• vom 24.05.2017, 21:07 Uhr

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Update: 25.05.2017, 20:43 Uhr

Rechtskommentar

Selbstschutz und Solidarität




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Von Günther Kräuter

  • Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, darum fordert die Volksanwaltschaft einen verpflichtenden Impfschutz dagegen.

- © Fotolia/muro

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Die Volksanwaltschaft fordert einen verpflichtenden Impfschutz gegen Masern an Kindergärten, Krippen und Schulen sowie für Gesundheitspersonal - und zwar aus mehreren guten Gründen: Masern sind keine harmlose Kinderkrankheit, sie sind hochansteckend und können schwerwiegende Folgen nach sich ziehen. In 20 von 100 Masernfällen treten Komplikationen wie Bronchitis, Mittelohr- und Lungenentzündung auf. Bei etwa einem von 1000 Erkrankten kommt es zu einer lebensbedrohlichen Gehirnentzündung.

Ein Grund, der mir besonders am Herzen liegt: Erst ab einer Durchimpfungsrate von 95 Prozent sind auch Menschen geschützt, die (noch) nicht gegen Masern geimpft werden können, wie Säuglinge, Krebspatienten oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Derzeit sind diese besonders gefährdet, denn Österreich erreicht die Durchimpfungsrate nicht. Als Folge steigt die Zahl der Erkrankungen, diese hat sich heuer bereits mehr als verdoppelt.

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Erst kürzlich wandten sich deshalb besorgte Eltern an die Volksanwaltschaft. Ihr Kind hat aufgrund einer Transplantation den Immunschutz verloren und kann derzeit nicht geimpft werden. Die Eltern wissen nicht, ob die Mitschüler gegen Masern geimpft sind, und haben auch kaum Möglichkeiten, dies zu erfahren. Eine Impfpflicht könnte ihr Kind schützen. Denn nur die Immunität der Mehrheit schützt die Minderheit, die nicht geimpft werden kann. Impfen ist daher auch eine solidarische Verpflichtung.

Die Durchimpfungsrate sinkt
Schließlich wären ohne Impfungen lebensgefährliche Krankheiten wie etwa die Pocken bis heute nicht ausgerottet.

Trotz dieser zahlreichen Gründe haben die Aufklärungskampagnen und Appelle der Gesundheitspolitik bisher nicht zum Ziel geführt. Die Durchimpfungsrate sinkt. Etwa sechs Prozent der Zwei- bis Fünfjährigen in Österreich sind derzeit gar nicht gegen Masern geimpft, das sind rund 20.000 Kinder. Rund zehn Prozent der geimpften Kinder sind kein zweites Mal geimpft. Aus der Sicht von Experten ist "Gefahr in Verzug".

Doch darf der Staat Menschen dazu verpflichten, sich durch eine Impfung gegen Masern zu schützen? Ist ein solcher Eingriff in das Recht auf Privatsphäre gerechtfertigt? Die Antwort ist klar: Der Staat darf nicht nur handeln; er muss sogar. Eine gewisse Verpflichtung zur Impfung ist nicht nur ethisch vertretbar, sondern im Lichte der staatlichen Gewährleistungspflicht zum Schutz der Gesundheit sogar geboten, wie auch der renommierte Medizinrechtsexperte Christian Kopetzki argumentiert.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-05-24 16:24:09
Letzte nderung am 2017-05-25 20:43:52



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