• vom 28.11.2016, 15:35 Uhr

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Update: 28.11.2016, 15:51 Uhr

Presserat

Flüchtlinge in den Medien




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Von Alexander Warzilek und Anna Preiser

  • Gastbeitrag: Der Geschäftsführer des Österreichischen Presserats über Ethikverstöße heimscher Medien.
  • Und eine neue Checkliste "Verantwortungsvoller Journalismus in der Flüchtlingsberichterstattung".

Eine ethische Herangehensweise an das Thema Flüchtlinge schließt eine kritische Auseinandersetzung nicht aus. - © reuters/Alkis Konstantinidis

Eine ethische Herangehensweise an das Thema Flüchtlinge schließt eine kritische Auseinandersetzung nicht aus. © reuters/Alkis Konstantinidis

Alexander Warzilek, geboren 1975, studierte Jus in Graz und Athen. Er war Assistent an den Unis Graz und Luzern sowie Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften. Seit November 2011 ist er Geschäftsführer des Österreichischen Presserats.

Alexander Warzilek, geboren 1975, studierte Jus in Graz und Athen. Er war Assistent an den Unis Graz und Luzern sowie Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften. Seit November 2011 ist er Geschäftsführer des Österreichischen Presserats.© Presserat Alexander Warzilek, geboren 1975, studierte Jus in Graz und Athen. Er war Assistent an den Unis Graz und Luzern sowie Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften. Seit November 2011 ist er Geschäftsführer des Österreichischen Presserats.© Presserat

Wien. Die Verbreitung von Gerüchten über Asylwerber, die Supermärkte stürmen, Ehrenmorde und Blutfehden, die muslimischen Zuwanderern zugeschrieben werden, und das Bild eines toten syrischen Flüchtlingskindes am Strand - das sind nur einige der Themen, mit denen sich der Presserat, die Selbstkontrolleinrichtung der österreichischen Printmedien, in den letzten Monaten aufgrund von Leserbeschwerden beschäftigt hat.

Von Juni 2015 bis November 2016 hat der Presserat insgesamt 443 Beschwerden erhalten, davon 97 zu Artikeln über Flüchtlinge. In 19 dieser 97 Fälle hat der Presserat einen Ethikverstoß festgestellt. Die Bevölkerung diskutiert die Flüchtlingsthematik emotional und kontrovers. Medien können zur Versachlichung des Themas beitragen, aber auch Ängste schüren und Ressentiments fördern. Selbstverständlich sind auch kritische Berichte über Flüchtlinge möglich. Da das Thema von großem öffentlichem Interesse ist, reicht die Meinungsfreiheit sehr weit. Werden Flüchtlinge aber pauschal verunglimpft oder ihre Persönlichkeitsrechte verletzt, kann der Presserat eingreifen. Grundlage der Entscheidungen, die in erster Linie Mahn- und Appellcharakter haben, ist der "Ehrenkodex für die österreichische Presse".

Anna Preiser, geboren 1988, studierte Preiser Internationale Entwicklung sowie IBWL mit dem Schwerpunkt Public- und Non-Profit-Management in Wien und Peru. Seit 2015 ist sie als Referentin beim Österreichischen Presserat tätig. 

Anna Preiser, geboren 1988, studierte Preiser Internationale Entwicklung sowie IBWL mit dem Schwerpunkt Public- und Non-Profit-Management in Wien und Peru. Seit 2015 ist sie als Referentin beim Österreichischen Presserat tätig. © Presserat Anna Preiser, geboren 1988, studierte Preiser Internationale Entwicklung sowie IBWL mit dem Schwerpunkt Public- und Non-Profit-Management in Wien und Peru. Seit 2015 ist sie als Referentin beim Österreichischen Presserat tätig. © Presserat

Ein Fall, der viel Aufmerksamkeit erregt hat, betrifft einen Kommentar in der Steiermark-Ausgabe der "Kronen Zeitung", in dem behauptet wird, dass sich junge testosterongesteuerte Syrer aggressive sexuelle Übergriffe leisten und Afghanen in ÖBB-Waggons Sitze aufschlitzen würden. Horden würden die Supermärkte stürmen und sich nehmen, was sie wollen. Der Autor hat die geschilderten Vorfälle nicht überprüft, sondern bloß Gerüchte aus dem Internet wiedergegeben. Der Presserat hat darin Verstöße gegen die Punkte 2 (gewissenhafte Recherche) und 7 (Schutz vor Pauschalverunglimpfungen und Diskriminierung) des Ehrenkodex gesehen. Sogar die "Kronen Zeitung" hat sich von dem Artikel distanziert. Mittlerweile läuft gegen den Autor ein Strafverfahren wegen Verhetzung.

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Einen kritischen Kommentar über männliche junge Flüchtlinge in der Tageszeitung "Die Presse" hat der Presserat dagegen nicht verurteilt. In dem Kommentar heißt es, dass der Testosteronüberschuss der jungen Flüchtlinge auch Probleme bereiten könnte und nur eine Minderheit von ihnen säkulare Moslems seien. Der Presserat hat diese Aussage, die die Autorin auch mit Fakten untermauert hat, im Rahmen der Meinungsfreiheit zugelassen.

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Schlagwörter

Presserat, Flüchtlinge, Medien

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2016
Dokument erstellt am 2016-11-28 15:38:10
Letzte nderung am 2016-11-28 15:51:10



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