• vom 17.05.2017, 16:50 Uhr

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Das böse Glühbirnenverbot und die Zukunft Europas




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Von Paul Schmidt

  • Die EU soll sich nicht in jeden Schmarrn einmischen. Aber wir sollten bei den Fakten bleiben.

Paul Schmidt ist Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik.

Paul Schmidt ist Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik. Paul Schmidt ist Geschäftsführer der Österreichischen Gesellschaft für Europapolitik.

Weniger ist mehr. Die EU soll klein in kleinen, aber groß in großen Fragen sein. Nur dort aktiv werden, wo es auch sinnvoll ist. Sich endlich auf die wichtigen Dinge konzentrieren und nicht in den Alltag einmischen. So weit, so gut. Und dann gibt es Geschichten wie das Verbot der Glühbirne, die als Beispiel vermeintlicher Überregulierung bemüht und oft als zentralistische Schikane empfunden werden. Aber hat das bürokratische Monster in Brüssel tatsächlich die gute, alte Glühbirne auf dem Gewissen?

Der berüchtigte Federstrich europäischer Beamter war es nicht. Die Umstellung auf Energiesparlampen geht auf einen Vorschlag Deutschlands zurück. Danach waren es die EU-Regierungschefs, die die EU-Kommission beauftragten, strengere Energieeffizienzanforderungen unter anderem für Leuchtmittel festzulegen. Die Umsetzungsdetails wurden mit Interessensgruppen und nationalen Fachexperten akkordiert, auch die zuständigen Ausschüsse im EU-Parlament stimmten den neuen Anforderungen zu. Die Verordnung trat letztlich ab April 2009 schrittweise in Kraft. Österreichs Vertreter waren zu jeder Zeit involviert.

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Es waren die EU-Mitgliedstaaten, die sich vor rund zehn Jahren selbst verpflichtet haben, ihren Treibhausgas-Ausstoß bis 2020 um mindestens 20 Prozent gegenüber 1990 zu senken. Und mit energieeffizienteren Produkten kann eine Menge Strom gespart werden. Die Glühbirne war mit einem Wirkungsgrad von 5 Prozent aber alles andere als effizient. Die restlichen 95 Prozent gingen als Wärmestrahlung verloren. Im Vergleich dazu haben Energiesparlampen eine deutlich bessere Umweltbilanz, sie brauchen nur 20 Prozent der Energie einer Glühlampe, LEDs gar nur 15 Prozent.

Viele Kritikpunkte an den früheren Energiesparlampen waren trotzdem berechtigt und wirken bis heute nach. Die Anlaufzeiten der ersten - teuren - Sparlampen und die zu Beginn kritisierte fehlende Gemütlichkeit durch kälteres Licht werden nicht vergessen. Rückblickend hätte beim Glühbirnenverbot also einiges besser gemacht werden können. Die Emotionalität des Themas wurde - wie so oft - unterschätzt.

Aber: Wer fordert, die EU solle sich um die wichtigen Dinge kümmern und nicht um Kleinigkeiten wie die Glühbirne, sollte sich besser informieren. Eine einzelne Glühbirne oder ein Geschirrspüler ändert nichts, und der Einsparungseffekt ist bei energiesparenden Großgeräten größer als bei der Glühbirne.

Der Energieverbrauch der Milliarden Produkte in Millionen europäischen Haushalten ist aber beileibe keine Kleinigkeit. Ökodesign ist nötig, um die Energiesparziele des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen. Durch die beschlossenen Maßnahmen soll bis 2020 so viel Energie eingespart werden, wie ganz Italien in einem Jahr verbraucht. Die Hälfte der Energiesparziele sowie ein Viertel der Emissionsreduzierungsziele, die sich die EU bis 2020 gesetzt hat, soll durch die Umsetzung der Richtlinien erreicht werden. Durch die Einsparungen können jährlich Energieimporte im Äquivalent von 65 Millionen Fässern Öl vermieden werden. Die Maßnahmen haben zudem nicht nur ein Energie-, sondern auch Sparpotenzial für Europas Haushalte. Und auch das ist letztlich keine Kleinigkeit.




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Dokument erstellt am 2017-05-17 16:54:06



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