• vom 22.08.2017, 12:54 Uhr

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Update: 22.08.2017, 14:46 Uhr

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Fünf Hürden auf dem Weg zum digitalen Arbeitsplatz




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Von Matthias Resatz

  • Gastkommentar: 60 Prozent der befragten Unternehmen haben noch keine Digitalstrategie.

- © fotolia/peshkova

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Matthias Resatz ist Director Solutions von Dimension Data Austria, dem führenden Service- und Lösungsanbieter für Informationstechnologie.

Matthias Resatz ist Director Solutions von Dimension Data Austria, dem führenden Service- und Lösungsanbieter für Informationstechnologie.

© Dimension_Data

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Unsere Arbeitswelt ändert sich radikal. Das traditionelle Büro wandelt sich immer mehr hin zu einem digitalen Arbeitsplatz. In den nächsten zwei Jahren werden mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Unternehmen Vollzeit-Mitarbeiter im Home-Office beschäftigen. Mehr als drei Viertel (77 Prozent) werden Teilzeit von zu Hause aus arbeiten. Und die Zahl der "virtuellen Kollegen" wird weiter wachsen. Damit sind aber nicht nur Mitarbeiter gemeint, die mobil arbeiten, sondern auch "Bots" mit künstlicher Intelligenz, die künftig Basisarbeiten automatisiert übernehmen können.

62 Prozent glauben, dass sich in den nächsten zwei Jahren virtuelle Assistenten in ihren Unternehmen etablieren werden, und 58 Prozent wollen in entsprechende Technologien investieren. Das hat der aktuelle "Digital Workplace Report" von Dimension Data ergeben, für den 800 Unternehmen aus sieben Branchen in 15 Ländern (sechs davon in Europa) zur digitalen Transformation am Arbeitsplatz befragt wurden.

Aber sind die Unternehmen schon bereit dafür? Die Antwort lautet: Nein. 60 Prozent der befragten Organisationen geben an, noch keine dezidierte Strategie für digitale Arbeitsplätze zu haben. Der Rest erklärt, noch in einem frühen Stadium der Entwicklung zu sein. Was hemmt Unternehmen derzeit noch, innovative Informations- und Kommunikationstechnologien für die flexiblere und produktivere Zusammenarbeit einzusetzen? Die im Report genannten fünf wichtigsten Gründe geben Aufschluss darüber.

1. Komplexe IT-Infrastruktur: Als größte Hürde für die Umsetzung des digitalen Arbeitsplatzes wird vor allem eine mangelnde oder undurchsichtige IT-Infrastruktur im Unternehmen angesehen (62 Prozent der Nennungen). Die Komplexität der bestehenden IT-Lösungen kann ein großes Hemmnis für die Einführung neuer Collaboration-Tools darstellen, um flexiblere Teamarbeit zwischen physisch anwesenden und virtuell arbeitenden Kollegen zu ermöglichen.

2. Organisatorische Problemfelder: Der zweitwichtigste Grund (60 Prozent) ist in der betrieblichen Organisation beziehungsweise in der Unternehmenskultur verankert. Diese hemmt leider oft die Entwicklung neuer Arbeitsstile und den Einsatz moderner Technologien - wie etwa Cloud-Lösungen oder "smarte" Meetingräume mit Video-, Web- oder Audio-Konferenzen - statt sie zu fördern.

3. Mangelnde Abstimmung in Bezug auf Compliance: Der drittgrößte Hemmfaktor (56 Prozent) liegt in den von Branche zu Branche unterschiedlich strengen Regeln des Geschäftsgebarens. Die den Mitarbeitern bereitgestellten IT-Lösungen müssen in Bezug auf die Geschäftsprozesse absolut compliant sein. Als hinderlich wird oft eine fehlende Abstimmung zwischen den Geschäftsprozessen und den dafür erforderlichen Technologien empfunden. An die IT-Infrastruktur werden zudem hohe Anforderungen hinsichtlich des Schutzes vor Cyberattacken und der Sicherung sensibler und personenbezogener Daten gestellt.

