• vom 20.09.2016, 09:27 Uhr

Gastkommentare

Update: 20.09.2016, 09:36 Uhr

Gastkommentar

Von der Willkommenskultur zur Wirklichkeit




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Von Daniel Witzeling

  • Es geht um die Zukunft und den Frieden im gewachsenen Kulturkreis Europa und nicht um Ideologien von Links oder Rechts.



Wie sagte schon Johann Wolfgang von Goethe "Wenn man einmal weiß, worauf alles ankommt, hört man auf, gesprächig zu sein". Demzufolge haben die Politiker in der EU nicht verstanden worum es geht, denn sie haben die Klappe immer noch reichlich weit offen und anstatt zu handeln wird weiterhin geschwafelt und geschwatzt was das Zeug hält. Und exakt an diesem Punkt liegt der Hase im Pfeffer. Den schwarzen Peter bekommt die Bevölkerung, die ohnehin schon mit dem verantwortungslosen Verhalten der Verantwortlichen zu kämpfen hat. Apropos Verantwortung: diese wollen Herr und Frau Politiker nur so weit übernehmen als sich im Rahmen der Selbstpräsentation darüber reden lässt, denn dass Handeln auch Konsequenzen nach sich zieht ist ein leidiges Thema im doch so gut bezahlten Politikerleben. Mit jeder Tat schafft man sich in gleichem Maße Freund und Feind und das nicht nur in der Wählerschaft sondern auch in der eigenen Partei, was wiederum zu einem schnellen Verlust der eigenen Position führen kann. Ob der Tanz auf dem Eis funktioniert ist fraglich. Dass sich jemand findet, der Verantwortung übernimmt, Lösungen bringt und seinen Posten behält auch. Europa ist in der Krise gestehen sich jetzt die Spitzen der EU ein. Das Treffen der Regierungschefs in einer Burg in Bratislava als Sinnbild der nun möglicherweise entstehenden Festung Europa ist nicht weniger symbolisch. EU Ratspräsident Jean-Claude Juncker sieht die EU nicht in Topform, Angela Merkel erkennt nach ihrem "Wir schaffen das" nun eine schwierige Situation.

Schaffen wir das?

Information

Daniel Witzeling, (*1985) Psychologe und Sozialforscher. Leiter des Humaninstituts Vienna (www.humaninstitut.at). Als Sozialforscher beschäftigt er sich mit angewandter Psychologie auf verschiedenen gesellschaftlichen Tätigkeitsfeldern unter anderem
Wirtschaft, Politik und Soziales.

Viele Menschen stellen sich die berechtigte Frage, ob und wie wir die aktuellen und noch kommenden Herausforderungen meistern können. Hier stellt sich auch im Zusammenhang mit der Ursachenforschung die Frage, wer die Verantwortung für die resultierenden Nebenwirkungen einer anfangs zu euphorischen Politik in der Flüchtlingskrise trägt und wie man das Ruder noch herumreißen kann. Vor nicht allzu langer Zeit war der Optimismus in Richtung Bewältigung der Flüchtlingskrise nahezu nicht enden wollend. Nun klingt das einstige "Wir schaffen das" der deutschen Bundeskanzlerin wie ein Mantra, welches zur Selbstmotivation stetig wiederholt werden muss und das nach jeder Wiederholung mehr und mehr von seinem einstigen Charme verliert. Die Menschen in der EU, und das belegen zahlreiche Wahlen von der Bundespräsidentenwahl in Österreich über Wahlen in Deutschland bis hin zum Brexit der Briten, verspüren diffuse und auch reale Ängste. Indikatoren wie das Abschneiden der AfD in Deutschland und die stetig steigenden Umfragewerte der FPÖ in Österreich weisen auf einen eindeutigen Trend in der Zivilbevölkerung hin.

Politik mit Realitätssinn und Augenmaß

Ein Schwenk nach rechts und eine Verleugnung von Werten wie Solidarität und Zusammenhalt in einer Gesellschaft sind keine Lösung, aber für die Menschen geht es um einen unverklärten Blick auf die Realität und das Ernstnehmen ihrer Sorgen und Ängste. Denn wer hätte gedacht, dass die Flüchtlingssituation zum Stresstest für die gesamte EU wird und sogar zur Destabilisierung dieser führt.
Wer trägt nun die Verantwortung für eine nicht ganz durchdachte Politik, die vom ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban als naiv und selbstzerstörerisch bezeichnet wird. Wie heißt es so schön: das Gegenteil von gut gemacht ist gut gemeint. Die Ziele so manch eines Politikers mögen durchaus ehrenwerte sein. Aber so naiv ehrenwert diese auch sein mögen, so tollpatschig und unprofessionell werden sie umgesetzt und erreichen damit das komplette Gegenteil von dem was sie eigentlich hätten bezwecken sollen. Paradoxerweise hat die "Wir schaffen das" Politik einiger politischer Akteure genau zu dem geführt, was diese so sicher nicht im Sinn hatten. Nämlich zu einem Anstieg an Fremdenfeindlichkeit und Ressentiments Flüchtlingen gegenüber. Jetzt geht es darum mit Realitätssinn und Augenmaß zu zeigen warum Europa einst die Wiege der Demokratie mit Werten wie Freiheit, Gleichheit und vor allem Brüderlichkeit war.

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Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-09-20 09:30:13
Letzte ─nderung am 2016-09-20 09:36:48



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