• vom 24.08.2016, 17:25 Uhr

Gastkommentare


Werte

Das Recht der Frauen - ohne unsere Werte undenkbar!




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Von Sabine M. Fischer

  • Eine Antwort auf den Gastkommentar von Franz Schandl in der "Wiener Zeitung" vom 23. August 2016.

Sabine M. Fischer ist Inhaberin von Symfony Consulting, Wirtschaftspädagogin und Human-Resources-Unternehmensberaterin.

Sabine M. Fischer ist Inhaberin von Symfony Consulting, Wirtschaftspädagogin und Human-Resources-Unternehmensberaterin. Sabine M. Fischer ist Inhaberin von Symfony Consulting, Wirtschaftspädagogin und Human-Resources-Unternehmensberaterin.

Eine rechtlose Frau mit Kopftuch, deren Vermögen bei ihrer Heirat automatisch in das Eigentum des Mannes überging, die ohne Zustimmung ihres Ehemannes, davor ihres Vaters, nicht berufstätig sein durfte und die nicht die Ausbildung ihrer Kinder bestimmen durfte, ebenso wenig wie sie sich gegen Gewalt ihres Ehemannes wehren oder gar diese bei einem Gericht anklagen durfte - das waren meine Großmutter und meine Mutter bis 1974 (Recht auf Berufstätigkeit) bzw. 1989 (Vergewaltigungsverbot auch in der Ehe). Dabei sind wir seit Generationen eine katholische Familie und österreichische Staatsbürgerinnen.

Es ist noch nicht so lange her, dass sämtliche Keuschheits- und sonstige Beschränkungsgebote für Frauen auch in unserer Kultur galten. Wie besessen auch "unsere" Männer von der fixen Idee der Kontrolle von weiblicher Lebensführung und Sexualität waren und dem daraus resultierenden Unglück, kann man in der klassischen Literatur nachlesen, von "Der Widerspenstigen Zähmung" und "Emilia Galotti" bis "Nora". Dass meist Männer die Situation von Frauen wortreich beschrieben haben, war nicht der Phantasielosigkeit der Frauen geschuldet, sondern dem Umstand, dass ihnen, selbst wenn sie von ihrem Vater, seltener noch von ihrem Ehemann, gefördert wurden, öffentliche Auftritte und auch Veröffentlichungen ihrer Arbeiten verboten waren.


Beschränkt hat das nicht nur die Frauen, sondern auch die Männer und natürlich ganz besonders die Kinder: Männer hatten nur eine Rolle, die männlich-starke, die sie erfüllen mussten (und nicht immer konnten, was entsprechende Schäden bei ihnen selbst und an der Umwelt hinterließ), und Kinder - weibliche wie männliche - mussten in der Mehrheit Gewalt und Armut erleben, weil ihre Mütter und Großmütter ihre Potenziale weder intellektuell noch wirtschaftlich leben konnten. (Während Sie dies lesen, passiert es gerade in Afghanistan und in Nepal, wenn der Vater umkommt und der Sohn noch zu klein zum Geldverdienen ist. Damit ist auch kriminellem Missbrauch von Kindern und Frauen Tür und Tor geöffnet - schauen Sie einmal in ein Wiener Puff.)

Die Geschichte zeigt, dass sich rationales und gleichberechtigtes Handeln für alle auszahlt: Wirtschaftlicher Aufstieg geht immer einher mit der Selbstbestimmung von Frauen- und der Abstieg mit ihrer Unterdrückung. Wir haben die Wahl.

Demokratie kann nur bestehen, wenn die Schwachen - ökonomisch, sozial, körperlich - durch klare Regeln und deren konsequente Durchsetzung geschützt werden. Freiheit in der persönlichen Entscheidungsfindung und Sicherheit von Leib und Leben und dem persönlichen Eigentum sind die Grundlagen unseres mühsam erarbeiteten gesellschaftlichen Übereinkommens. Ihr Gradmesser ist der Schutz und die Selbstbestimmung der Frauen - jener, die hier geboren worden sind, und jener, die zuwandern. Wenn wir nicht die dafür notwendigen Ressourcen im Bildungs-, Sicherheits- und Gesundheitssystem für alle sozialen Milieus zur Verfügung stellen, entwickeln wir uns zu: Eine rechtlose Frau mit Kopftuch...siehe oben.




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Dokument erstellt am 2016-08-24 17:29:08



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