• vom 01.04.2017, 11:08 Uhr

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Die Alternative ist nicht immer besser




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Von Rudolf Schicker

  • Was man beim Heumarkt-Turm vom Projekt Wien-Mitte lernen könnte.

Rudolf Schicker war von 2001 bis 2010 Wiener Stadtentwicklungs- und Verkehrsstadtrat, danach bis 2015 Klubvorsitzender der SPÖ Wien. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation

Rudolf Schicker war von 2001 bis 2010 Wiener Stadtentwicklungs- und Verkehrsstadtrat, danach bis 2015 Klubvorsitzender der SPÖ Wien. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation Rudolf Schicker war von 2001 bis 2010 Wiener Stadtentwicklungs- und Verkehrsstadtrat, danach bis 2015 Klubvorsitzender der SPÖ Wien. Foto: SPÖ Presse und Kommunikation

Im Interview am 15. März fand Professor Friedmund Hueber klare Worte zum Projekt Wien-Mitte. Er bezeichnete es als das schlimmste Beispiel für einen Neubau wegen seiner Wirkung im öffentlichen Raum.

Dazu ist Folgendes anzumerken: Ein großer Architekturwettbewerb hat für dieses Areal seinerzeit ein anderes Projekt erbracht. Ortner & Ortner, mit an Bord Architekt Neumann, haben den Wettbewerb mit mehreren schlanken Hochhäusern gewonnen. Diese sechs Hochhäuser wären geringfügig höher geworden als das Hotel Hilton auf der anderen Straßenseite der Landstraßer Hauptstraße. Ein Sturm der Ablehnung durch Denkmalschützer, Stadtbildschützer drohend mit der Nichtverleihung des Prädikats Weltkulturerbe an die Stadt Wien hat wochenlang die öffentliche Diskussion dominiert. Nicht nur der Canaletto-Blick, sondern auch der Stephansdom wurden in die Diskussion gezogen hineingezogen ("Das Gebäude wird höher als der Südturm" - was natürlich nicht stimmte). Letztlich passierte zweierlei:

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Das Gerichtsgebäude an der Marxerbrücke wurde nach den Plänen von Ortner & Ortner errichtet. Es kann sich daher jeder davon überzeugen, welche Schande dadurch beziehungsweise bei Errichtung des Gesamtprojektes über Wien gebracht worden wäre.

Für den Bereich Wien-Mitte wurde ein neuer städtebaulicher Wettbewerb ausgelobt, Sieger waren Henke & Schreieck, damals wie heute anerkannt hervorragende Architekten. Im Rahmen der von ihnen entwickelten Raumfigur hat Heinz Neumann Wien-Mitte "The Mall" geplant. Damals war seitens der Vertreter des Denkmalschutzes und der Stadtbildschützer große Erleichterung wegen der Reduzierung der Gebäudehöhe und der anderen Konfiguration zu verspüren. Das Prädikat Weltkulturerbe wurde der Stadt Wien verliehen. Hosianna!

Alles in Ordnung - oder?!

Agieren mit der Weltkulturerbe-Entzugskeule
Mitnichten: Beim nächsten Projekt wird wieder mit der Entzugskeule agiert: Wien werde auf die Rote Liste gesetzt werden, das Prädikat Weltkulturerbe werde uns in Folge entzogen werden, und Wien werde wohl Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte unter der Verschandelung leiden. Diesmal geht es um das Projekt von Architekt Weinfeld beim Eislaufverein, ebenfalls Gewinner eines Architektenwettbewerbes. Schon wurde das Spiel mit der Reduzierung der Gebäudehöhe gespielt, und jetzt geht es gegen das Ganze. Immer dieselben Argumente: Canaletto-Blick, wirtschaftliche Gründe, Weltkulturerbe.

Ich lade die Repräsentanten der Gegnerschaft des Heumarkt-Projektes ein, tatsächlich den in Augenschein nehmbaren Vergleich zu machen: Gerichtsgebäude an der Marxergasse versus "The Mall" Wien-Mitte. Ich wage zu behaupten, ohne Intervention durch die Gegner wäre bei Wien-Mitte das Projekt von Ortner & Ortner realisiert worden, und hätte wohl wirklich besser ins Stadtbild gepasst. Also bitte nicht gegen alles Sturm laufen, oft erreicht man damit nur Schlechteres, weil - wie bei Wien-Mitte gar nicht anders möglich - eine Neubebauung unbedingt notwendig war und vom Welterbekomitee auch gutgeheißen wurde (sonst hätte Wien nicht das Prädikat verliehen bekommen).




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Dokument erstellt am 2017-03-29 11:15:06



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