Zeit.

    Chance im Konkurrenzkampf
    Die aktuelle Erfolgswelle heimischer Künstlerinnen und Künstler - von Wanda und Bilderbuch über Seiler & Speer und Conchita Wurst bis zu Parov Stelar - ist nicht Ö3 & Co. zu verdanken. Was Wasser auf die Mühlen jener "Fachleute" ist, die meinen, wahre Kunst und nachhaltige Publikumsresonanz wären auch ohne Radio-Airplay erzielbar.

    Gewiss, aber. Soll man dem ORF nun verbieten, am Image und an der Beliebtheit dieser Acts mitzunaschen? Und Ö3, die Hits dieser Interpreten fast demonstrativ totzuspielen? Radio Wien, das Neo-Wienerlied zu verschlafen? Und den Privatsendern, sich in Hinblick auf eine zunehmend unüberseh- und -hörbare Austro-Szene des notorischen Anti-Ö3-Bunkerblicks zu entledigen? Im Gegenteil. Es wäre eine Chance gegen den schleichenden Bedeutungsverlust. Im Konkurrenzkampf der Zukunft vielleicht die einzige.

    Wieder einmal wogt die Debatte um heimische Klänge auf Ö3. Was bewegt Senderchef Georg Spatt, notorisch gegen seine Vorgaben zu polemisieren?Eine Nachfrage.




    Schlagwörter

    Gastkommentar, Ö3, Musik, Quoten

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    Dokument erstellt am 2016-02-12 16:59:05



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