• vom 31.05.2016, 19:30 Uhr

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Eine Leseliste für (Staats-)Manager




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Von Isabella Mader


    Isabella Mader ist Vorstand des Excellence Institute (www.excellence-institute.at).

    Isabella Mader ist Vorstand des Excellence Institute (www.excellence-institute.at). Isabella Mader ist Vorstand des Excellence Institute (www.excellence-institute.at).

    Die von Bundeskanzler Christian Kern zitierte Mariana Mazzucato räumt in ihrem Buch Entrepreneurial State ja mit dem Mythos auf, Innovation käme ausschließlich aus der Privatwirtschaft. Wenn die Bundesregierung auf dieser Basis ihre Rolle als Treiberin von Innovation und als Partnerin der Wirtschaft schärft und umsetzt, wäre das zu begrüßen.

    Konzepte basierend auf Hierarchie und Komplexität funktionieren vielfach nicht mehr. Fast aller Erfolg und Disruption basieren heute auf Kooperation, Netzwerken, neuen Technologien und Vereinfachung. Vor diesem Hintergrund eignen sich neben Mazzucato auch folgende Werke als Inspiration für (Staats)Manager.

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    Bei einer Podiumsdiskussion in der Industriellenvereinigung im März 2016 erklärte der Chef von Wikifolio, dass auf seiner Plattform Anlagestrategien veröffentlicht werden und die Portfolios inzwischen das Vierfache des Handelsvolumens der Wiener Börse erreichen. Frage des Moderators: Warum machen die Leute sowas? Genau das hat Alexander Pentland vom MIT untersucht (Buch: Social Physics): Trader im stillen Kämmerlein erwirtschaften die geringsten Renditen, jene mit öffentlich diskutierten Anlagestrategien die besten. Das gleiche bei Callcentern: Mitarbeiter, denen Pausengespräche untersagt waren, machten die schlechtesten Umsätze, jene mit Pausengesprächen die besten. Umgelegt auf urbane Räume rechnet Pentland aufgrund solcher Indikatoren inzwischen das Bruttourbanprodukt mit geringer Abweichung hoch. Seine Findungen in einem Satz: Je mehr Kooperation, Interdisziplinarität, Offenheit und Durchmischung, desto mehr Wohlstand.

    Die Autoren von Warum Nationen scheitern haben zusammengetragen, was Nationen erfolgreich macht(e) (oder eben nicht): Inklusive Gesellschaften, die zentralisiert und pluralistisch sind, und in denen Beteiligung und gesellschaftlicher Aufstieg durch Engagement und Risikobereitschaft möglich sind, stellen in den vergleichenden Analysen die erfolgreichen Beispiele. Extraktive Systeme sind demgegenüber so angelegt, dass sie der Gesellschaft Ressourcen entziehen und nur für eine Oberschicht profitabel sind. Engagement versiegt, weil gesellschaftlicher Aufstieg durch Arbeit nicht mehr gelingt. Fazit: Extraktive Systeme degenerieren, inklusive prosperieren.

    Henry Mintzberg plädiert in Rebalancing Society für eine Politik jenseits von linker und rechter Ideologie und jenseits der Lähmung in der Mitte. Dazu unterscheidet er neben dem "Private Sector" (Wirtschaft) und dem "Public Sector" den so genannten "Plural Sector" (Zivilgesellschaft, Nonprofit). Engagement und Einsatz für gesellschaftliche Anliegen in Organisationen der Zivilgesellschaft und in Zusammenarbeit der drei Sektoren werden von jenen, die sich einbringen, im Ergebnis besser beurteilt als von jenen, die sich nicht engagierten. Im Umfeld der Flüchtlingswelle zeigte sich das besonders deutlich.

    Erfolg und Legitimation von (Staats)Management entstehen also nicht durch das Amt, sondern durch Beteiligung auf Gegenseitigkeit.




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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2016-05-24 15:56:05
    Letzte nderung am 2016-05-30 13:26:05



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