• vom 06.12.2017, 18:12 Uhr

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Klima

Mit Technik das Klima retten?




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Von Adrian Lobe

  • Der Mensch versucht, Einfluss auf das Klima zu nehmen. Das ist eine Hybris.

Adrian Lobe hat Politik- und Rechtswissenschaften in Tübingen, Paris und Heidelberg studiert und ist freier Journalist in Stuttgart.

Adrian Lobe hat Politik- und Rechtswissenschaften in Tübingen, Paris und Heidelberg studiert und ist freier Journalist in Stuttgart. Adrian Lobe hat Politik- und Rechtswissenschaften in Tübingen, Paris und Heidelberg studiert und ist freier Journalist in Stuttgart.

Vor wenigen Tagen machte eine Meldung die Runde, wonach es australischen Forschern gelungen sei, eine Korallentransplantation im Great Barrier Reef durchzuführen. Die Wissenschafter sammelten zunächst den Laich, brüteten ihn zu Larven aus und implantierten diese ins Meer. Das 2300 Kilometer lange Riff gilt als eines der gefährdetsten Ökosysteme der Welt - es leidet unter einer schwerwiegenden Korallenbleiche infolge der Erderwärmung. Das größte Korallengebiet der Welt stirbt einen langsamen Tod. Geht der Klimawandel ungebremst weiter, könnte das Naturerbe bald aussterben.

Insofern nimmt man die Nachricht der Korallentransplantation mit Erleichterung entgegen. Doch kann das die Rettung sein? Im Kampf gegen den Klimawandel hat sich die Menschheit den kühnsten Visionen verschrieben. So gibt es Pläne, CO2 mit Saugern aus der Luft zu filtern, mit gigantischen Spiegeln im All die Erde vor Sonneneinstrahlung zu schützen oder gar das Meer abzupumpen. Das Stichwort lautet Geo-Engineering.


Die Wissenschafter sind von der Idee beseelt, die Erderwärmung mit technischen Mitteln aufzuhalten oder das natürliche Klima durch Veränderung atmosphärischer oder topografischer Begebenheiten auszutricksen. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen beispielsweise mit der Aufschüttung eines Berges künstliche Wolken erzeugen und so die Niederschlagsproduktion ankurbeln.

Man muss kein Klimaforscher sein, um dieses Projekt für größenwahnsinnig zu halten. Das Wetter und Klima ist ein hochkomplexes System, kleinste Eingriffe des Menschen können ein systemisches Chaos verursachen. Die ökologischen Folgen sind in keiner Computersimulation absehbar. Nachdem chinesische Regierungswissenschafter im Jahr 2009 mithilfe von Chemikalien rund 16 Tonnen Schnee über Peking fallen ließen, provozierte dieser Eingriff einen heftigen Schneesturm. Flüge fielen aus, Millionen Menschen saßen frierend in ihren ungeheizten Wohnungen. Das Experiment geriet außer Kontrolle.

Wetterbeeinflussung ist in China keine Seltenheit. Im Reich der Mitte gibt es ein offizielles "Wetteränderungsamt", das bei Großveranstaltungen für Sonnenschein sorgt. Als könne man schönes Wetter staatlich dekretieren. Die kommunistische Staatsführung will nicht nur die Menschen kontrollieren, sondern auch das Wetter. Eine verhängnisvolle Chimäre. Die Risiken einer technologischen Beeinflussung des Klimas sind kaum beherrschbar. In den USA hat sich gezeigt, dass durch die Fracking-Technologie die Gefahr seismischer Aktivitäten stark erhöht wird. Die Fördergebiete werden regelmäßig durch Mikrobeben erschüttert.

Es ist die Hybris des modernen Menschen, dass er glaubt, jedes System - vom Körper bis zum Klima - dekonstruieren und neu zusammensetzen zu können, als wäre alles nur ein Baukasten. Wer meint, mit CO2-Saugern oder künstlichen Algen die Treibhausgase wieder einfangen zu können, ist schlicht mit Blindheit geschlagen. Vielleicht sollte die Menschheit besser Emissionen reduzieren, als diese mühsam zu beseitigen.




Schlagwörter

Klima, Klimawandel, Wetter, USA, China

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Dokument erstellt am 2017-12-06 18:17:09



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