• vom 16.05.2017, 15:38 Uhr

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Update: 17.05.2017, 13:35 Uhr

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Von Bernhard Löhri




    Ein Sextett von ÖVP-Landeshauptleuten plus Bündechefs pilgerte gemeinsam zum Meidlinger Tivoli, um den Meidlinger Sebastian Kurz auf den Schild zu heben. Der kraftvoll inszenierte Beschluss zukunftsträchtiger politischer Führung entpuppt sich bei genauem Hinschauen jedoch als ängstliches Delegieren von Verantwortung nach oben zu einem Wunderwuzzi und Erlöser. Nebenbei werden die Dysfunktionalitäten des unkoordinierten Nebeneinanders von Bund und Ländern nun auch in der ÖVP-Struktur in Beton gegossen: Zwei fürderhin unkoordinierte "Firmen" sollen sich um ein Elektorat kümmern und die Menschen mit zwei getrennten Politprogrammen langweilen. Was das alles für das künftige Standing der Landesparteien bedeuten wird, ist von den Akteuren wohl noch nicht bedacht.

    Unerwartet ist das aber nicht wirklich: Eine Arena-Analyse aus dem Jahr 2013, vom Wiener Public-Affairs-Büro Kovar & Partners gemeinsam mit "Die Zeit" und "Die Presse" editiert und damals in Alpbach diskutiert, spricht von einer ÖVP, die mittelfristig dem Untergang geweiht sei und die es spätestens 2017 in dieser Form nicht mehr geben werde. Erwartet wurde in dieser vier Jahre alten Prognose ein multipliziertes CSU-
    Modell, in dem angeführt von Niederösterreich sich mehrere Landesparteien von der Mutter trennen, um ihre Wahlchancen im eigenen Bundesland intakt zu halten. Für die Städte erwartet man sich neue Parteien als Bürgerlisten, das Modell Innsbruck multiplizierend, wo ehemalige ÖVP-Politiker durch Weglassen des Etiketts ÖVP reüssieren.


    Ein Polit-Kommando-Betrieb
    Eine Liste Sebastian Kurz auf Bundesebene kann so gesehen nicht überraschen. Es geht um die Umsetzung strategischer Führungsmodelle, freilich um den Preis der Aufgabe eines systemischen Zusammenhanges einer gesamthaften Österreich-Politik. Die gemeinsame Aufgabe des multiplen Interessenausgleichs von Volkspartei als Folge demokratischer Strukturen soll nun aufgegeben werden zugunsten eines autoritativen Polit-Kommando-Betriebes. Wenn autoritatives Führen definiert wird mit Monopolisierung von Entscheidungen, dann macht die ÖVP einen gewaltigen Schritt in Richtung autoritärer Partei, was natürlich etwas anderes ist als eine strategisch stark aufgestellte Partei wie etwa die CDU in Deutschland.

    In der Expertise aus dem Jahr 2013 wird auch das Szenario antizipiert, dass keine Zweierkoalitionen mehr möglich seien und nach vollzogenem Generationenwechsel in den etablierten Parteien eine neue Qualität von Politik möglich werde. Analog zu Generationswechseln im Management, wo traditionell die Chancen auf kulturelle Veränderungen genutzt werden, könnte auch die Politik Reformchancen nutzen. Exzellenz in Personenqualität und Gouvernance ist dann die Voraussetzung für Erfolgsstrategien.

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-05-16 15:42:05
    Letzte ─nderung am 2017-05-17 13:35:05



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