• vom 17.02.2016, 12:10 Uhr

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Update: 18.02.2016, 10:18 Uhr

Gastkommentar

Wachstum im Wandel - wir sind mittendrin




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    Ökologische Wachstumsgrenzen, Einkommensverteilung, bedingungsloses Grundeinkommen, klimaverträgliche Energieversorgung, realistische Wohlstandsmessung: Derlei Stichworte liest man längst nicht mehr nur auf globalisierungskritischen Flugblättern oder in nachhaltigkeitsbewegten Büchern, sondern immer öfter auch in renommierten Tages- und Wochenzeitungen. Wie Wachstum wahrgenommen wird, wandelt sich.



    Rasante technologische und kulturelle Veränderungen und eine erhöhte gesellschaftliche Sensibilität für Verteilungs- und Umweltthemen: All das hat dazu geführt, dass Wirtschaftswachstum seit einiger Zeit so intensiv zur Diskussion steht wie seit den 1970er Jahren nicht mehr. Diskussionen über Themen wie Klimaschutz, die globale Kluft zwischen Arm und Reich oder die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen tun ein Übriges. Die Beschlüsse des Pariser Klimagipfels zumal, die ja ganz wesentlich ein globales Schrumpfungsprogramm sind, erzwingen geradezu eine intensive Beschäftigung mit dem Ziel eines dauernden Wirtschaftswachstums. Dabei ist die Diskussion heute weiter als vor 40 Jahren. Einen simplen "Wachstumsstopp" fordert heute kaum noch jemand: Vielmehr geht es um komplexe Fragen nach technologischen Entkopplungsmöglichkeiten, Rebound-Effekten, Postwachstumskonzepten und Transformationsprozessen.

    Wünsche und Möglichkeiten

    Zwei Dinge sind für eine zeitgemäße Wachstumsdebatte hilfreich. Erstens die Unterscheidung zwischen Wünschbarkeit und Möglichkeit: Wachstum kann - zum Beispiel aus Beschäftigungsgründen - wünschenswert sein. Das wird aber zum Problem, wenn weiteres Wachstum - zum Beispiel aus Klimaschutzgründen - nicht möglich ist. Die Beobachtung des US-Ökonomen Herman Daly, dass Wirtschaftswachstum sehr unwirtschaftlich sein kann, sollte zu denken geben, wenn man die Möglichkeiten und Grenzen von weiterem Wachstum reflektiert: Wenn dessen zusätzlicher Nutzen geringer ist als die schädlichen Wirkungen, ist die Zeit für grundsätzliches Nachdenken gekommen.

    Zweitens: Wachstum ist keineswegs die historische Normalität, für die es oft gehalten wird. Sowohl wirtschafts- als auch theoriegeschichtlich ist Wachstum immer im Wandel gewesen. Das massive Wachstum seit der industriellen Revolution ist, historisch betrachtet, möglicherweise eine sensationelle Ausnahme. Und: Alle großen Ökonomen - von Adam Smith und John Stuart Mill über Karl Marx und William Stanley Jevons bis Joseph Schumpeter und John Maynard Keynes - haben sich mit der Frage beschäftigt, ob Wirtschaftswachstum wirklich von Dauer sein kann. Alle der genannten Herren waren - aus ganz unterschiedlichen Gründen - überzeugt, dass Wachstum Grenzen hat.

    Ein Blick zurück tut heute gut

    Damit sind viele komplexe Fragen verbunden, die sich auch Smith und seine Kollegen stellten. Bedeutet weniger Wachstum massive Armut? Erhöhte Lebensqualität? Stagnierende Innovationen? Mehr Zukunftsfähigkeit?

    Auch heute sind wir gezwungen, über unterschiedliche Szenarien gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Entwicklung nachzudenken. Vielleicht ist es gerade in turbulenten Zeiten gut, einmal wieder einen Blick auf die Geschichte zu werfen.

    Information

    Fred Luks
    ist Leiter des Kompetenzzentrums für Nachhaltigkeit an der Wiener Wirtschaftsuniversität und bloggt im Internet unter www.fredluks.com

    Konferenz Wachstum im Wandel
    22. bis 24. Februar
    Wirtschaftsuniversität Wien
    Programm und Tickets

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2016-02-17 12:14:09
    Letzte ńnderung am 2016-02-18 10:18:01



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