• vom 11.10.2017, 17:33 Uhr

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Update: 11.10.2017, 17:42 Uhr

Leserkommentar

Zur Dialogfähigkeit bei der Frage "Ehe für alle"




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Von Pater Florian Calice




    Replik auf den Kommentar von Matthias Winterer vom 5. Oktober:

    Zurzeit gehören 40 Prozent aller Schüler in Wien im Alter von 6 bis 14 Jahren dem islamischen Bekenntnis an. Abgesehen davon, dass diese Zahl kontinuierlich ansteigt, muss man auch bei den aktuellen Verhältnissen davon ausgehen, dass in einigen Jahrzehnten fast die Hälfte der Menschen, die in Wien beruflich aktiv sind und daher das gesellschaftliche Leben entscheidend prägen, Moslems sein werden.

    Information

    Florian Calice ist Mitglied des Oratoriums des Heiligen Philipp Neri in Wien und Pfarrer an der Rochuskirche im 3. Bezirk in Wien.


    Warum das für die im Titel genannte Frage "Ehe für alle" relevant ist? Ganz einfach, weil es ratsam wäre, sich in gesellschaftlichen Fragen daran zu gewöhnen, sich einem echten Dialog mit den Menschen in unserer Gesellschaft zu stellen, deren Weltanschauung von ihrem Glauben an eine höhere Ordnung bestimmt wird. Dies umso mehr, als im Islam der Glaube eben nicht "Privatsache" ist, wie das bei uns gerne betont wird, sondern mit größter Selbstverständlichkeit das gesellschaftliche Leben formen möchte.

    Dialog meint die Fähigkeit, die Anschauung des Anderen zu respektieren, dem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen, seiner Meinung nicht von vornherein jegliche Berechtigung abzusprechen und vor allem die Ansichten, die der eigenen entgegenstehen, wenigstens ein wenig zu verstehen zu versuchen, um dann sachlich Gegenargumente vorzubringen. Gläubige Menschen, die zu gesellschaftlichen Fragen Stellung nehmen, haben darauf genauso ein Recht wie alle anderen.

    Eine katholische Pfarre in Wien hat unlängst in ihrem Magazin für die Pfarrmitglieder zwei Beiträge gebracht, die sich mit der zurzeit diskutierten Frage der "Ehe für alle" beschäftigten: zum einen einen Erfahrungsbericht einer Lesbe, zum anderen eine Erklärung, warum für die katholische Kirche der Begriff "Ehe" nur für den Lebensbund von Mann und Frau gilt. Im Erfahrungsbericht schilderte Ursula, eine Frau mittleren Alters, ihre persönliche Erfahrung von gelebter Homosexualität, indem sie die Entwicklungsstadien aufzeigte, die ihre Homosexualität dabei durchlaufen hatte: von einer schon im Kindesalter getroffenen Festlegung (aufgrund einer traumatischen Erfahrung) über die Suche nach homoerotischen Kontakten in der Jugend bis zur Erkenntnis, dass sie in den verschiedenen homosexuellen Beziehungen, in denen sie dann als Erwachsene stand und die stark von sexueller Begierde geprägt waren, die Liebe, die sie gesucht hatte, nicht finden konnte.

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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-10-09 17:39:08
    Letzte nderung am 2017-10-11 17:42:12



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