• vom 13.11.2017, 11:54 Uhr

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Update: 13.11.2017, 12:46 Uhr

Gastkommentar

Die EU sollte sich zurückholen, was ihr zusteht: Ulrike Lunacek




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Von Lucas Palm


    Lucas Palm, arbeitet nach beruflichen Stationen in Bern und Brüssel bei einer internationalen Organisation in Paris. 2013 erschien sein Romandebüt " Weg von hier " beim Müry Salzmann Verlag.

    Lucas Palm, arbeitet nach beruflichen Stationen in Bern und Brüssel bei einer internationalen Organisation in Paris. 2013 erschien sein Romandebüt " Weg von hier " beim Müry Salzmann Verlag.© privat Lucas Palm, arbeitet nach beruflichen Stationen in Bern und Brüssel bei einer internationalen Organisation in Paris. 2013 erschien sein Romandebüt " Weg von hier " beim Müry Salzmann Verlag.© privat

    Als Ulrike Lunacek im heurigen Mai vom EU-Parlament nach Wien - sprich: in die schwarz-türkis-blau-rot-grün-pinken Gefilde österreichischer Hahnenkämpfe - wechselte, staunten aufmerksame Beobachter nicht wenig. Denn wer in etwa weiß, welchen Ruf Lunacek im ach so fernen Brüssel über Parteigrenzen hinweg genoss, musste sich zwangsläufig fragen: Warum tut ausgerechnet sie sich so etwas an?

    Es lässt sich nicht leugnen: In der Brüsseler EU-Bubble war Lunacek eine Größe. Als Vizepräsidentin des EU-Parlaments vertrat sie Martin Schulz und danach Antonio Tajani bei hohen Repräsentationsaufgaben auf dem internationalen Parkett, übernahm immer wieder die Leitung der Plenarsitzungen in Straßburg, begleitete als Kosovo-Berichterstatterin die behutsamen Annäherungen zwischen dem Kosovo und der EU mit kritischer Solidarität - was ihr, so heißt es, eine höhere Prominenz in Prishtina und Tirana bescherte, als es vor dem Wahlkampf in Österreich der Fall war -, und war Ko-Präsidentin der informellen LGBT-Intergroup, wodurch sie in ihrer Arbeit in zwei Ausschüssen, jenem für Außenpolitik und jenem für die Wahrung der Grundrechte, die Rechte Schwuler, Lesben, Bi- und Transsexueller nicht aus dem Blick verlor.

    Genuin österreichische EU-Skepsis

    Dass ihre gewichtige Rolle, die sie in Brüssel und Straßburg innehatte, in Österreich vergleichsweise wenig Beachtung fand, liegt wohl nicht zuletzt an der genuin österreichischen Skepsis gegenüber der EU, die letztlich auch den eigenen Abgeordneten im EU-Parlament eine weltfremde Abgehobenheit unterstellt. Dabei zeigt ein Blick auf andere Länder, dass EU-Parlamentarier durchaus als "bürgernah" empfunden werden können. In Frankreich etwa verkörperten in der Präsidentschaftswahl gleich zwei EU-Parlamentarier das Anti-Establishment: Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon. Während Le Pen die Lust, mit streikenden Fabrikarbeitern vor der Kamera zu posieren, vergangen zu sein scheint, gilt Mélenchons Partei "La France Insoumise" ("Das widerspenstige Frankreich") nun als Oppositionspartei der kleinen Leute. Und in Großbritannien war es ausgerechnet ein EU-Parlamentarier, der den Brexit ins Rollen brachte und seinen Landsleuten weismachen konnte, er sei in Brüssel, wo alle - allen voran die EU-Kommission - gegen sie seien, als Einziger für sie.

    Nachdem am 15. Oktober fast 80 Prozent der österreichischen Wahlberechtigten darüber entschieden haben, was Österreich zusteht, sollte die EU nun die Gunst der Stunde nutzen und alles daransetzen, Ulrike Lunacek zurück nach Brüssel zu locken. Denn dass man den Einzug in den österreichischen Nationalrat verpasst, heißt noch lange nicht, dass man in der Europäischen Union nicht gebraucht wird.





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    Copyright © Wiener Zeitung Online 2017
    Dokument erstellt am 2017-11-13 11:59:06
    Letzte nderung am 2017-11-13 12:46:53



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