• vom 03.10.2017, 15:04 Uhr

Gastkommentare


Gastkommentar

Der Wert von Freiwilligenarbeit




  • Artikel
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief




Von Eva More-Hollerweger




    Freiwilligenarbeit wird häufig als Mittel zur Erlangung arbeitsmarktrelevanter Fähigkeiten gesehen. Sowohl fachliche als auch soziale Kompetenzen sollen durch freiwilliges Engagement erworben und nachgewiesen werden. Gleichzeitig wird Freiwilligenarbeit der bezahlten Beschäftigung in gewisser Weise immer ähnlicher: Von der Rekrutierung und Auswahl über Einschulung und Weiterbildung bis hin zum Tätigkeitsnachweis werden Instrumente des Managements angewendet, um zu gewährleisten, dass Freiwillige im Sinne der Organisation agieren und dabei entsprechend begleitet werden.

    Das ist betriebswirtschaftlich betrachtet durchaus sinnvoll. Aber übersehen wir vielleicht etwas Wichtiges, wenn wir Freiwilligenarbeit primär aus dem Blickwinkel der Effizienz betrachten? Was macht das mit der (intrinsischen) Motivation der Freiwilligen und der bezahlten Mitarbeiter? Müssen bezahlte Mitarbeiter gar um ihre Jobs fürchten?

    Werbung

    Freiwilligenarbeit unterscheidet sich in einigen wesentlichen Punkten von der Erwerbsarbeit. Sie erfolgt unbezahlt, also ohne monetäre Gegenleistung. Freiwillige bestreiten mit der Tätigkeit nicht ihren Lebensunterhalt. Das Einkommen fällt damit als Motivation weg, weshalb Freiwilligenarbeit oft auch mit intrinsischer Motivation in Verbindung gebracht wird. Darunter versteht man Motivation, die nicht durch äußere Anreize, wie Geld, sondern von innen kommt, also beispielsweise dem Wunsch, eine sinnvolle Tätigkeit auszuführen, anderen zu helfen, etwas zu bewegen etc.

    Im Gegensatz zu bezahlter Arbeit können Freiwillige aus arbeitsrechtlichen Gründen nur sehr eingeschränkt zur Erfüllung bestimmter Tätigkeiten verpflichtet werden. Als Freizeitbeschäftigung ist Freiwilligenarbeit auf bestimmte Zeitfenster und ein bestimmtes Stundenausmaß beschränkt. Die gesetzlich geregelten Qualitätsstandards für die Leistungserbringung bedingen ein hohes Maß an Aus- und Weiterbildung, das von Freiwilligen kaum eingefordert werden kann.

    Neben all den Unterschieden gibt es aber auch Ähnlichkeiten zwischen Freiwilligenarbeit und bezahlter Arbeit beziehungsweise zwischen Freiwilligen und bezahlten Mitarbeitern. Beide erfüllen Tätigkeiten für bestimmte Zielgruppen oder gesellschaftliche Anliegen. Beide sind sowohl extrinsisch als auch intrinsisch motiviert. Diese Ähnlichkeiten verleiten dazu, Vergleiche zu ziehen, und dies führt mitunter zu Konflikten in den Organisationen.

    weiterlesen auf Seite 2 von 2




    Leserkommentare




    Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


    captcha Absenden

    * Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)


    Dokumenten Information
    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-10-03 15:09:09



    Werbung



    Beliebte Inhalte

    Meistgelesen
    1. Schluss mit der Inszenierung
    2. Balanceakt am Ballhausplatz
    3. Das dritte Österreich
    4. Der grüne Pilz
    5. Tacheles reden, das wär’ gut
    Meistkommentiert
    1. Der Umbruch
    2. Der grüne Pilz
    3. Der Sino-Sputnik-Schock
    4. Antipathie in der Politik
    5. Es wird gewählt. Endlich!


    Werbung


    Werbung