4. Widerstand der Mitarbeiter: Nicht alle sind dem digitalen Wandel gegenüber positiv eingestellt. 54 Prozent geben an, dass der Abschied vom traditionellen Büro am Widerstand der Mitarbeiter scheitert. Dieser wird zum Teil sicherlich auch durch Angst vor Jobverlust hervorgerufen. Beim digitalen Arbeitsplatz der Zukunft geht es jedoch nicht darum, Personal durch Automatisierung zu ersetzen. Virtuelle Assistenten sollen Mitarbeiter künftig von Routinearbeiten für wichtigere Aufgaben freispielen, wie zum Beispiel die Entwicklung innovativer Produkte und Dienstleistungen oder die Optimierung des Geschäftsmodells für das Digital Business.

5. Kein klar definierter Return on Investment: Für 53 Prozent der Befragten ist nicht klar, ob sich die Investition in zeitgemäße Informations- und Kommunikationstechnologien wirklich auszahlt und welcher messbare Return on Investment sich daraus ergibt. Dass konkrete Erfolge durch die Digitalisierung von Arbeitsplätzen möglich sind, zeigt der Report: 52 Prozent geben an, dass sie die Zeit bis zur Marktreife von Produkten verkürzen konnten. 51 Prozent sehen eine Verbesserung im Recruiting von neuem Personal, und 45 Prozent bemerken eine Qualitätssteigerung beim Kundenservice.

Wie die Hürden überwinden?

Welche Schlussfolgerungen lassen sich also zur Überwindung dieser Hürden ziehen? Hier können drei wesentliche Punkte angeführt werden: Erstens erfordert die Einführung einer digitalen Arbeitsplatzstrategie vor allem Offenheit für Veränderung und "Digital Leadership" durch die Unternehmensspitze. Rund zwei Drittel der Befragten sehen vor allem Führungskräfte in der ersten Ebene wie CEO, CIO oder CFO in der Verantwortung, die Transformation vom traditionellen Büro zum digitalen Arbeitsplatz voranzutreiben. Das zeigt: Der strategische Wandel fängt "top down" an. Führungskräfte müssen alle im Unternehmen an Bord holen, alte Strukturen hinterfragen und neue Prozesse schaffen. Und sie müssen die Einführung innovativer Arbeitsplatztechnologien in enger Zusammenarbeit mit den Line-of-Business-Verantwortlichen und der IT-Abteilung umsetzen. Dadurch kann sichergestellt werden, dass die IT-Lösungen auch mit den Geschäftsprozessen und den Vorgaben in Bezug auf Compliance harmonieren.

Zweitens empfiehlt es sich, bei einer mangelhaften oder zu komplexen IT-Infrastruktur Experten von außen zu Rate zu ziehen. Zwei Drittel der Unternehmen geben an, dass sie Unterstützung von externen Partnern brauchen, um Arbeitsplatztechnologien richtig zu planen, einzuführen und zu nutzen. Denn als Hauptgrund für den Verzicht auf Business-Lösungen und die Nutzung von teils privaten Consumer-Programmen wird angeführt, dass die von der eigenen IT-Abteilung angebotene Infrastruktur inadäquat sei.

Drittens gilt die Devise: Die neue Arbeitswelt muss gelebt werden. Die Auswahl und die Implementierung der neuen Arbeitsplatztechnologien ist erst der Anfang. Unternehmen müssen sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter diese verstehen und zur effizienteren Zusammenarbeit oder Verbesserung ihres Arbeitsumfeldes nutzen. Selbstverständlich sollten dabei auch die Geschäftspartner und Kunden von der Veränderung profitieren: Eine nachweislich erhöhte Kundenzufriedenheit ist neben der Reduktion der Kosten der beste Beweis, dass die digitale Transformation des Arbeitsplatzes ein Erfolg ist.

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
Dokument erstellt am 2017-08-22 13:00:09
Letzte nderung am 2017-08-22 14:46:05



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