• vom 02.03.2017, 11:45 Uhr

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Arbeit braucht Schutz




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Von Marianus Mautner

  • Ideen für eine neue, für alle Beteiligten fairere Arbeitswelt.

Marianus Mautner ist Mediator, Coach, Theologe, Pädagoge und BMHS-Lehrer. Foto: privat

Marianus Mautner ist Mediator, Coach, Theologe, Pädagoge und BMHS-Lehrer. Foto: privat Marianus Mautner ist Mediator, Coach, Theologe, Pädagoge und BMHS-Lehrer. Foto: privat

In seinem Gastkommentar vom 21. Februar zur Flexibilisierung der Arbeitszeit hat Franz Astleithner grundlegende Fragen und Gefahren offengelegt und damit gezeigt, dass Flexibilität ein Gewinn sein kann, wenn sie Bedürfnisse der Arbeitnehmer mitberücksichtigt. Die dabei offene Fragen dazu sind: Zu welchem Preis wird mehr Flexibilität erkauft? Wer bezahlt diesen Preis? Erhöhen sich vielleicht nur die Risiken und Belastungen für die Arbeitnehmer ohne entsprechenden Gegenwert, Gewinn und Nutzen?

Ausgangspunkt für eine gute Lösung kann sein: Ja zu einer höheren Flexibilität der Arbeitszeit. Diese soll aber allen Beteiligten dienen und darf nicht die Angst vor Jobverlust erhöhen. Dafür ist zu beachten, dass Wirtschaft und Arbeitgeber kapitalbedingt immer die stärkere Verhandlungsposition haben. Daher braucht die Arbeitnehmerseite, als schwächerer Verhandlungspartner, eine Reihe schützender und unterstützender Regeln. Ideen dafür könnten sein:


Auch kurzfristige Anpassungen sollten schriftlich erfolgen und vor einem Zeugen (etwa von der Gewerkschaft) verhandelt und unterzeichnet werden.

Bei Teilzeitarbeitsverträgen ist eine maximale Tagesarbeitszeit festzuschreiben (Wochenarbeitszeit dividiert durch fünf). Jede Überschreitung derselben ist eine Überstunde.

Bei Zeitausgleich statt Auszahlung wird jede Überstunde durch 1,5 Freizeitstunden ausgeglichen (analog zum 50-prozentigen Aufschlag für Überstunden).

Eltern muss bei Überstunden Kinderbetreuung zur Verfügung gestellt werden.

Jedenfalls müsste es auch ein begleitendes absolutes Verbot von All-inclusiv-Verträgen geben.

Auch Leiharbeiter und freie Selbständige müssen immer vom Betrieb sozialversichert werden, sonst werden Krankenkassen und Pensionsversicherung geschädigt.

Ganz allgemein sollten folgende Verbesserungen langfristig und EU-weit angestrebt werden:

Kinderbetreuungszeiten und Pflegezeiten für Angehörige werden für die Pension angerechnet und sind krankenversichert.

Der Ersatz oder Verlust von Arbeitskräften durch Automaten wird kompensiert durch bedingungsloses Grundeinkommen und die Honorierung von bisher ehrenamtlichen Tätigkeiten wie Pflege, Kindererziehung, Landschaftspflege oder Urban Gardening.

Alle Angestellten beziehungsweise Arbeiter eines Betriebes werden am Gewinn beteiligt, statt Dividenden und Boni nur an Manager auszuzahlen. Dies könnte verhindern, dass Gewinne privatisiert oder abgeschöpft, aber Verluste der Allgemeinheit (Steuerzahler) angelastet werden (wie etwa bei der Bankenrettung), was ja auch dem in der Verfassung festgelegten Gleichheitsgrundsatz widerspricht.

Die Differenz vom niedrigsten zum höchsten Einkommen sollte gesetzlich mit einem maximalen Verhältnis von 1:25 begrenzt werden. Damit könnten die oberen Einkommen nur dann erhöht werden, wenn dies auch bei den unteren Gehälter geschieht.

Alle diese Maßnahmen können ein weiteres Anwachsen der Einkommens- und Vermögensunterschiede verhindern oder zumindest verringern. Es gäbe eine gerechtere Verteilung der Einkommen und Vermögen und in der Folge höheren allgemeinen Wohlstand. Dies würde indirekt auch zu mehr Konsum und dadurch zu mehr Steuereinnahmen und zur Verbesserung der Finanzen für öffentliche Leistungen führen.




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Dokument erstellt am 2017-03-01 11:50:06



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